Süsse kleine immunschwache Mäuse. Aus dem Katalog des Jackson Laboratory.

Duckmäusertum an der Uni

in Campus von

Während drei Tagen fand an der Uni der «International workshop on humanized mice» statt. Presse war dabei nicht erwünscht.

Die Tische und Stühle im Lichthof sind verschwunden. Stattdessen stehen da, wo eben noch Studierende über ihre Bücher gebrütet, Kaffee getrunken oder auch nur miteinander geschwatzt haben, klinisch weisse Stehtischchen, die wenig Heimeligkeit versprühen. Dafür lächeln dem Betrachter von mehreren Pinnwänden die Schriftzüge der nationalen und internationalen Pharma- und Gentechgiganten entgegen.

Natürlich ist die Veränderung nur vorübergehender Natur. Vom 28. – 30. Januar fand an der Universität Zürich der fünfte «International workshop on humanized mice» statt. In verschiedenen Vorträgen und Podien tauschten sich die geladenen Forschenden aus über die erzielten Fortschritte auf dem Gebiet der humanisierten Mausmodell-Forschung. Humanisierte Mausmodelle sind Mäuse, denen durch gezielte Genmanipulation Eigenheiten des menschlichen Genoms eingepflanzt wurden. Das mit dem Ziel, Versuche am Tier in punkto Aussagekraft für eine allfällige Verwendung am Menschen zu steigern.

 

Ausgeschlossen an der eigenen Uni

Wenn die internationale Medizin- und Pharmaindustrie einen Workshop über genetisch veränderte Mäuse durchführt, bekommt das Wort «workshop» unweigerlich eine etwas schale Zweideutigkeit. Einen viel schaleren Nachgeschmack hinterlässt allerdings die Tatsache, dass der ZS eine Teilnahme an den Veranstaltungen vor Ort untersagt wurde. Auch telefonisch oder per Mail war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Es scheint ganz, als wolle man eine Berichterstattung über den Kongress, ein Herantragen an die Öffentlichkeit um jeden Preis verhindern. Aus Mäuseforschenden werden Duckmäuser. Das ist schade. Es stehen nämlich einige Fragen im Raum, die jetzt unbeantwortet bleiben:

Wieso findet der Kongress an der Uni Zürich statt? Wie ist es dieser gelungen, hochrangige Vertreter der Pharma-und Gentechnikindustrie nach Zürich zu lotsen? Welche Ziele verfolgt das Organisationskomitee rund um Professor Markus Manz, der an der Uni das Konsortium mit dem Forschungsschwerpunkt «Human Hemato-Lymphatic diseases» leitet? Er und seine Mitforschenden haben es sich zum Ziel gesetzt, Forschungsergebnisse möglichst schnell zur konkreten Anwendung am Menschen zu bringen. Gerne hätten wir ihn gefragt, welche Rolle den Tierversuchen dabei zufällt. Des weiteren: Wurden am Kongress auch die ethischen Probleme diskutiert, die eine Forschung an genetisch veränderten Mäusen mit sich bringt?

 

Nicht informiert

Gerade die letzte Frage wäre auch für Tierversuchsgegner von grossem Interesse. Sollte man zumindest meinen. Doch der «Verein zur Abschaffung der Tierversuche» scheint sich nicht recht dafür erwärmen zu wollen. Über den Kongress an der Uni weiss man hier gar nichts. Darüber seien sie nicht informiert, lässt der Sprecher am Telefon lapidar verlauten.

So ging der Kongress leise und abseits der öffentlichen Wahrnehmung über die Bühne. Den Veranstaltern wird es nur recht sein.

 

Du wolltest schon immer Mal eine Maus als Haustier, diejenigen in der Zootierhandlung waren Dir aber allesamt zu gewöhnlich, zu langweilig? Dann kauf Dir doch eine gentechnisch veränderte Maus! Magst eine Albino-Maus? Oder ein Exemplar mit angezüchteter Immunschwäche? Ab umgerechnet 40 Franken bist Du dabei! Den makabren Mäusekatalog des Jackson Laboratory, dem weltweit führenden Mauszüchter für wissenschaftliche Zwecke, findest Du hier.

5 Comments

  1. Angesichts der Fragen, die ihr formuliert habt und hier angebracht habt, braucht ihr euch nicht zu wundern, dass euch Teilnahme und Aussagen verweigert wurden. Der Kongress und seine Beteiligten hatte gar keine Chance auf eine faire, unvoreingenommene und objektive Berichterstattung, da eure Meinung bereits im Voraus feststand. Es gilt wie immer: Kritik um der Kritik Willen und Skandale um der Aufmerksamkeit und Quoten Willen sind keine Merkmale von Qualitätsjournalismus…!

  2. @ Spiegel
    Und ich möchte meinen, dass die Verweigerung jeglicher Auskunft nicht gerade ein Merkmal von Organisationen mit guten Argumenten ist. Cheers!

  3. Guter Artikel! Wenn man mit den Leuten sprechen würde, hätten sie bestimmt alle möglichen Parolen parat von wegen „wir versuchen, Tierleid so weit wie möglich zu minimieren“ und so weiter. In der Mitte des Lichsthofs stand trotzdem unveganes Catering… So ernst meinen sie’s mit der Tierleidminimierung wohl nicht…

  4. Jede/r soll sich seine eigene Meinung zu Tierversuchen und anderen ethischen Fragen in der medizinischen Forschung machen. Schade finde ich aber, dass dieser Beitrag nicht fundiert informiert und nicht Pros und Kontras differenziert beleuchtet. Einmal mehr reisserische anti-Propaganda von der es genug gibt. Und zum kleinen, fettgedruckten Kaufaufruf am Schluss; natürlich braucht jede/r – absolut logischerweise – eine vom Veterinäramt bewilligte Lizenz um Tierversuche durchzuführen.

  5. Ich habe selten so einen voreingenommenen und naiven Artikel zum Thema gelesen. Was wollt ihr mit diesem reisserischen Text zur Tierversuchsdiskussion beitragen? Tierversuche verlangen eine sorgfältige Güterabwegung und müssen von der kantonalen Ethikkommission abgesegnet werden, die sich aus Forschenden, Ethikern und Tierschützern zusammensetzt. Es wird intensiv an Wegen geforscht wie man Tierversuche ersetzen, reduzieren oder optimieren kann. Weswegen sich die Anzahl Tierversuche in der CH die letzten Jahrzehnte massiv verringert hat. Tierversuchsdurchführende müssen intensive Kurse ablegen und jährliche Weiterbildungen absolvieren. Desweiteren werden alle Tierversuchlizenzinhaber mindestens einmal jährlich vom Veterinäramt kontrolliert und Verstösse gegen die Auflagen werden strengstens geahndet, aber das wird mit keinem einzigen Wort erwähnt. Ich würde meine Türe definitiv auch zunageln wenn so ein „Journalist“, der seine Meinung ohnehin tatsachenunabhängig bildet, anklopfen würde.

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