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    Sabrina an ihren im Buch beschriebenen Lieblingsplätzen in Zürich. (Bild: Patrice Siegrist)
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    Sabrina an ihren im Buch beschriebenen Lieblingsplätzen in Zürich. (Bild: Patrice Siegrist)
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    Sabrina mit Daniela im Fotoautomaten. (Bild: Fotoautomat)
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    Der Tankstellenführer. (Bild: Patrice Siegrist)

Auftanken in Zürich

in Campus von

Ein Büchlein wird zum Event. Abschalten, auftanken, durchstarten mit Zürichs neuestem Stadtführer. Die ZS verlost fünf Exemplare.

Sabrina und ich schwingen durch die Luft. Ihre gelöste Haarsträhne steht mal grad nach vorne, dann wieder klebt sie am Kopf. Eins, zwei, drei, «Absprung»! Wir landen im Kies auf dem Spielplatz beim Gemeinschaftszentrum Bachwiesen und machen einen «Riitisäiliwiitsprung» – die erste «Tankstelle» auf unserem Streifzug durch Zürich. «Hier habe ich in meiner Kindheit viel Zeit verbracht», sagt Sabrina Volkart, Autorin des Tankstellenführers. Die Bachwiesen – ein Ort zum Auftanken, Eselstreicheln, Plantschen im Bächlein oder eben riitisäilen.

Produkt einer Nacht

Alle ihre persönlichen Nischen und Örtchen in Zürich hat Sabrina gesammelt und zu einem Tankstellenführer vereint. Der hat nichts mit Autos oder «Hödis» (Mopeds) zu tun, wie sie im Vorwort erklärt, sondern «zeigt dir, wo du zmittst im Chueche des hektischen Zürich Ruhe, Freude und Energie auftanken kannst». Als sie – mehr aus Joke – auf Ron Orp nach einem «Goldesel» suchte, meldete sich prompt ein Verlag. Heute steht ihr Büchlein auf der Verkaufstheke im Orell Füssli als «Buch der Woche».
Dabei begann alles ganz harmlos mit einem Gespräch während einer Zugfahrt. Ihr Gspändli war vom abgelegensten Flecken des Kantons Bern in die Limmatstadt gezogen und war auf der Suche nach Orten abseits der grossstädtischen Hektik. «Wenige Tage später klopfte es in meinem Kopf und sagte ‹mach einen Tankstellenführer›», erzählt Sabrina. In dieser Nacht setzte sie sich hin und schrieb alles von Hand und in Zürichdeutsch nieder. Bei Sonnenaufgang hatte sie den Prototyp ihres Tankstellenführers in der Hand. Das ist nun zwei Jahre her. «Damals dachte ich noch nicht an eine Publikation – ich habe das Büechli verschenkt», sagt Sabrina.
Wir lassen die Riitisäili hinter uns und machen uns auf den Weg Richtung Friedhof Sihlfeld. Es scheint, als sei Sabrina bereits auf der Suche nach neuen Oasen. Velostossend durchqueren wir die riesige Grünfläche des Friedhof Sihl­feld – nur ein kleiner Teil ist mit Grabstätten belegt, der Rest ist als Parkanlage freigegeben. Im Sommer sitze an jedem Baum jemand, der lernt oder liest. «Das ergibt ein witziges Bild mit den vielen Beinen, die hinter den Bäumen hervorlugen», sagt Sabrina.

Vieles hat sich einfach ergeben

Ein halbes Jahr nachdem Sabrina die erste handschriftliche Fassung ihres Büchleins kreiert hat, nimmt sie ihr Projekt wieder auf – mit dem Ziel, es zu digitalisieren. Mit einer Internetsoftware entwickelt sie eine Computerschrift, die mit ihrer Handschrift identisch ist. Ein Freund übernimmt das Layout. Per Zufall stösst sie auf die Homepage der Illustratorin Viviana Chiosi. Überzeugt, die Richtige gefunden zu haben, ruft Sabrina sie an. Diese sagt ohne Zögern zu.
«Ich bin immer zum richtigen Zeitpunkt an die richtigen Leute geraten», erinnert sich Sabrina. Schliesslich hat sie die zweite Version digital vor sich und weiss noch nicht so recht, was sie damit anfangen soll.

Odysee ins Glück

Wir erreichen das andere Ende des Friedhofs und düsen Richtung Goldbrunnenplatz. Beim alten 1-Franken-Passfotoautomaten können wir nicht anders – wir zwängen uns in die Kabine und schneiden Grimassen.
Unsere letzte Tankstelle soll das Café «Zum Guten Glück» sein. Doch der Weg dorthin gleicht einer Odyssee. Sabrinas Veloschlauch macht schlapp, die Suche nach einem Velomech ist äusserst mühsam. Nachdem der eine ausgebucht ist und der andere geschlossen hat, erweist sich der dritte als Glücksfall. «Ein Führer mit vielen lebenspraktischen Lädeli wäre eine nächste Idee – zum Beispiel: Wo gibt es gute, günstige und schnelle Velomechs in der Stadt?», sagt Sabrina. Immer wenn sie dringend einen brauche, finde sie keinen.
Mit dem neuen Schlauch machen wir uns auf ins «Gute Glück». Zwischen Birchermüesli schnabulieren und Kaffeeschlürfen schildert Sabrina den weiteren Verlauf ihrer Produktion. Der Verlag Walkwerk kam hinzu: «Ich merkte gleich, dass er zu meinem Büchlein passt.» Eine Bedingung war jedoch, dass sie sich vom Zürichdeutschen verabschiedet und den Tankstellenführer ins Hochdeutsche übersetzt. So soll ein grösserer Lesekreis angesprochen werden. Den ursprünglichen Charakter konnte sie dennoch beibehalten – in der jetztigen Druckversion findet sich immer noch das eine oder andere zürichdeutsche Wort.

Entspannen wollen alle

Mit detailgetreuen Angaben zu Öffnungszeiten und Wegbeschreibungen kann der Stadtkundschafter alles ausfindig machen, ohne auf zusätzliche Informationen aus dem Internet angewiesen zu sein. In Zusammenarbeit mit Walkwerk entwickelte sich der handgeschriebene Prototyp der ersten Nacht zu einem lesenswerten Enspannungsführer. Dieser richtet sich an alle, die sich entspannen wollen – seien es Studenten, Familien, Banker oder Touristen. Die verspielten Aspekte wie der «Synchronriitisäiliwiitsprung» und die ultimativen Quiz, welche Sabrinas Geheimtipps verraten, bilden das Pünktchen auf dem i.
Das Birchermüesli ist ausgegessen, Sabrina löffelt den letzten Schaum ihres Cappuccinos vom Tassenrand. Vor dem Café «Zum Guten Glück» verabschieden wir uns und tauchen ein in den Verkehrsstrom der hektischen Stadt – um bald wieder eine «Tankstelle» aufzusuchen. ◊ Das Buch beschreibt Orte des Auftankens in den fünf Rubriken «tankt wird……Wald & Wise, …Sunne & Wasser, …Schall & Schwung, …Flüssigs & Feschts, …Spiel & Spass».

Verlosung: Gewinne 5 x 1 Tankstellenführer, Teilnahme möglich bis 6. März Mehr Infos: www.tankstellenfuehrer.ch

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