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Bild: Eva Lanter

Dirty Talk am Küchentisch

in Campus von

Basil Noser und Dominique Zeier

Bier und Zigaretten, rundherum vier junge Leute. Wir sind zu Besuch in der WG von Max, Sina, Tim und Lea. Die Studierenden sprechen mit uns über ihren Pornokonsum.

Wie wählt ihr eure Pornos aus?

Lea*: Ich scrolle meistens einfach durch die Front einer Webseite. Und manchmal merke ich plötzlich, dass ich gar keine Lust habe. Dann klappe ich den Laptop wieder zu.

Tim*: Und an der Uni wieder auf. Das habe ich auch schon miterlebt in der Vorlesung (lacht). Ich persönlich entscheide mich für den Porno, bei dem mich das Bild am meisten anspricht. Oder ich suche nach Kategorien. Sind Pornos für euch eigentlich nur bewegte Videos oder auch einzelne Bilder?

 

Lea: Schaust du dir manchmal nur Bilder an?

Tim: Schöne Bilder machen mich mehr an als einfache Sexvideos. Sex habe ich ja selbst, den muss ich mir nicht auch noch anschauen.

Max*: Ich finde Videos dann spannend, wenn sie etwas Ästhetisches haben. Und ehrlich gesagt, habe ich persönlich mit Pornos starke Gewissensbisse, weil ich beispielsweise das Frauenbild, das darin vermittelt wird, verwerflich finde. Das macht mich dann gar nicht mehr an. Oft hängt es aber auch mit Alkoholkonsum zusammen. Die Hemmschwelle für alles sinkt, wenn man ein wenig angetrunken ist, also auch diejenige zum Porno-Schauen.

 

Du bevorzugst ästhetische Filme. Was meinst du damit? 

Max: Ein Porno ist ja auch nur ein Film. Innerhalb des Mediums Film gibt es verschiedene Arten, Inhalte zu verarbeiten. Man rutscht schnell in den Mainstream rein, und dann ist im Porno nur noch alles brutal.

Tim: Dem würde ich widersprechen. Ich glaube nicht, dass Mainstream-Pornos brutal sein müssen. Meiner Meinung nach sind das nachgestellte Szenen aus dem Alltag. 

Lea: Genau so ist der Alltag aber nicht. In der Realität kann man nicht irgendwelche Frauen auf der Strasse ansprechen, die dann für Geld alles machen. Solche Fake-Szenen machen das Frauenbild kaputt.

Sina*: Es gibt sogar extra Pornos für Frauen, die besonders schön sein sollen. Die sind aber auch wieder unglaublich langweilig.

Tim: Genau. Mich interessieren Amateurpornos sehr. Vor allem, wenn es um Dreier mit zwei Männern und einer Frau geht. Das ist etwas, das ich selbst gerne mal hätte und darum schaue ich das gerne.

 

Schaut ihr Pornos eigentlich nur alleine oder auch mit eurem Partner oder eurer Partnerin?

Lea: Ich habe noch nie einen Porno mit meinem Freund geschaut.

Tim: Das kann ich mir auch nicht vorstellen. Das Schöne am Porno ist doch, dass man auf niemanden Rücksicht nehmen muss. Man kann ihn einfach schauen, auch wenn man gerade keine Lust hat, Kerzen anzuzünden und Rosenblätter zu verteilen.

 

Wann seid ihr zum ersten Mal mit Pornos in Kontakt gekommen?

Lea: Wir hatten eine Teleclub-Box zu Hause. Dort habe ich irgendwann einen Pornokanal gefunden.

Tim: Bei mir war es ein Heftchen. Ich bin mit 14 oder 15 auch ein paar Mal zum Kiosk gegangen und habe mir solche Pornoheftchen angeschaut. Das war mir dann ganz peinlich. Aber das war der Anfang; heute ist das alles viel anonymer. 

Sina: Da erinnere ich mich auch daran: Bei mir hatte jemand in der Primarschule ein Pornoheft gefunden und herumgezeigt. Damals hatten wir noch gar keinen Bezug zu Sexualität und fanden das eher grusig. Spannend war es aber dennoch.

 

Dachtet ihr, dass das, was Pornos zeigen, echter Sex ist?

Tim: Für mich war eigentlich immer klar, dass Pornos nicht real sind. Ich weiss gar nicht genau, wieso. Das wurde in der Schule im Sexualunterricht vermittelt, man hat es aber auch sonst immer wieder gehört.  

Sina: Ich habe die Pornographie auch immer eher als Kunstwelt begriffen. Vor allem, weil ich schnell gemerkt habe, dass ich Sex, wie er in Pornos gezeigt wird, selber nicht haben möchte.

Tim: Aufregend beim Sex ist ja, dass man nicht richtig weiss, welche Gedanken und Vorstellungen das Gegenüber hat. Beim Porno-Schauen fällt diese Spannung komplett weg, was es für mich sehr platt macht.

 

Und doch bleiben die Bilder im Kopf hängen. Hat der Konsum von Pornos euer Sexleben geprägt?

Lea: Geprägt sicher nicht. Aber Sexstellungen habe ich auch schon aus Pornos abgeschaut.

Tim: Ich glaube, dass sie vor allem Einfluss darauf haben, wie Sexualität in der Öffentlichkeit wahrgenommen und wie darüber geredet wird. Ein Gespräch wie dieses wäre vor 50 Jahren nicht möglich gewesen.

 

Vielleicht ist es das heute dank Pornos so? Sprecht ihr denn auch im Freundeskreis darüber?

Sina: Mit meinen Freundinnen eigentlich nie. Es kam aber schon vor, dass ich mit Männern über Pornos gesprochen habe. Das fiel mir leichter, weil ich das Bild habe, dass fast alle Männer Pornos schauen. Bei den Frauen weiss ich es nicht. Wenn ja, dann sprechen sie nicht darüber.

Lea: Ich habe Freundinnen, mit denen ich mich über Sex austausche. Da erwähne ich vielleicht schon, dass ich Pornos schaue. Aber über Details spreche ich nie, das ist mir zu privat.

Tim: Ich rede auch eher selten darüber. Was aber oft vorkommt, ist, dass in Whatsapp-Chats Ausschnitte aus Sexszenen herumgeschickt werden. Manchmal ganz absurde Sachen. Über Pornos werden höchstens hie und da blöde Witze gerissen. Sie müssen einfach als Mittel zum Zweck dienen. Das bietet wenig Substanz für einen interessanten Austausch.

 

Also ist es in eurem Umfeld ein Tabu?

Tim: Es ist insofern ein Tabu, als ich nicht von mir aus anfange, über meinen Pornokonsum und meine Vorlieben zu sprechen. Wenn mich aber jemand fragt, ist das etwas anderes. Mir wäre dann allerdings auch wichtig, mein gespaltenes Verhältnis zu Pornos zu erwähnen und reflektiert darüber zu sprechen.

 

Ist das beim Thema Sex anders? Wird darüber öfter gesprochen?

Sina: Ja. Für mich sind das zwei verschiedene Paar Schuhe. Pornos schauen ist blosser Konsum, der kaum Konsequenzen hat. Etwas sehr Oberflächliches. Beim Sex hingegen ist man viel stärker involviert und kämpft manchmal mit Unsicherheiten. Das macht den Erfahrungsaustausch viel spannender. 

Lea: Ich glaube, über Sex wird oft gesprochen um anzugeben. Das ist bei Pornos nicht möglich, mit Selbstbefriedigung kann man ja kaum prahlen.

  

*Namen geändert

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