(Bild: PD)

Duell: Analverkehr

in Campus von

Pro: Patrice Siegrist, Contra: [zac]

Ist Analverkehr eine abartige Sexualpraktik oder doch ganz natürlich?

 

Dafür

Was früher der Oralsex war, ist heute der Analverkehr. Einst verpönt und tabuisiert, ist Fellatio mittlerweile in aller Munde. Ob im Hinterzimmer von Carl Hirschmann oder im Schlafzimmer; Jugendliche, Erwachsene und Eltern zelebrieren ihre ganz privaten Afterpartys. Oralverkehr gehört heute zum Paarungsverhalten von uns Zweibeinern wie der Schnuller zum Baby.
Jetzt erforschen wir neue Gebiete. Frauen beteuern, dass sie vielfach intensivere Orgasmen durch Analsex erleben. In den Gratiszeitungen wimmelt es von Fragen bezüglich der Hintertür. Selbst heterosexuelle Männer entdecken ihren Anus als erogene Zone. Konservative Kreise und selbsternannte Jugendschützer sind geschockt. Die Schuldigen? Medien, Musik und die verkommene Moral. Die Folge: Zensur. Beispiel dafür ist die angestrebte Indizierung des Arschficksongs von Sido im Jahre 2003.
Will man uns mündige Hauptprotagonisten der Demokratie in unserer noch intimsten Angelegenheit vor uns selber schützen? Das ist doch bedenklich! Paare und Singles, ob hetero- oder homosexuell, haben Spass daran und tun nicht einmal was Verbotenes. Sexuelle Revolutionen sind Teil der Menschheitsgeschichte! Soeben wurde die Antibabypille 50 Jahre alt, Sex zählt zu einem der erfolgreichsten Marketingmittel und Pornos machen seit «Deep Throat» nur noch Schlagzeilen, wenn sie Anspielungen auf die UBS machen oder gefragt wird: «Who’s nailin’ Palin?» Dem Analsex steht diese Integration in unser alltägliches Sexleben kurz bevor. Und das ist auch gut so!
Er ist eine Entdeckungsreise im Zeitalter der Globalisierung, ein Aufbruch in ein neues Zeitalter der Lust, ein Griff nach den Sternen, denen Rosetten ja bekanntlich ähneln. Er ermöglicht Anhängern einer gewissen Religion den Sex vor der Ehe, weil Frauen bei der Heirat noch Jungfrau sein müssen. Er gibt einem die Gelegenheit, den Koitus während der Periode zu geniessen und ist Ausdruck von Autonomie im eigenen Schlafzimmer! Deshalb lasst uns selber über unser Sexleben bestimmen, über den Arschfick rappen, ihn vor der Kamera praktizieren, ihn mit unserem One-Night-Stand ausprobieren, ihn regelmässig der Freundin besorgen oder ihn einfach vergessen, verdrängen und bleiben lassen!

Dagegen

Analsex ist Unzucht und gehört verboten! Schon der Apostel Paulus schrieb an die Galater: «Die Werke des Fleisches sind offenbar, und sie sind: Hurerei, Unreinheit, zügelloser Wandel […]. Vor diesen Dingen warne ich euch im Voraus.» (Galater 5,19-21) Zu dieser scheusslichen Hurerei gehört neben dem Ehebruch und der Prostitution auch der Analverkehr. Leider verbieten weltliche Gesetze diese abscheuliche Sexualpraktik heute nur noch im südamerikanischen Guyana, in Indonesien und Saudi-Arabien. Nur für homosexuelle Paare ist sie zusätzlich im Iran, in Jamaika und Singapur streng verboten. Doch was zählen schon weltliche Gesetze, wenn wir Gottes Worte kennen?
Auch bezüglich des homosexuellen Verkehrs spricht die Bibel eine deutliche Sprache: «Darum hat sie Gott auch dahingegeben in schändliche Lüste: […] die Männer haben verlassen den natürlichen Brauch des Weibes und sind aneinander erhitzet in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihres Irrtums (wie es denn sein sollte) an sich selbst empfangen.» (Römer 1,26-27)
Gerade in heiklen Fragen sollte man sich an Gott orientieren, denn: «Es ist besser, Gott zu vertrauen, als sich auf Menschen zu verlassen.» (Psalm 118,8) So steht es in Zürich und 425 anderen Städten in der Schweiz an den Plakatwänden geschrieben. Aber das beachtet ja doch niemand mehr. Immer weniger Jugendliche vertrauen auf Gott und lassen sich statt dessen von den Medien leiten. Da haben Unzucht und Hurerei längst ihren Platz gefunden. Sex sells – damit zerstören die Medien unsere Gesellschaft, wie ein Virus, das ein Organ von innen auffrisst.
Selbst wenn man so naiv sein sollte und Gottes Worte ignoriert, kann man Analsex doch nicht befürworten. Sex dient einzig dazu, sich fortzupflanzen. Unsere Körper wurden so geschaffen, dass der Mann mit der Frau vaginalen Verkehr haben kann. Gott – oder von mir aus die Natur – hat das so vorgesehen. Das sollten sogar die Atheisten und andere Sündiger begreifen! Der After dient zur Ausscheidung von Kot, also missbraucht ihn nicht zur Befriedigung abnormaler Gelüste. Lasst euch nicht zu solch unreinen Dingen verleiten und seid gewarnt: Wer Hurerei begeht und dies nicht bereut, der wird ewig in der Hölle schmoren!

Tags:

7 Comments

  1. auf ronorp hiess es ein \“gelungenes Duell\“. Finde ich überhaupt nicht! Zu einfach als Contra einfach einen evangelikalen Christen zu packen; Analverkeht mag IN sein, mag toll sein – aber da gäbe es viel mehr zu diskutieren, als ein paar oberflächliche Plattitüden von sich zu geben. Das Ressentiment ist gross und das sind alles andere als evangelikale Christen, die sich dagegen aussprechen. Spannend wäre es gewesen, jemanden zu fragen, der etwas von Sex versteht und trotzdem Analverkehr ablehnt. Es käme mir ja auch nicht in den Sinn ein Kind zu fragen, was es zu Sex denkt, und dann dies als ernst zu nehmende CONTRA-Meinung zu verkaufen… Liebes ZS: Ja Sex sells – aber könntet ihr euch dann nicht wenigstens Mühe geben und das ganze mit ein wenig Qualität füllen????

  2. Wer\’s mag, tut\’s – wer\’s nicht mag tut\’s nicht.

    Dieses Duell – ob das oben geschriebene diesem Titel gerecht wird ist eine andere Frage – wirkt für mich eher wie ein Versuch auf des Sex-Sells-Zug aufzuspringen um etwas mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Was mensch in seinen eigenen vier Wänden macht, bestimmt er nach eigenem Gutdünken. Solange das Gegenüber damit einverstanden ist\’s in Ordnung. Wenn die Tätigkeit im Rahmen der Rechtsordnung ist, noch besser. Angenommen, Analverkehr stünde unter strafrechtlicher Sanktion; auch dann mag ich es keinem Paar verübeln sich dieser Praktik hinzugeben, weil dadurch weder sie noch die Gesellschaft oder sonst jemand geschädigt wird. Problematisch würde es nur in den seltenen Fällen wo die Polizei in flagranti die \“Sündiger\“ erwischt. Oder wenn der eine dem anderen mit vergangenen Bettgeschichten einen juristischen Strick binden will.

    Die Beteiligten entscheiden für sich selbst im Rahmen ihrer persönlichen Freiheit was sie im Bett (oder wo auch immer) anstellen wollen, Dritte hat dies nichts zu kümmern. Und wer mit christlicher Moral argumentiert, verkennt, dass das Christentum als moralische Institution in hiesigen Gefilden ihre Absolution längst verloren hat und ein Angebot unter vielen ist. Wer dennoch Angst hat wegen \“zügellosen Praktiken\“ in der Hölle zu schmoren, soll vor den endlichen Tag nicht vergessen genügend Fleisch zum grillen einzupacken.

  3. Sex Sells! Die beiden Kommentare vor mir sind der Beweis dafür. Ob es nun qualitativ ist oder nicht ist im Endeffekt egal. Die Gemüter erhitzt es so oder so. Sei es die Kritik, dass man auf den Sex Sells Zug aufspringen möchte oder der nicht befriedigende Inhalt des Duells. Es wurde anscheinend gelesen und löste etwas beim Rezipienten aus.
    Diskussionen wie sie später in irgendwelcher Form geführt werden (beispielsweise hier als Kommentar) sind schlussendlich doch genau das Ziel solcher Texte und wünschenswert.

  4. Ich bin leicht befremdet, dass euer sogenanntes \“Duell\“ nicht mehr Resonanz in Form von Kommentaren hervorgebracht hat. Ich jedenfalls habe beim Lesen abwechselnd an meinem und eurem Verstand gezweifelt. Erstens mal zum Grundsätzlichen: Was zum Henker hat Analverkehr mit dem studentischen Leben (welches ja wohl das Thema einer studentischen Zeitung ist) zu tun? Abgesehen natürlich davon, dass einige Studierende das bei sich zu Hause praktizieren mögen, was den Leser aber wahrscheinlich eher marginal kratzt. Gehen euch die Themen aus? Wie wäre es mit \“Liebe im Hörsaal\“, \“Kalendergirls bei Students.ch\“ oder dem verschärften Rauchverbot rund um die Uni ab 1. Mai? Ich bin sicher, sowas interessiert die Leute mehr.
    Nun speziell zu Corsins Beitrag: Finde es ein bisschen schwach, eine Argumentation mit Bibelzitaten zu untermauern, die erwiesenermassen auf die heutige Zeit nicht 1:1 (wahrscheinlich nicht mal 1:100) anwendbar sind. Ausserdem setzt du Analverkehr sofort in Verbindung mit Homosexualität. Das ist nicht nur völlig unangebracht, sondern auch ziemlich diskriminierend. Homosexuelle, genauer gesagt, Schwule, definieren sich nicht über die Tatsache, Analverkehr zu haben.
    Ich freue mich auf niveauvolle, vorurteilsfreie Rededuelle in der nächsten ZS!

  5. hahaha sorry, lach mich schlapp. Köstlich geschrieben ;). Finde die Sparte erfrischend, solltet ihr mehr solche Artikel schreiben. Ich bin überzeugt, trotz der vielen Miesepeter und Moralaposteln, haben diesen Artikel sehr viele gelesen.

  6. Durch Zufall auf die Seite gekommen.
    Das Dafür ist gut geschrieben aber das Dagegen sprengt bei mir den Rahmen der Akzeptanz komplett.

    Zeig mir Gott dann sag ich \“Okay es gibt ihn\“ damit hat sich das aber auch. Die Bibel ist auch nix weiter als eine Sammlung von – zu der Zeit – tollen Fantasie Geschichten die wie jedes andere Märchen natürlich auch etwas Wahrheit beinhalten.

    Irgendwer hats dann gelesen, geglaubt, weitererzählt und am Ende finden schlaue Leute darin eine Möglichkeit ihre \“Schäfchen\“ zu kontrollieren. Was man sich nicht erklären kann machte einem früher sehr viel Angst.

    Der Punkt ist… ich finde solche Zitate und Verweise auf die Bibel oder sonst was, absoluten Müll. Könnte genau so gut auf eine Stelle aus Stephen Kings ES verweisen, wäre genau so ein Blödsinn.

    Religion ist für Leute die nicht an sich selber glauben wollen oder können. Schließlich darf jeder Fantasie-Freunde haben wenn er das möchte aber es hat in solchen öffentlichen Artikeln oder Medien eigt nichts zu suchen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Gehe nach Oben