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Der Druck ist gross, das Lächeln auch. (Bild: Maya Wipf)

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Nach einem Exodus im Vor­stand präsidieren nun zwei neue Studierende den VSUZH. Das erste Interview.

Braucht es den VSUZH überhaupt?

Flavio: Ja. Damit die Studierenden eine Interessenvertretung in der Bildungspolitik haben.
Dina: Wir wollen im Namen der Studierenden mitreden.

Die VSUZH-Mitgliedschaft kostet Geld. Weshalb sollen sich Studierende das leisten?

Flavio: Weil wir gemeinsam stärker sind.

 

Aber konkret: Weshalb lohnt sich eine Mitgliedschaft?

Flavio: Wir betreiben Bildungspolitik und bieten Dienstleistungen. Beispielsweise setzen wir uns für ein faires Stipendienwesen ein, das keine kantonalen Unterschiede kennt, oder organisieren Feste wie die Lichthofparty von letzten Monat.

Für Aussenstehende schien es, als ob der VSUZH in den letzten Wochen wenig politisiert und sich stattdessen interne Kämpfe geliefert hätte. Wird das Geld der Studierenden für Scharmützel missbraucht?

Flavio: Für die Scharmützel wird kein Geld gebraucht, die gibt es gratis dazu.

 

Warum wollt ihr diesen Job überhaupt übernehmen?

Flavio: Beim VSUZH kann man unglaublich viel lernen. Es ist eine einzigartige Gelegenheit, als Student einen Verband mit 11’000 Mitgliedern zu leiten.

Julian Renninger, Ex-Co-Präsident, sagte in einem Interview gegenüber der ZS, das Geschacher um Macht und Ämter habe ihn schockiert. Euch auch?

Flavio: Julian bezog sich auf die Situation nach den ersten VSUZH-Wahlen 2013. Der neue Vorstand ist selbstbewusst.  Das hat eine beruhigende Wirkung nach innen.

Habt ihr keine Angst, dass nach den Wahlen im Frühling die internen Spannungen wieder losgehen?

Beide: Doch.
Dina: Wir werden versuchen, das zu verhindern.

 

Wie?

Flavio: Wir wollen die Fraktionsleitungen besser auf unerwartete Situationen vorbereiten. Bei den letzten Wahlen haben die Linken überraschend verloren. Viele Ämter mussten an Bürgerliche abgegeben werden. Das hat alle Beteiligten überrumpelt.

Jetzt zu euch: Mit welchen Nebenjobs habt ihr euch bereits durchgeschlagen?

Dina: Ich betreue ein autistisches Kind.
Flavio: Ich hatte schon Jobs an der Uni, verteilte aber auch schon Gratis-Zeitungen und habe am Flughafen gearbeitet.

Wie seid ihr zur Unipolitik gekommen?

Flavio: Ich habe mich über den Bologna-Prozess geärgert. An manchen Orten der Uni fing es an, nach Autoritarismus zu riechen. Das fand ich inakzeptabel. Ich entschied mich, diese Uni nicht zu verlassen, ohne mich dagegen gewehrt zu haben.
Dina: Bei mir war es ein spontaner Entscheid. Vertreter des StuRa haben in unserer Vorlesung Werbung gemacht.

Dient euch das Amt als Sprungbrett und Kontaktbörse für die Zukunft?

Flavio: Die früheren Co-Präsidenten sind skeptisch, ob es ein Sprungbrett ist. Daher glaube ich das inzwischen auch nicht mehr. Aber für einen Einstieg in die Kantonspolitik ist das Amt bestimmt ein guter erster Schritt.

Wollt ihr das?

Dina: Nein.
Flavio: Ich schliesse es nicht aus.

Was habt ihr bei den letzten Abstimmungen in die Urne geworfen?

Flavio: Kann ich mich auf das Wahlgeheimnis berufen?
Dina: Ich bitte auch.

Welche Kurse besucht ihr im ASVZ?

Dina: Ich gehe ins Super-Kondi und in den Kraftraum.
Flavio: Die Yoga-Kurse.

Welche Mensa an der Uni mögt ihr am liebsten?

Dina: Die Irchel-Mensa.
Flavio: An der Uni? Das wird schwierig.

Euer Lieblingsausdruck auf Lateinisch?

Flavio: VSUZH, quo vadis?
Dina: Ich habe keinen.

Apropos quo vadis: Was läuft falsch an der Uni?

Dina: Es gibt zu wenig studentische Mitsprache.
Flavio: Der Bologna-Prozess. Er richtet einen grossen Schaden an, vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften.

Warum genau dort?

Flavio: Wahrscheinlich weil diese Wissenschaftszweige nicht so genaue und endgültige Antworten geben wie die Naturwissenschaften. Dafür wird das kritische Denken mehr gefördert.

In anderen Studiengängen wird kein kritisches Denken vermittelt?

Flavio: Ich meine kritisches Denken in Bezug auf die Gesellschaft. Bologna torpediert die Kreativität, die es für die Geistes- und Sozialwissenschaften braucht.

Was ist gut an Bologna?

Dina: Der internationale Austausch, der hätte ermöglicht werden sollen. Aber das wird leider nicht überall umgesetzt.
Flavio: Für mich ist Mobilität nicht an sich ein Wert. Auch ohne Austausch kann man ein exzellenter Wissenschaftler oder eine exzellente Wissenschaftlerin werden.

Was haltet ihr vom Rektor?

Flavio: Er ist sympathisch, aber wir hatten bisher zu wenig mit ihm zu tun, um ihn wirklich einschätzen zu können.
Dina: Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er sich für uns interessiert und bereits das dritte Mal an eine Ratssitzung kam.

Und seine angekündigte Unileitungsreform?

Flavio: Wir wollen festhalten, dass der VSUZH noch keine offizielle Position dazu hat. Das Wichtigste ist, dass die studentische Mitsprache nicht verloren geht. An anderen Unis sind die Studierenden sogar an der Leitung beteiligt. Prorektor Schwarzenegger behauptet aber, die Studierenden wären damit überfordert.

Wie steht ihr zu Drittmitteln?

Dina: Ein heikles Thema, da es kein klares Dafür oder Dagegen gibt.
Flavio: Ich bin für vollumfängliche Transparenz der Drittmittelfinanzierung.

Flavio, die filo steht für pragmatische und praktische Politik. Pragmatische Politik, geht das überhaupt?

Flavio: Ja. Bei mir sind die Inhalte aber immer im Hintergrund präsent.

Dina, was ist deine inhaltliche Linie?

Dina: Ich habe keine klare Richtung, da ich zu vielen Themen eine Meinung habe – manchmal links, meistens liberal. ◊

 

Dina Rindlisbacher
Studiert: Psychologie/Biologie
Alter: 23 Jahre
Mit 100’000.– würde ich: meine Weiterbildung nach dem Studium finanzieren.
So prokrastiniere ich: mit Serien
Ich bin: eine Macherin.

Flavio Meyer
Studiert: Ethnologie/Japanologie
Alter: 32 Jahre
Mit CHF 100’000.– würde ich: ein ganzes Studium finanzieren.
So prokrastiniere ich: Wikipedia lesen
Ich bin: für die Freiheit.

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