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    Das Sofa lädt zum ausruhen ein. (Foto: Sabrina Peterer)
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    Der Töggelikasten ist gesponsert von der Credit Suisse. (Foto: Sabrina Peterer)
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    Gamen auf dem HD-TV. (Foto: Sabrina Peterer)
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    Freizeit im Luxus: angehende Ingenieure im Aufenthaltsraum ihres Fachvereins. (Foto: Sabrina Peterer)

Gratis Kaffee und Bier für 12’000 Franken

in Campus von

Simeon Milkovski und Gianluca Sonanini

Die Fachvereine der ETH Zürich schwimmen im Geld. Für zehn Franken im Jahr vergnügen sich ihre Mitglieder in Luxus-Spielzimmern.

Schüsse dröhnen durch den Aufenthaltsraum des AMIV (Akademischer Maschinen- und Elektro-Ingenieur-Verein). Vier Informatiker duellieren sich auf einem riesigen HD-Fernseher im Ego-Shooter-Game Counterstrike. Hinter ihnen stehen ein Billardtisch, zwei Töggelikästen und ein Bierautomat, der aussieht wie ein Getränkeautomat in einer Sporthalle. Es riecht nach frischem Espresso aus der Nespressomaschine. Im Hinterhof wird derweil das fachvereinseigene «AMIV-Bräu» gebraut.
«Unser Fachverein ist sicher nicht Durchschnitt», meint Linus Marty. Er ist im Vorstand des AMIV, der mitgliederstärksten Fachverein der ETH. Rund 3000 angehende Ingenieure bezahlen jedes Semester den Mitgliederbeitrag von zehn Franken. Eine gute Investition: Der AMIV bietet eine Reihe kultureller Events und Studienhilfen. Finanziert wird dies vor allem aus den Mitgliederbeiträgen, so Marty. Die erste Runde Hopfen und Koffein wird offeriert. Das allein kostet den AMIV 12’000 Franken pro Semester. Wenn man von 3000 Studierenden zehn Franken einheimst, machten Kaffee und Bier schon mehr als einen Drittel des Gesamtbeitrags aus. Als die ZS genauer nachfragt, wird Marty wortkarg. Das Budget werde Aussenstehenden nicht vorgelegt. Um «Missverständnissen vorzubeugen», weicht er aus.

Von Firmen umworben

Neben den Mitgliederbeiträgen erhält der AMIV Geld aus der Privatwirtschaft. Einmal jährlich organisiert er die Kontaktmesse, an der Firmen die zukünftigen Ingenieure umgarnen können. Diese Messe wird von den werbenden Firmen finanziert. Auch der VIS (Verein der Informatik-Studierenden) organisiert eine solche Messe. Laut Stefan Götschi, Vizepräsident des VIS, macht die externe Finanzspritze einen Grossteil des Budgets aus. Kleinere Fachvereine seien eher auf die Mitgliederbeiträge angewiesen. Götschi betont aber, dass der Vorstand nicht auf Gewinn aus ist. Das Gesamtbudget aller Fachvereine belaufe sich auf einen siebenstelligen Betrag.
Andreas Schwarzinger, ehemaliges Vorstandsmitglied des Fachvereins Oekonomie (fvoec) der Uni Zürich, hat seine Zweifel, ob ein derartiges Budget Sinn macht. «Im fvoec setzten wir pro Jahr einen Bruchteil davon um und leisteten trotzdem sinnvolle Arbeit.» Er sieht den Grund für die enorm hohen Einnahmen der ETH-Fachvereine im hohen Ansehen der Talentschmiede. «Unternehmen, die an Absolventen der ETH interessiert sind, zahlen in der Regel ein Vielfaches mehr. Und die Fachvereine sind dort die einzigen Schnittstellen.»

Selbstanzeige

Linus vom AMIV betont, dass sie das Geld nicht nur in Vergnügen investieren. So organisiert der Fachverein Prüfungsvorbereitungskurse. Wird zu wenig Geld ausgegeben, wird sich der Fachverein wieder selbst anzeigen; wie letztes Jahr. Das AMIV-Vermögen hatte den für Vereine zulässigen Schwellenwert von 100’000 Franken überschritten. Da darf man getrost von Luxusproblemen sprechen.

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5 Comments

  1. Liebe ZS

    Wenn ich den Artikel richtig verstehe, kritisiert ihr , dass die Fachvereine, welche Geld haben (welches bei diesen nur zu einem kleinen Teil aus Mitgliederbeitrgen stammt) dieses so einsetzen, dass die Mitglieder davon profitieren? Oder hat der Artikel einen tieferen Sinn welchen ich einfach nicht verstanden habe?
    Wo viel gearbeitet wird, wird nunmal viel Umsatz generiert, da macht so ein Budget dann logischerweise Sinn… Ökonomie lässt Grüssen ;).

    Mit besten Grüssen
    Ein VSETH alt-Vorstand

  2. Liebe „Journalisten“,
    als einer der 3000 finde ich den Artikel doch sehr negativ wertend. Ich bin froh über die Angebote des amiv der einfach sehr viel macht und enorm aktive Vorstände und Helfer hat. Prüfungsvorbereitungskurse, Hochschulpolitik, eine Fachvereinszeitung die alle 2(!) Wochen erscheint, kleiner „Imbiss“, Frauenförderung, Prüfungs- und Unterlagensammlung, … (da gibts so viel dass ich das auch nicht weiss was es noch alles gibt) – und das alles vollständig ehrenamtlich (Fachvereinsvorstände erhalten keinen Rappen!) neben dem ETH Studium! Der Aufenthaltsraum ist ein nettes „nebenbei-feature“.
    Da ich zufällig ein wenig von Vereinsrecht verstehe: Der letzte Absatz ist verwirrend und so etwas gibt es nicht. Ich weiss aber was ihr schreiben wolltet und das hat damit gar nichts zu tun! Mit sorgfältiger Recherche und korrekten Darstellungen scheint es die ZS offensichtlich nicht so ernst zu nehmen…
    Ausserdem überweist kein Unternehmen einem Verein einfach so Geld – ein Sponsoring (z.B. Töggelikasten) bekommt man nicht mit einem einzigen Telefon. Da steckt viel ehrenamtliche Arbeit dahinter und wer arbeitet erntet bekanntlich auch.
    Fazit: Unvollständiger Artikel, schlecht recherchiert, sehr einseitig.

    Ach ja, dass die ehrenamtliche Arbeit in VSETH und Fachvereinen enorm ist und Umsatz generiert ist kein Geheimnis – nicht umsonst sind Dinge wie ASVZ, Woko, SAB, … im diesem Umfeld entstanden und gäbe es nicht ohne diese Leute die viel Zeit investieren um etwas fuer alle zu erreichen.

    Ein Ex-Fachvereinsvorstand der ETH

  3. Ich glaube nicht, dass der Artikel ein schlechtes Licht auf die ETH-Fachvereine werfen soll. Es ist eher zu hoffen, dass der VSUZH an der Uni auch so viel Anklang finden wird, damit er uns auch einen solchen Service bieten kann!

  4. Ihr seid lustig 😉 Geht doch auch mal bei den Unternehmen hausieren und überzeugt diese, dass es sich lohnt Germanistik, Religions und Psychologie-Studenten finanziell zu unterstützen und zu umwerben :))

  5. Liebe ZS,

    Die Darstellung im Artikel erscheint so, als ob es nicht angemessen sei, die Mittel, die ein Fachverein aufweist in gesellschaftliche Einrichtungen (i.e. der Aufenthaltsraum) und Veranstaltungen bzw. Ausstattung (Fernseher, Getränkeautomat(en)) investiert, von denen die vertretenen Studenten profitieren. Für den Artikel wäre es durchaus Sinnvoll auch mal einen Blick auf den Zweck der Fachvereine des VSETH zu lenken.
    Neben dem Zweck als Vertretung gegenüber ETH und anderen Einrichtungen schreibt der AMIV in seinen Statuten auch: „Der AMIV will den Studierenden, die er vertritt, die Inte-
    gration in die Gemeinschaft der Hochschule erleichtern […]“ (Statuten des AMIV, Art. 2).
    Der VMP geht sogar noch etwas weiter und beziffert seinen Zweck u.a. mit der „Pflege freundschaftlicher Beziehungen unter den Mitgliedern“ und der „Schaffung und Förderung von Dienstleistungen für seine Mitglieder“ (Statuten des VMP, Art. 2).
    Daraus geht ganz klar hervor, dass die Vereine ihre Mittel auch eideutig für solche gesellschaftlichen Einrichtungen einsetzen sollen. Es wäre also nicht nur nicht angemessen, sondern auch gegen die eigenen Regeln, würden diese Vereine die erwähnten Projekte und Einrichtungen nicht unterstützen.
    Möglich werden diese Tätigkeiten natürlich erst durch viel ehrenamtliche Arbeit und finanzielle Unterstützung.
    Meiner Ansicht nach dürfen aber die Fachvereine des VSETH und inbesondere der AMIV stolz darauf sein, es geschafft zu haben so viel Interesse an sich und ihren Studenten geweckt zu haben, dass Sponsorings und Unterstützungen aus der Privatwirtschaft helfen das Vereinsleben möglich zu machen. Solch ein Status ist sicherlich nicht selbstverständlich.
    Ich schließe mich daher meinem Vorvorkommentator an und stimme zu, dass der Artikel schlecht recherchiert ist und sehr einseitig geschrieben ist. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Ehrenamtlicher des AMIV, der diesen Artikel liest, seine Arbeit darin nicht gewürdigt sieht.
    Im aktuellen Polykum ist ein Artikel zu einem ähnlichen Thema erschienen, der an dieser Stelle äußerst lesenswert ist.

    mit freundlichem Gruß
    ein Ehrenamtlicher und Student der VSETH

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