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Die Angst vor dem Terror

in Campus von

Aylin Fidan

Nach seinem Spielfilm-Debüt «Tepenin Ardi – Beyond the Hill» kommt nun der zweite Streifen des türkischen Regisseurs und Drehbuchautors Emin Alper ins Kino.

«Abluka» ist ein brisantes Gesellschafts- und Politdrama, das eine düstere Vision von Istanbul in naher Zukunft zeichnet. Doch Schauplatz ist nicht die bekannte Kulisse am Bosporus. Der Regisseur setzt die Handlung in heruntergekommenen Aussenquartieren der Millionenmetropole an. In dieser düsteren Welt werden Terrorakte auch in der Vorstadt verübt. 

Durchs Ghetto führen das Publikum die Brüder Kadir und Ahmet. Kadir wird vorzeitig aus der Haft entlassen, um für die Polizei als Informant zu arbeiten. Er sucht seinen jüngeren Bruder Ahmet auf,  der alleine und zurückgezogen lebt. Ahmets Frau hat ihn für einen anderen Mann verlassen und die Kinder gleich mitgenommen. Tagsüber geht er auf die Jagd nach streunenden Strassenhunden, nachts verschanzt er sich in seiner Wohnung. Auf die Anrufe seines älteren Bruders Kadir reagiert er nicht. Auch die Türe öffnet er ihm nicht. Kadir sucht derweil weiterhin die Mülltonnen  für den Staat nach Sprengstoff ab und protokolliert pedantisch alle verdächtigen Aktivitäten seiner Nachbarn auf einer alten Schreibmaschine. Umgeben von Misstrauen, Chaos und Bombenanschlägen, beginnt er, ähnlich wie sein Bruder, verrückt zu werden. 

Alpers Figuren sind nicht nur einsam und beziehungsunfähig, sondern auch desillusioniert und leiden an Wahnvorstellungen. Der Film lebt nicht von langen, tiefsinnigen Dialogen oder brutalen Szenen. Er wird von der meisterhaften Schauspielleistung der Hauptdarsteller und der Kameraführung getragen. Auch der minimalistisch eingesetzte, psychedelische Soundtrack bereitet Gänsehaut.  Wer einen actiongeladenen Thriller erwartet, wird enttäuscht. «Abluka» ist ein feiner, kleiner Nischenfilm. Cineasten und Liebhaber von stimmungsvollen, eindrücklichen Bildern kommen hier voll auf ihre Kosten. 

 

«Abluka»

Regie: Emin Alper.

Mit Mehmet Ozgur, Berkay Ates, Tülin Özen, Ozan Akbaaba.

Kinostart: 7. April 2016

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