Simeon Milkovski

Milkovskis Musik

in Campus von

Geisterbahn

Musik zum mit dem Gschpusi schmusen, vorm knisternden Lagerfeuer in eine Wolldecke eingewickelt. Sie fühlt sich ein wenig an wie ein Tauchgang im Schaumbad, während draussen in der Wüste die Wölfe heulen. Band­leader Taylor Kirk und seine Düsterfolk-Truppe Timber Timbre wurden ursprünglich dazu geladen, den Soundtrack für einen Horrorstreifen einzuspielen. Doch die introvertierten Kanadier kamen nicht so recht klar mit den Banausen aus Hollywood. Auf «Hot Dreams» finden sich die Überbleibsel dieser Filmmusik. Kleine sinistre Mischungen aus Folk und Jazz, garniert mit surrenden Flöten, Saloonpianos, Geigen und Grabesglocken. Zwischendurch peitscht eine kaputte E-Gitarre durch die pechschwarze Nacht. Oft ist der wahre Grusel aber unter der Oberfläche ver­borgen. Der Opener würde zwar noch in einen Zombiefilm-Soundtrack von Ennio-Morricone passen. Das anschliessende Titelstück lullt mit seinen Zeitlupengitarren und wunderbarem Bariton aber derart ein, dass man fast überhört, dass Kirk seinem «baby» ja nicht nur die «pro­mises», sondern auch die «threats» wahrmachen will. Einer der besten Songs des bisherigen Jahres, und das sagt einer, der Saxophone eigentlich verbieten will. Auch der Rest des Albums oszilliert zwischen staubtrockenem Langsamfolk und einer furchterregenden Stimmung im Hintergrund, als fahre man in einer längst verstaubten Geisterbahn. Und in zwanzig Jahren hört man «Run From Me» dann in einem Tarantino-Film.

 

Timber Timbre: Hot Dreams
April 2014, Arts & Crafts Productions

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