Kant sieht nicht nur verstaubt aus, er schreibt auch so.

Kant in heutigem Deutsch

von

Lucas Forberger

Für Studierende, die an Kants Sprache scheitern.

Philosophiestudierende kennen das Problem: Man möchte nur noch schnell die wichtigsten Argumente aus Kants «Kritik der reinen Vernunft» in eine Reihe bringen. Doch dann machen einem die verworrene Sprache, unübersichtliche Nebensatzkonstruktionen (da geht sicher noch ein Komma mehr!) und nicht zuletzt das antiquierte Deutsch aus dem 18. Jahrhundert einen Strich durch die Rechnung. Wie soll also der Essay pünktlich zum nahenden Abgabetermin fertigwerden?
Rettung ist in dieser Situation zum Glück nicht fern, und zwar in Form von Hans-Peter Gensichens «Kant IN heutigem Deutsch». Dieses Buch enthält die Vorreden zu sechs der wichtigsten Werke Kants, darunter auch jene zur «Kritik der reinen Vernunft». Diese sind im verständlichen Deutsch des 21. Jahrhunderts verfasst. Das heisst: entwirrte Nebensätze und gezähmte Genitivkonstruktionen. So wird der Essay zur reinen Formsache. Da ist es auch nicht weiter schlimm, dass Gensichens Buch «nur» die Vorreden enthält. Denn schon hier sind alle grundlegenden Ideen aus Kants Werken vorhanden. Und sind die erst einmal verstanden, kann man sich auch an den Hauptteil im Original wagen. Dieses Buch ist für Freizeitphilosophen, Akademiker ohne übermässigen sprachlichen Anspruch und jeden Anderen, der sich für einen der wichtigsten Denker der Aufklärung interessiert. Wer Kant light erwartet, sei gewarnt: Trotz der Entwirrung der sprachlichen Stolperdrähte handelt es sich hier nicht um leicht bekömmliche Bettlektüre. Dann doch lieber weiter über dem neuesten Precht eindösen und Kant Kant sein lassen.

 

Hans-Peter Gensichen:
«Kant IN heutigem Deutsch»
Taschenbuch, 176 Seiten

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