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Den les ich, die nicht

von

Max Küng und Michèle Rothen

 

Absoluter Höhepunkt

Max Küngs Lebenswelten eröffnen sich dem Leser wie ein Stück Poesie. Beginnt der Samstagmorgen mit der Lektüre der herzerfrischenden Küng-Kolumne, ist der Tag gerettet. Komme was wolle. Seine Kolumnen wirken wie Glückspillen. Und dies, obwohl er nicht selten traurige Wahrheiten unverblümt ausspricht und sich selbst als Opfer von deren Konsequenzen darstellt. Doch mit der Küngschen Sprache und einer deftigen Portion Selbstironie schafft er es stets, ein Schmunzeln – nicht selten ein lautes Losprusten – aus dem Leser herauszukitzeln. Küngs Ausgangspunkte, frisch aus seinem Alltag herausgepickt, sind meist einfach: ein Besuch in der Bäckerei oder im Zoo, der Kauf einer neuen Hose, der Versuch, ein erworbenes Bild zu verkaufen. Was wie Nichtigkeiten aus dem Alltag von Otto Normalverbraucher klingt, verwandelt Küng auf wundersame Weise zu witzigen Geschichten mit hohem Unterhaltungswert, in denen sich der Leser meist peinlich berührt wiedererkennt. Das i-Pünktchen dieses kleinen Stücks Poesie bilden unbestritten die kindlich gezeichneten, absurden Illustrationen, die hervorragend seine ebenfalls kindlichen und absurden Gedankengänge ergänzen.

Vortäuschen lohnt sich

Hauptsache Drama. Lächerlich Kleinliches hochbauschen, wenn möglich etwas Sex rein, wenns nicht passt, egal. Sex ist sowieso omnipräsent in jedermanns und allen voran in Michèle Rotens Kopf – warum denn nicht alles irgendwie mit Sex verbinden? Hat Freud auch schon gemacht. – Halt! Die zwanghaft junggebliebene Magazin-Kolumnistin schreibt nicht IMMER NUR über Sex. Roten schreibt über eine Bandbreite alltäglicher Begebenheiten und weiht ihre Leser schonungslos in ihre Lebenswelten ein. Ob zu Hause beim Fruchtfliegenkampf, in einer teuren Boutique oder in einem Walliser Hotel. Doch wen interessieren ihre Ergüsse über furchtbar stillose Hoteleinrichtungen? Oder das Protokoll einer zickigen Unterhaltung über ein ledernes Stück Fleisch? Rotens Themen drängen sich dem Leser auf wie ein unerwünschter Gast. Doch das Schlimmste an ihren Kolumnen: Man kann sich nie vollständig davon lösen. Immer wieder holt sie eine verblüffend andere Variante von sich hervor – und punktet bei ihren ärgsten Feinden. So sicher man sich seiner Abneigung gegenüber Frau Rotens Kolumnen sein kann, so sicher überrascht sie ab und zu mit etwas Witz oder Niveau. Selten.

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