Die Vorgänge bei der Zentralstelle sind schwierig zu durchschauen. (Bild: Patrice Siegrist)

Bei der Zentralstelle hängt der Haussegen schief

in Dossier/Konkurs der ZSUZ von

 

Joel Bedetti

Nach Intriganten, Bilanzmanipulatoren und Hobby-Spekulanten hatte die Zentralstelle endlich eine saubere Geschäftsführerin. Nun hat der Stiftungsrat sie nach fünf Jahren entlassen.

Die Zentralstelle der Uni Zürich (ZSUZ) hat ein schlechtes Jahr hinter sich: 400’000 Franken Minus hat das Unternehmen gemacht.
An der letzten Sitzung des StuRa, der die ZSUZ in letzter Instanz beaufsichtigt, sorgten aber nicht die schlechten Zahlen für Aufruhr, sondern die Entlassung der Geschäftsführerin Anette Ahlèn und die darauf folgende Demission von drei StiftungsrätInnen.
Der Stiftungsrat fungiert mehr oder weniger als Verwaltungsrat der ZSUZ und besteht aus sieben StuRätInnen und zwei externen Mitgliedern. Die Zentralstelle ist so etwas wie das Service-Public-Unternehmen für die Studierenden und besteht aus sieben Millionen Jahresumsatz, 30 Mitarbeitern, je zwei Druckereien, Unikiosken, Papeterieläden, der Arbeitsvermittlungsstelle, einem Buchladen und dem berühmten Schwarz-Gelb-Giraffenlogo.

Wann gab es keinen Zoff?

Jetzt hängt ein Vorwurf im Raum: Die beiden Stiftungsräte Adrian Joss und Christian Hagen (im StuRa in der Fraktion «Die Fachvereine») hätten in den letzten Jahren die Macht an sich gerissen, um die Geschäftsführerin loszuwerden.
Auch wenn es so mafiös wohl nicht zu und her gegangen ist – Fakt ist: Es hat Knatsch gegeben im Zentralstelle-Stiftungsrat. Andererseits muss man die rhetorische Frage stellen: Wann hat es in den letzten Jahren eigentlich nicht geknatscht im Stiftungsrat?
Ein Grund für die ständigen Reibereien ist, dass sich der neoliberale Umbau der Schweizer Wirtschaft auch im studentischen Unternehmen spiegelt. Bis Mitte der 90er-Jahre war die Zentralstelle ein, sagen wir mal, gemütlicher Studierendenbetrieb.
Seither wurde sie in mehreren Schüben zu einer wettbewerbsfähigen Firma mit Management umgemodelt. Den einen Stiftungsräten ging das zu schnell, für die anderen konnte es nicht schnell genug gehen. Diesen Zwist trugen grob definiert linke gegen bürgerliche Stiftungsräte aus.

Schlechte Wirtschaftskapitäne

Kam hinzu, dass mit den Managern auch das ganze Elend dieser Kaste einzog, und zwar in einer absurden Häufung: Unfähigkeit, Grössenwahn, Gier. Ein Geschäftsführer stellte sich nach wenigen Wochen als Alkoholiker heraus. Ein Kadermitlied pflegte seine Leute anzuschreien und gegen die Geschäftsführerin zu intrigieren.
Der Gipfel war aber gemäss einer gut informierten Quelle die lange Amtszeit eines Geschäftsführers in den 90ern, dessen Höchstleistungen erst nach langer Zeit aufflogen: Erst bildete er statutenwidrig stille Reserven und gaukelte den Stiftungsräten einen grösseren Gewinn vor.

Studierende stehen Managern vor

Dafür belohnte der Geschäftsführer sich mit einem stolzen Salär und machte seine Frau zur Finanzchefin. Zusammen verdienten sie 400’000. Um nicht mit dem Tram zwischen Uni Zentrum und Uni Irchel pendeln zu müssen, hielt er sich zudem einen Privatchauffeur.
Das alles toppte er, als er in den fetten Jahren Ende der 90er mit dem Unternehmensgewinn an der Börse spekulierte. Leider platzte dann die Dot.Com-Blase, der Gewinn der Zentralstelle war futsch.
Dass diese Eskapaden erst so spät entdeckt wurden, hängt mit der strukturellen Schwäche des Systems zusammen: Studentische Verwaltungsräte, die sich alle zwei bis drei Jahr auswechseln und nicht alle Bilanztricks kennen, beaufsichtigen ein Profi-Management.
2005 wurde Anette Ahlèn neue Geschäftsführerin, und damit beginnt die Geschichte des aktuellen Knatschs. Ironischerweise war Ahlèn im Gegensatz zu ihren Vorgängern ein leuchtendes Manager-Vorbild. Sie räumte den Sauladen auf, wie man so schön sagt. Sie führte erstmals Jahresgespräche mit den Mitarbeitern, sie sorgte für transparente Buchhaltung, sie sparte mit harter Hand. Von 2005 bis 2008 machte die Zentralstelle Gewinn.

Lieber gestern als heute weg

Trotzdem scheint die Bilanz von Ahlén für mehrere Stiftungsräte zwiespältig gewesen zu sein. Einige behaupteten, sie habe die Angestellten nicht motivieren können und habe die Zentralstelle zu wenig massiv umstrukturiert.
2009 sah es im Unternehmen offenbar nicht rosig aus: Flyer druckte man besser und billiger anderswo und die Papeterieläden waren kaum konkurrenzfähig. Schliesslich brach wegen der Wirtschaftskrise auch der Umsatz der profitablen Arbeitsvermittlungsstelle ein.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt spaltete sich der Stiftungsrat in zwei Lager. Adrian Joss und Christian Hagen wollten die Geschäftsführerin Ahlèn lieber gestern als heute loswerden. Andere Stiftungsräte wollten ihr noch bis Ende Jahr Zeit geben.

Harte Gespräche oder giftiges Klima?

Was danach geschah, kann man ungefähr rekonstruieren. Wie es geschah, ist aber definitiv eine Sache der Perspektive. Hagen und Joss pochten weiterhin darauf, schnell zu reagieren, die anderen waren dagegen. Die Fronten verhärteten sich. Einige sprechen von harten Diskussionen, andere von einem vergifteten Klima.
Im Mai 2009 trat der Stiftungsratspräsident Mirco D’Angelo zurück. Markus Mühlemann, als Präsident des Fachvereins Ökonomie auf der Linie von Joss und Hagen, kam neu hinzu, Joss rückte ins Präsidium nach. Weil Ende 2008 schon eine Neubesetzung mit einem weiteren Verbündeten der beiden erfolgt war, war die Anti-Ahlèn-Fraktion ab diesem Zeitpunkt in der Mehrheit.
Wie sie zustande kam, ist ebenfalls Ansichtssache: Einer Version zufolge haben Joss und Hagen mit allen Mitteln ihre Anhänger in den Stiftungsrat geholt. Informationen aus dem inneren Kreis zufolge waren sie einfach die einzigen, die aktiv nach geeigneten Nachfolgekandidaten suchten.

Per sofort freigestellt

Im Herbst 2009 beschloss der Stiftungsrat: Das Schicksal von Anette Ahlèn wird nach Jahresende entschieden. Im November konnte man aber das schlechte Jahresergebnis schon gegen den Wind riechen. Die neue Mehrheit im Stiftungsrat beschloss, die Geschäftsführerin per sofort frei zu stellen.
Daraufhin traten die Stiftungsräte Yvonne Ehrensperger (Kripo), Philipp Widmer (Fachvereine Informatik) und Franziska Buletti (Skalp) zurück. Teils aus Protest, teils weil die ständigen Streitereien die Zentralstelle blockierten, teils weil sie eh mal zurücktreten wollten.
Diese Rücktritte sorgten für einigen Zündstoff an der letzten StuRa-Sitzung. Bei den Neuwahlen am 14. April wird der Stiftungsrat deshalb sehr wahrscheinlich darauf verzichten, wie üblich selber Nachfolgekandidaten vorzuschlagen. Deshalb könnte es erstmals seit Langem wieder zu echten Kampfwahlen für den Stiftungsrat kommen.

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17 Comments

  1. Wie gesagt, Unruhe im Stiftungsrat der Zentraltstelle ist nichts neues – aber das Vorgehen von Joss/Hagen scheint alles Bisherige zu übertreffen. Schade um Ahlén!

  2. Wenn ich den Artikel lese, ist für mich klar, dass er überhaupt nicht objektiv ist. Denke, es ist kein Geheimnis, dass es um die ZSUZ nicht zum Besten stand in den letzten Jahren. Daher ist es zu begrüssen, wenn endlich ein kompetentes Team die Missstände behebt. Dass unter Umständen bei einer harten Sanierung einige Köpfe rollen müssen, ist schmerzlich, aber wahrscheinlich unausweichlich. Dem neuen Management ist bei dieser Mammut-Aufgabe viel Erfolg zu wünschen.

  3. Der Artikel ist wirklich sehr schlecht – typischer Bedetti-Jourmalismus. Unglaublich, was sich die Hagen/Joss/Mühlemann-Clique leistet, diese grössenwahnige, inkompetente Bande wird die Stiftung noch in den Ruin treiben und zerstört die Arbeit von Ahlen, die die Stiftung vor dem Untergang gerettet hat. Traurig. Ich hoffe, der StuRa sorgt bei den nächsten Gesamterneuerungswahlen des Stiftungsrates dafür, dass die Stiftung, die ja uns Studis gehört, noch eine Zukunft hat.

  4. Der Kommentar von Pit ist total unqualifiziert und das typisch linke Geschreibsel. Aus anderen Quellen ist sehr wohl bekannt, dass die Zentralstelle ein schlecht geführter \“Saftladen\“ war. Viele Fehler lassen sich sicherlich auf die frühere Geschäftsführung zurückführen. Der Stiftungsrat hat die korrekte Entscheidung getroffen.

  5. Es hilft sicher der Stiftung enorm weiter, wenn öffentlich eine Schlammschlacht ausgetragen wird. Ich kann ob so viel Dummheit nur den Kopf schütteln.

  6. Meine Meinung. Man sollte die Probleme nüchtern und objektiv angehen. Der Stiftungsrat ist gewählt und wird seinen Job sicherlich gut erledigen. Ich begrüsse es, dass nun ein bisschen Business Know-How in den Stiftungsrat gekommen ist. Alle Studierenden müssen sich der Stiftung bewusst sein und ihr bestes wollen, auch wenn der Preis hoch ist. Wir müssen jeweils Unternehmer in eigener Sache werden.

  7. Pit findet den Artikel also schlecht, weil er kein Kampfartikel gegen Hagen/Joss/Mühlemann ist, während er für Erdem zu kritisch und deswegen voll nicht objektiv ist. Vielleicht ist das der beste Beweis dafür, dass der Artikel doch einigermassen objektiv ist 🙂

  8. 2005-2008 hat die Zentralstelle Gewinn gemacht – entweder völlig durch Zufall, oder dann war das Unternehmen gut unterwegs und die Geschäftsführerin hat einen guten Job gemacht, und der Kommentar von Ramo Appennochi \“dass die Zentralstelle ein schlecht geführter \“Saftladen\“ war\“ trifft überhaupt nicht zu.
    Nur: aus dem Artikel lässt sich überhaupt nicht schliessen wer nun \“recht\“ hat, die Joss/Hagen-Truppe, oder die anderen. Daher wären ein paar Zitate von Involvierten und vertiefte Recherche wohl hilfreich gewesen.

  9. Die Gewinnzahlen 2005-2008 sind so marginal dass sie nicht ins Gewicht fallen. Überdies: heisst es nicht aus den gleichen Kreisen immer, man solle nicht das kurzfristige \“Shareholder\“-Denken fördern?

    Wie gesagt, ich kenne ja die Situation nicht. Aber ein Gewinn spricht noch nicht für eine sinnvolle Geschäftsbesorgung. Es könnten durchaus auch gewichtige Fehler gemacht worden sein, die sich erst jetzt auswirken. Gewinn allein ist da kein guter Indikator. Die USB hat auch Rekordgewinne geschrieben bevor die Bombe platzte…

  10. Die Zentralstelle war schon länger in einigen Bereichen, insebesondere im Druck, viel zu teuer. Auch die Abkürzung ZSUZ ist zu kompliziert. Immerhin ist der Studentenladen schön und der Kaffee sehr gut.

    Wenn ich den Artikel aber richtig lese, dann sollten gar keine (oder nur noch wenige) Stiftungsräte mehr vom StuRa gewählt werden. Oder man würde, wenn schon die neuen Mandate ausschreiben, damit sich Profis mit Berufserfahrung (Bswp. Buchhalter, KMU-Manager) melden und dann vom StuRa gewählt würden. Dann gäbe es auch nicht mehr so Exzesse mit privaten Chaffeurs, Buchführungstricks oder politische Spielchen links-rechts.
    Bei den nächsten Gesamterneuerungswahlen sollten Praktiker, nachdem diese Stellen in NZZ, Stellenanzeiger ausgeschrieben wurde, mit Berufspraxis reingewählt werden. Die Unruhe wird dadurch sicher milder.

  11. Ich find\’s toll, dass unsere künftigen Wirtschaftsführer schon während des Studiums Managementerfahrung sammeln können. Da haben sie die Möglichkeit, schon in jungen Jahren das Sanieren und das Entlassen zu üben.

  12. Ich find\’s toll, dass unsere künftigen linken Arbeitslosen schon während des Studiums Erfahrung im Schreiben antikapitalistischer Postillen sammeln können. Da haben sie die Möglichkeit, schon in jungen Jahren das Herumhängen und das Schmarotzern zu üben.

  13. @ S.(teven)

    Ich finde den Artikel schlecht. Nicht weil er kein Kampfartikel gegen Hagen/Joss ist, sondern weil er einfach schlecht ist.

    1. Wäre eine klare Trennung zw. den aktuellen Ereignissen und vergangenen Vorkommnissen (z.B. in einer Box neben dem Artikel) sinnvoll gewesen.

    2. Sollte eine Journalist, der einen objektiven Artikel verfasst, persönliche Wertungen wie \“Sauladen aufräumen\“ etc. unterlassen. Wenn er schon dieses Vokabular verwenden möchte, sollte er dies in einem Kommentar zum Artikel und nicht im Artikel selbst machen.

    3. Ist es schon ziemlich peinlich, dass es Bedetti (wieder einmal) nicht schafft, einfachste Fakten (Daten, Fraktionszugehörigkeiten etc.) korrekt wiederzugeben. Jeder Primarschüler mit einem Internetzugang und rudimentärsten Kenntnissen über die Anwendung von Google könnte das besser.

    4. Ist dieser Artikel ein schöner Beleg wie Thesenjorurnalismus auf aller tiefstem Niveau aussieht. Bedettis These: ein links/rechts-Konflikt im Stiftungsrat. Dass 3 von 4 im Artikel dem \“linken Pro-Ahlén-Lager\“ zugeordneten (Ex-) StiftungsrätInnen gar keine \“Linken\“ sind – scheissegal! Links-Rechts-Konflikt zieht immer…

    Ich könnte noch stundenlang weitermachen, habe aber weder die Lust noch die Zeit.

  14. Beim Schreiben von Postillen hat man die Möglichkeit das Herumhängen und das Schmarotzern (sic) zu üben? Mir scheint, hier ist der Sinn flöten gegangen.

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