(Bild: Maya Wipf und Daniele Kaehr)

Rektor, lass uns mitreden!

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Thesenartikel

Unser Rektor dient uns und der universitären, unabhängigen Lehre. Er leitet kein Unternehmen, sondern eine Institution öffentlich sub­ventionierter Intellektueller. Von privatwirtschaftlichen Sponsorings hält er nichts; er pfeift auf falsche «Schen­kungen». Diese sind getarnte Fallstricke der Wirtschaft. Natürlich können einige Forscher der süssen Verfüh­­rung des Geldes nicht widerstehen. Diese Forscher wollen wir aber nicht. Genauso wenig wie einen Rektor, der seine Nase nach dem Duft des Geldes richtet und sich gleichzeitig von der Politik erpressen lässt.
Unser Rektor kämpft gegen die schleichende Einflussnahme wirtschaftlicher Tentakel an. Er hat den Mut, «Nein» zu sagen, verteidigt das Wissen, die Bildung und das freie Denken gegen den profitorientierten Mainstream. Die Uni soll nicht von globalen Konzernen gelenkt werden.
Unser Rektor reisst die einengenden Mauern des Elfenbeinturms ein und entstaubt den duckmäuserischen Mief, der noch immer in so manchem Professoren-Talar steckt. Er erinnert die Dozierenden daran, dass sie gefälligst ihr Maul aufmachen sollen und sich in gesellschaftliche Debatten einmischen müssen. Schliesslich werden sie von der Bevölkerung bezahlt. In der Uni soll kein Klima der übertriebenen Diskretion herrschen. «Raus mit euch, raus an die Öffentlichkeit», herrscht sie unser Rektor an und geht mit gutem Beispiel voran.
Unser Rektor ist kein Unidiktator, sondern der Vertreter einer Unikratie. Er fällt keine einsamen Entscheidungen. Die Uni, das sind wir Studierenden. Machtpolitisch werden wir wie eine Minderheit behandelt. Ebenso der Mittelbau, der einer vierfachen Belastung durch Doktorarbeit, Lehre, Assistenz und Publikationsdruck ausgesetzt ist und eine Hauptlast zu tragen hat. Unser Rektor gibt einen Teil seiner Macht ab. Er lässt uns mitreden.

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