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    Gewohnt laut wird James Blake das Zürich Openair zum Beben bringen. (Bild: zvg)
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    Bei The Knife - einer Geschwister-Band aus Schweden - spielt nicht nur die Musik eine Rolle. (Bild: zvg)
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    Trentemøller sind bekannt für überaus jazzige und poppige Wendungen und werden das Publikum des Zürich Openairs in Ekstase versetzen. (Bild: zvg)

Die zweite Garde des Zürich Openairs

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Neben den Headlinern spielen am ZHOA vor allem die etwas kleiner gedruckten Bandnamen eine grosse Rolle. Ein Querschnitt.

Nächstes Wochenende hagelt es ausnahmsweise mal Lärmklagen in Zürich Nord. Zwischen Flughafen und Autobahn A1 haben die Macher des Zürich Openair zum dritten Mal ihre Zelte montiert und eine erlesene Auswahl Bands und DJs an den Bäuler eingeladen. Während die Headliner (darunter die Ärzte, The XX oder die Arctic Monkeys) wohl jedem ein Begriff sind, beweist das ZOA dieses Jahr auch mit dem Nebenprogramm ein glückliches Händchen. Die ZS hat einige Perlen herausgepickt und empfiehlt drei Auftritte auf der Tent Stage.

 

TRENTEMØLLER (Freitag, Tent Stage, 00:30)

Der dänische Multi-Instrumentalist tourte diesen Sommer mit einer sechsköpfigen Band durch die Welt, um sein neues Album «Lost» vorzustellen, welches im September erscheint. Die Musik von Anders Trentemøller ist unverkennbar, die Songs sind vollgepackt mit Geräuschen und kleinen Details, die Synthesizer klingen oft eher wie kaputte Computer, die Frauenstimmen schmachten düster. Live kriegt das Ganze dann noch eine überraschend jazzige und poppige Wendung. Wenn der Frontman an den Tasten steht und seine Truppe auf der halb ausgeleuchteten Bühne durch seine Kompositionen dirigiert, sieht das manchmal aus wie eine moderne Oper. Aber spätestens wenn die ersten Arpeggios von «Moan» erklingen, wird es kein Halten mehr geben.

 

THE KNIFE (Freitag, Tent Stage, 21:40)

Etwas weiter im Norden, in Schweden, schreiben Fever Ray und Olof Dreijer, welche zusammen die Elektroband The Knife bilden, an ihren Songs. Das neue Album der beiden Geschwister, «Shaking the Habitual» schüttelte Anfang Jahr die Kritikerlandschaft wie auch die Fanbasis ziemlich durch. Über Unhörbarkeit beklagte man sich, über eine unnötige Abkehr vom alten Sound, über Frechheit den treu Ergebenen gegenüber. Wer sich jedoch auf das Experiment einliess, erkannte plötzlich Vertrautes, Menschliches. Man ertappte sich dabei, die verschachtelten Rhythmen mitzuklopfen. Live verspricht «Shaking The Habitual» sowieso ein Spektakel zu werden, inklusive Tänzer in Vogelmasken, Kreishüpfen und Trommelkaskaden. Wer den Auftritt im Komplex verpasst hat, erhält hier nochmal Gelegenheit, sich zu etwas vom Verrücktesten, was das Musikjahr 2013 bisher hervorgebracht hat, eine Meinung zu bilden.

 

JAMES BLAKE (Samstag, Tent Stage, 22:45)

Die Hitsingle des jungen Senkrechtstarters aus London kennen wohl alle. «Limit To Your Love» war einer der Hits von 2010, dabei aber aus ganz kuriosen Zutaten zusammengesetzt. Eigentlich besteht der Song nur aus etwas Klavier, Tiefseebass und Gesang. Ganz selten gesellt sich ein elektronischer Beat dazu. Aber die Zwischentöne verraten es: Blake hat verdammt viel Soul. Mitverantwortlich dafür, dass Popmusik im Jahr 2013 intelligenter ist als auch schon, präsentiert er am ZOA sein neues Album «Overgrown»: etwas zahmer als der Vorgänger, aber immer noch minimal, unaufgeregt und bauchmassierend deep. Auch wenn in der Schweiz 100 Dezibel eigentlich nicht überschritten werden dürfen, ist Blake dafür bekannt, extrem laut zu spielen. Ohrstöpsel seien selbst Hartgesottenen ans Herz gelegt.

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