Simeon Milkovski

Milkovskis Musik

von

Kampfansage

 Wenn Kunststudenten Molotov-Cocktails basteln, laufen diese Klänge im Hin­tergrund. Efrim Menuck, der Chef des Orchestra, ist selbst ein Aktivist. Der vielbeschäftigte Mu­siker aus Montreal hat eine Vorliebe für überlange Bandnamen und epische Songs. Obwohl man bei der Länge der Stücke nicht mehr von Songs spre­chen kann. Während sein Haupt-Outfit «Godspeed! You Black Emperor» eher sporadisch neue Musik schreibt, ist das Orchestra deutlich produktiver. Ihr neuester Streich ist wie immer eine Kampfansage an herrschende Verhältnisse. Menuck ist kein geborener Sänger, aber was ihm an Technik fehlt, macht er durch Emotion wieder wett. «Thieves and liars rule everything we know!» oder «All our cities gonna burn! All our pennies gonna rot!» Man meint die Ausrufezeichen zu hören. Unter den Lyrics rumpelt und poltert die Band. Gitarren und Geigen sägen gleich laut um die Wette. Das Album braucht Zeit zum Angewöhnen.
Der Sound klingt manchmal dumpf, der Mix ist chao­tisch, die Kanten ungeschliffen. Ein schiefe Mischung aus Rock und Klassik, die doch hineinzieht. Vor allem im fünfzehnminütigen «Austerity Blues» brechen irgendwann alle Dämme, und die Band fiedelt und tätscht sich in Ekstase.
Klinischer Perfektionismus in Sachen Musik ist nicht immer erstrebenswert. Man muss das Feuer brennen hören, und hier lodert es das ganze Album lang.

 

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