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    Beeinflussen Lehrkräfte der «Fischlifraktion» Kinder auf suggestive und subtile Weise? (Illustration: Philip Schaufelberger)
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    Die eigenen Überzeugungen drücken im Unterricht immer irgendwie durch. (Bild: Philip Schaufelberger)
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    «Gläubige aus Freikirchen haben einen grossen Missionsdrang», sagt ein Experte. (Illustration: Philip Schaufelberger)
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    Wer will, kann in der Oberstufe im Biologieunterricht die Evolutionstheorie weglassen. (Illustration: Philip Schaufelberger)

Unterrichten in Gottes Namen

in Campus von

[lmr] und Markus Lütscher

Viele Studierende an der Pädagogischen Hochschule sind streng religiös. Wird das Klassenzimmer zur Bibelschule?

Zwei Lehrerinnen im Praktikum. Ein Schüler kommt zum Lehrerpult und fragt: «Sie, gälled Sie, Schwuli sind au Mänsche?» Die Lehrerin ist baff. Bestätigt dann aber sofort, dass Schwule sehr wohl Menschen seien. Der Schüler steuert wieder seinen Platz an. Da sagt ihre Kollegin, Mitglied einer Freikirche, leise zu ihr: «Darüber lässt sich also streiten.» Das ist kein atheistisches Propagandamärchen, sondern so geschehen im Kanton Zürich, vor nicht allzu langer Zeit. Die zwei Frauen sind angehende Lehrerinnen und studieren an der Päda-gogischen Hochschule (PH) in Zürich. Dass viele gläubige Studierende die Lehrerausbildung absolvieren, ist an der Hochschule ein Tabuthema. Wie ein glühendes Stück Kohle, das alle sehen aber nicht anfassen wollen. Man kennt das Phänomen, man ist irgendwie beunruhigt, mit Namen genannt werden will man aber nicht. «Z’heiss» sei es, dazu Auskunft zu geben. Oder: «Das ist doch etwas Persönliches, das fragt man nicht.»

Ein Drittel ist religiös

«Meine Schätzung: 50 Prozent sind religiös, 20 Prozent davon sind Fundamentalisten», sagt Gaby*, Studentin an der PH. Erkennbar seien die Gläubigen an kleinen Merkmalen: Tätowierte Kreuze am Hals, Armbänder aus Plastik oder an ihrem Verhalten im täglichen Unterricht. Im neuen Pflichtfach «Religion und Kultur» zum Beispiel. «Die nehmen das voll ernst und korrigieren dauernd unsere Dozentin», sagt Gaby. Wenn Witze über den Teufel gerissen werden, bricht schon mal jemand in Tränen aus. Im Ethik- und Moralunterricht höre man öfters die Forderung, man solle neben der Evolutionstheorie im Biologieunterricht auch die Schöpfungstheorie lehren. Und wird über die Bibel geredet, fallen Sätze wie: «Sie, wo steht denn das genau? Das kommt aber drauf an!» Neben Freikirchlern studieren auch Mitglieder der ICF, Baptisten oder Juden an der PH. Statistiken gibt es keine. Glaubt man Studierenden, erreicht die «Fischlifraktion», wie sie im Alltag von den Mitstudierenden genannt wird, einen Anteil von 10 bis 30 Prozent.

Klassenspaltung am Unterstrass

Exemplarisch zeigt sich die Anhäufung christlicher Studierender am Institut Unterstrass, das an die PH angegliedert ist. Es gilt als «Gschpürschmi»-Variante der Lehrerausbildung. Vor 150 Jahren wurde das Institut als «Evangelisches Lehrerseminar» gegründet, heute ist es konfessionsneutral – aber noch immer stellen die Christen die Mehrheit. Sandra*, selbst nicht religiös, macht am Unterstrass die Ausbildung zur Primarlehrerin. Zuerst wiegelt sie bei der Frage nach den vielen gläubigen Studierenden ab. «Freikirchler?», sagt sie und überlegt, «gibt es bei uns nicht mehr als anderswo.» Dann hält sie kurz inne und zählt nach: «Einen, zwei, drei, warte, es sind noch mehr.» Zum Schluss ist sie doch etwas erstaunt: Fast die Hälfte der Klasse ist religiös. Rahel* studiert ebenfalls am Institut Unterstrass. «Unsere Klasse ist in zwei Gruppen gespalten, wir und die anderen», erzählt sie, «eine gläubige und eine ungläubige Fraktion.» Man arbeite miteinander, gehe aber getrennte Wege, sobald die Veranstaltungen vorbei seien. Sie lernen im gleichen Klassenzimmer, leben aber in unterschiedlichen Welten: Die religiöse Gruppe braucht viel Zeit fürs Beten, Singen oder Lesen in der Bibel, hat eine völlig andere Lebensgestaltung. Wenn die einen morgens um sechs im Klassenlager noch im Tiefschlaf liegen, treffen sich die anderen, um gemeinsam die Bibel zu studieren. Zur Ausbildung am Institut Unterstrass gehört auch die obligatorische Woche «Religiöse Grundfragen». Dort sprechen die künftigen Lehrkräfte auch über ihren eigenen Glauben. Und dort öffnen sich die Gräben, über denen sonst eine Decke des Schweigens liegt. Viele erschrecken, wie sich ihre Mitstudierenden plötzlich äussern. «Da wurde auch gesagt, dass alle, die den eigenen Glauben nicht teilen, in die Hölle kämen», erinnert sich Rahel. Bis dahin unauffällige Studierende wurden zu glühenden Verfechtern ihres Glaubens. «Die sind so in dem Ganzen drin, die können nicht mehr kritisch denken», regt Rahel sich noch heute auf. Wer Jesus in Frage stelle, werde sofort abgeschrieben.

Alle anderen kommen in die Hölle

Auch Daniela* studiert am Institut Unterstrass, sie ist streng gläubig und Mitglied einer kleinen Freikirche. «Ich glaube daran, dass Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat», stellt Daniela klar. Ihr Glaube sei der einzig richtige, weil er komplett sei. Allen anderen Glaubensrichtungen fehle ein Element. Darum ist sie auch der Überzeugung, dass «es in der Bibel steht, dass Ungläubige in die Hölle kommen.» Zum Beispiel Primarschüler muslimischen Glaubens. Daniela stammt aus einer Lehrerfamilie, die Wahl zwischen einem Kunst-Studium und der PH sei ihr nicht leicht gefallen.Aber Gott habe ihr den Weg gezeigt. «Er hat für jeden Menschen einen Plan», ist Daniela überzeugt. Den Kindern etwas weiterzugeben, das liege ihr. Wichtig seien ihr Werte wie Vertrauen und Wertschätzung. «Alle Menschen sind Gotteskinder,» meint Daniela. Es wäre für sie auch kein Problem, eine Multikultiklasse zu unterrichten. «Das fände ich sogar sehr interessant», sagt sie begeistert. In der Naturkunde würde sie neutral und kritisch lehren, religiöse und weltliche Anschauung gleichstellen. Und das obwohl «die Evolutionstheorie durchaus widerlegt werden kann,» wie sie sagt. Gewisse moderne Inhalte würde sie aber auch kommentieren oder in einigen Punkten widersprechen.

Lehrberuf aus Nächstenliebe

Vertreter und Dozierende reagieren etwas ratlos, wenn man sie fragt, warum all diese religiösen Studierenden Lehrer werden wollen. David Bucher, Student an der PH, ortet die Gründe bei der Erziehung. «Von klein auf sind solche Leute in religiösen Gruppen aktiv», sagt er. Der Lehrerberuf habe eine starke soziale Komponente, und das spreche gläubige Menschen an. Er glaube nicht, dass allfällige missionarische Interessen dahinter steckten. Studentin Sandra vermutet, viele gläubige Studierende würden schon früh eine Familie gründen wollen. Dazu eigne sich der Lehrberuf sehr gut. Als Primarlehrerin könne man gut Teilzeit arbeiten. Für Matthias Gubler, Leiter des Institut Unterstrass, liegen die Gründe tiefer. «Ich fürchte eben doch, dass da eine Art missionarischer Einsatz dahinter steckt», erklärt Gubler. Man finde Leute mit «Botschaften» häufiger in pädagogischen Berufen. «Menschen, die etwas vermitteln wollen, werden eben eher Lehrer als Ingenieure», sagt er. Dass es am Institut Unterstrass mehr Religiöse gibt als an der PH selbst, glaubt er nicht.

Schwänzen wegen Zungenkuss

Doch was will die «Fischlifraktion» eigentlich? Lebt sie ihre Religion in der Freizeit aus oder will sie im Schulzimmer auf Mission gehen? Wieder gehen bei den Studierenden die Scheuklappen hoch. «Das wissen wir doch nicht», sagt eine Studentin. Eine andere scheint allerdings nur auf eine Gelegenheit gewartet zu haben, sich ihren Frust einmal von der Seele zu reden. «Die einen sind easy, andere weniger», sagt sie. Je extremere Positionen sie vertreten, desto eher stiessen sie bei Mitstudierenden auf Unverständnis. Dass man sich als Strenggläubige vom obligatorischen Modul Sexualpädagogik dispensieren lassen könne, weil da ein Bild mit Zungenkuss gezeigt wurde, goutiert sie nicht. «Es geht gar nicht ums Christensein, sondern um den Fundamentalismus. Wenn Leute glauben, schwul zu sein, sei eine Krankheit, dann ist das doch eine Menschenrechtsverletzung!», ruft sie aus. Ist es nicht, denn jeder darf glauben was er will. Die Religionsfreiheit ist ein von der Verfassung garantiertes Menschenrecht. Auch das Recht auf Ausbildung. Niemand kann festlegen, wer mit welchem Glauben studieren darf.
Aber sonst ist die rechtliche Situation schwammig. Die Trennung von Religion und Staat ist in der Schweiz nicht vollständig. Die Bundesverfassung beginnt mit «Im Namen Gottes des Allmächtigen!» Aber jeder Kanton vertritt in der Praxis eine etwas andere Auffassung, in Zürich gilt grundsätzlich: Die Schulen müssen konfessionell neutral sein. Aber wie neutral kann eine streng gläubige Lehrperson muslimische Kinder unterrichten, sofern sie überzeugt ist, dass diese in die Hölle kommen, wenn sie nicht konvertieren? «Missionieren tun sie später nicht absichtlich, aber ich glaube, unbewusst tun sie das», drückt Unterstrass-Studentin Rahel ihre Befürchtungen aus. Auch Matthias Gubler vom Institut Unterstrass sieht da durchaus Konfliktpotenzial: «Die Lehrperson muss ihre religiösen Überzeugungen im Unterricht zurückhalten können,» sagt er. Als Lehrperson sei es kein Problem, offen zu seinem Glauben zu stehen. Das Schlimmste wären laut Gubler aber ständige, unterschwellige moralische Botschaften im Unterricht, die das Kind nicht richtig einordnen kann.

Unverbindliche Lehrpläne

Jede Lehrperson gibt im Unterricht etwas von ihrer Persönlichkeit mit. Und niemand muss sklavisch dem Lehrplan folgen. Wer will, kann in der Oberstufe beispielsweise die Evolutionstheorie auch einfach weglassen. Dafür hat Gubler kein Verständnis: «Wenn unsere Leute das nicht vertreten können, sollen sie sich einen anderen Job suchen!», sagt er,«wissenschaftliche Erkenntnisse müsse sie akzeptieren.» Die Schöpfungstheorie solle man behandeln, aber im Religions- und nicht im Biologieunterricht. Gubler war dieses Jahr an der Woche «Religiöse Grundfragen» am Unterstrass mit dabei. «In meinen Augen gehen einzelne Positionen in Richtung Fundamentalismus», sagt er, «und ich denke, extreme fundamentalistische Positionen sind sehr heikel.» Auch Hugo Stamm, Fachmann für religiöse Fragen, sieht Missionierungspotenzial: «Die eigene Überzeugung drückt im Unterricht immer irgendwie durch», sagt er. «Da Gläubige aus Freikirchen einen grossen Missionsdrang haben, besteht die Gefahr, dass sie ihre Schülerinnen und Schüler bewusst religiös beeinflussen», führt er aus, «durch das persönliche Verhältnis in der Klasse gibt es viele Möglichkeiten, die eigenen Überzeugungen auf suggestive und subtile Weise auf die Kinder zu übertragen.» Sprüche wie «Da hät dä lieb Gott aber kei Freud!» seien noch harmlose Bemerkungen. «Eltern haben es sehr schwer, religiöse Beeinflussungen nachzuweisen und sich gegen die Lehrer zu wehren», erklärt Stamm.

Säkulare Schule?

Wird unser Bildungssystem also von Fundamentalisten unterwandert? Gehen unsere Kinder zu Lehrkräften in die Schule, die Schwule für «absonderlich» halten und im Biologieunterricht erzählen, dass Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat? Das ist wohl übertrieben, aber Studierende, Dozierende und Experten sind beunruhigt: Alle wollen die Entwicklung mit wachsamen Augen verfolgen. Und fordern, dass die Hochschule ihren Studierenden die Wichtigkeit einer strikten Trennung von Glaube und Unterricht einprägt. Am Institut Unterstrass ist das schon Realität: «Es wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass alle Glaubensrichtungen offen betrachet und neutral bewertet werden», sagt Rahel, «es wird uns eingetrichtert, dass wir uns im Unterricht zurückhalten sollen.» Solche Worte hört man an der Pädagogischen Hochschule von niemandem. Im Gegenteil, das Thema werde «totgeschwiegen», sagt Gaby, «die PH thematisiert das einfach nicht.» Lässt man die Gefahr einer Missionierung im Klassenzimmer beiseite, räumen auch Kritiker der «Fischlifraktion» ein, dass gläubige Menschen oft sehr gute Lehrer sind. «Ein freikirchlicher Hintergrund kann sehr problematisch, aber natürlich auch sehr fruchtbar sein», sagt Johannes Kilchsperger, der an der PH die Fachgruppe Religion und Kultur leitet. «Es war schon immer so, dass religiöse Leute eher einen Lehrberuf wählen», weiss er. Er kenne Lehrpersonen, die kreativ und offen seien und bewusst mit ihrem Hintergrund umgingen. Und zumindest ein Kompliment an die «Fischlifraktion» kommt auch von Seiten der unreligiösen Studierenden. Sie bewundern, wie herzlich ihre christlichen Kommilitoninnen mit Kindern umgehen. *Name der Redaktion bekannt

Links

Pädagogische Hochschule des Kantons Zürich
Institut und Gymnasium Unterstrass

 

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31 Comments

  1. Danke! Mit Eurem Beitrag \“Gott im Klassenzimmer\“ habt ein oft verschwiegenes Thema angesprochen: Die Rolle des Glaubens beim Unterrichten.

    Trotzdem eine kritische Rückfrage: Was, wenn es plötzlich nur noch \“Gläubige\“ oder \“Ungläubige\“, \“Freikirchler\“ oder \“Normale\“, \“Freidenker\“ oder \“die Fischlifraktion\“ gibt? Ich selber würde mich in keiner dieser Gruppen zu 100% wiederfinden. Ich vermute, die meisten Studis auch nicht. Ausser natürlich, jemand trägt eine solche Definition an sie heran. Und noch eine Vermutung: Mit Eurer polarisierenden Wortwahl unterstützt Ihr nur die Abschottung derjenigen Studis, deren Einfluss Ihr gerne besser kontrollieren würdet.

    Persönlich kenne ich nur zwei Möglichkeiten das von Euch zurecht erkannte \“Konfliktpotential\“ des Glaubens unter Kontrolle zu bringen: Totalitarismus oder Diskussion! Mein Rat an alle PHZH-lerInnen: Bitte kanzelt einander nicht ab, als wüsstet Ihr über die jeweils \“anderen\“ mehr bescheid als diese selber, sondern bleibt miteinander über Eure Überzeugungen im Gespräch.

    Christian Walti, Vikar der reformierten Landeskirche in Zürich-Altstetten

  2. Eine Bemerkung zur Evolution im Klassenzimmer:

    Evolution im Kleinen (Mikroevolution) ist eine erwiesene Tatsache: Arten können sich ihrer Umwelt anpassen und sich dadurch verändern. Ob sich dasselbe auch im Grossen abgespielt hat bei der Entstehung der Lebewesen, das ist eine Theorie. Möglicherweise war es so. Es ist der gegenwärtige \“Stand des Irrtums\“. Viele Fragen bleiben dabei ungeklärt. Sie ist die einzige ernst zu nehmende Theorie, wenn man wenigstens bei der Weiterentwicklung von Leben auf einen Gott verzichten möchte. Der Ursprung von Leben, Materie und Energie bleibt dabei im Dunkeln.

    Die Vermittlung dieser Evolutionstheorie ist im Zürcher Lehrplan für die Sekundarschule nicht vorgesehen. Welche wesentlichen Bildungsinhalte würde sie bieten? Das Gesetz des Stärkeren?

    Es ist wahr: Diese Theorie wird ständig zur Erklärung von allen möglichen und unmöglichen Dingen herangezogen, ihre Kenntnis gehört deshalb zum Allgemeinwissen. Doch eine gebührende Besprechung im Unterricht braucht Zeit, und die ist wahrhaftig knapp in der Sek. Es gibt viele andere wichtige Dinge, die ich als Lehrer weglassen muss.

    Ich wünsche mir, dass Christen und Nichtchristen ihren Unterricht durchdringen lassen von tatsächlich christlichen Werten wie Wertschätzung des Gegenübers, Bereitschaft zum Vergeben, Verkneifen von schlechtem Reden übereinander, Freude am Leben, Geduld miteinander (weitere in Galater 5,22).

    Denn unsere Gesellschaft braucht Werte! Leider finden wir sie nicht in der Evolutionstheorie!

    Freundliche Grüsse, Martin Rohner
    7 Jahre Sekundarlehrer, jetzt Theologiestudent

  3. Mit Interesse habe ich den Artikel \“Unterrichten in Gottes Namen\“ gelesen. Ich hätte eine objektive Auseinandersetzung mit dem Thema erwartet, doch spätestens nach dem ersten Absatz wird klar wohin der Artikel geht: Die Autoren versuchen ihre eigenen Ansichten mit polarisiernden Begriffen wie \“Fischlifraktion\“ etc. und einigen plakativen Beispielen von sogenannten Fundamentalisten zu untermauern.

    Schlussendlich geht es hier um Menschen die sich entschlossen haben das Wort Gottes ernst zu nehmen und danach zu leben. Dazu gehört eben auch das \“Missionieren\“, das Christen durch die Bibel aufgeragen wird:

    \“Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende\“ (Matthäus 28, 19-20)

    Aussagen wie \“Schwule sind keine Menschen\“ sind nach heutigem Gesellschaftsverständnis diskriminierend und entspechen sicher nicht Gottes Wort. Aber: Die Bibel findet harte Worte für das Ausleben von Homosexualität, und \“Nichtchristen kommen in die Hölle\“ ist nach biblischem Verständnis richtig. Denn Jesus sagt darin klar dass der einzige Weg zu ewigem Leben durch ihn sei.

    Mike, Computer Science ETH

  4. Ich danke euch vielmals für den mutigen Artikel über diese brisante Materie! Lehrer mit fundamentalistisch-christlichem Sendebewusstsein bergen m.E. grosses Gefahrenpotential, weil sie in ihrer Position die Werte unsere aufgeklärten humanistischen und säkularen Gesellschaft unterwandert werden können. Religion hat in öffentlichen Schulen nichts verloren, weder auf dem Lehrplan noch unterschwellig.

    Auch wenn ich an dieser Stelle nun wiklich keine völlig deplazierte Diskussion über Evolution contra Schöpfungsglauben starten will, kann ich mir doch eine Bemerkung zu meinem Vorredner Martin Rohner nicht verkneifen: Sie nennen die Evolutionstheorie den gegenwärtigen Stand des Irrtums. Wären sie ein erkenntnistheoretischer Agnostiker so wäre ihre Position konsequent. Da sie aber offenbar ein Christ sind, möchte ich sie auffordern, Karl Popper bitte auch auf Ihren Glauben anzuwenden. Der ist nämlich nicht mal gegenwärtiger, sondern längst vergangener, falsifizierter und überholter Stand des Irrtums!

  5. Dem Dank für den Artikel (siehe letzter Kommentar) möchte ich mich anschliessen – wenn auch aus anderen Gründen. Erstens bringt er die Diskussion um Werte, in diesem Fall christliche Werte, ins Rollen und dies ist meiner Ansicht nach für die Gesellschaft ein Gewinn. Zweitens können sich die Autoren nach langen und sehr tendenziösen Ausführungen am Schluss doch noch zu etwas Positivem in Sachen \“Fischlifraktion\“ durchringen. Ich bin überzeugt, dass positiv gelebtes Christentum auch in der Schule wertvoll ist, denn Christentum und Werte gehören nun einmal in unserer stark christlich geprägten abendländischen Gesellschaft eng zusammen. Ich möchte den Spiess mal umdrehen und festhalten: Die Art und Weise wie von Leuten mit sagen wir mal \“undefiniertem Glauben\“ mit der Gruppe von Andersdenkenden umgegangen wird, ist in höchstem Grad untolerant und fundamental. In anderen Worten untergraben die erstgenannten damit ihren eigenen als heilig erklärten Wert der Toleranz, ohne dies auch nur zu bemerken.

    Objektiv betrachtet – falls dies in philosophischen und geistlichen Fragen überhaupt möglich ist – beissen sich der Artikel und die bisherige Diskussion an Punkten fest, die dem Populär-Journalismus Leserzahlen bringen, aber nur durch ihre Oberflächlichkeit bestechen. Die Zankäpfel wie Homosexualität, Evolutionstheorie oder das letzte Gericht lassen sich – wie jeder Glaube an sich – nicht so einfach erklären. Auch wenn dies der flüchtige Gratiszeitung-Leser und Normalkonsument gerne hätte. Die aktuelle \“Berichterstattung\“, die auch von Zeitungen wie \“News\“ ab heute aufgegriffen wurde, ist absolut beleidigend, wenn sie in ihrem gewohnten sachlich undifferenzierten Jargon auch auf persönlicher Ebene alle Freikirchler in den selben Topf wirft und sie als \“Frömmler\“ bzw. \“Religiöse Extremisten\“ bezeichnet. Zum Schluss ein Appell: \“Mach deine religiöse Erfahrung nie zu einem Grundsatz; lass Gott die anderen ebenso persönlich behandeln, wie er dich behandelt.\“ (O. Chambers). Übrigens finde ich die Trennung von Glaube und Unterricht sinnvoll, auch wenn die Einstellung eines von etwas tief überzeugten Menschen sich logischerweise in seinem Wesen äussern wird.

  6. Es ist amüsierend zu lesen, wie sich hier einige ereifern – für mich nur ein weiterer Beweis dafür, was für ein wichtiges Thema dieser Artikel anspricht. In einigen Kommentaren wird sogar gesagt, der Artikel sei tendenziös, als Beispiel wird die Wortwahl \“Fischlifraktion\“ hervorgebracht. Wer den Artikel aber aufmerksam gelesen hat, erkennt, dass \“Fischlifraktion\“ deshalb in Redezeichen geschrieben steht, weil es nicht die Autoren waren, die diesen Begriff hervorgebracht haben – so zumindest mein Eindruck.
    Die Autoren halten sich sehr zurück mit wertenden Aussagen und wenn sie es dennoch äussern, dann sind sie gestützt auf Aussagen von Studierenden/Experten/anderen Beteiligten Personen.

    Zu Äusserungen wie \“Welche wesentlichen Bildungsinhalte würde sie bieten? Das Gesetz des Stärkeren?\“ oder \“Aussagen wie \“Schwule sind keine Menschen\“ sind nach heutigem Gesellschaftsverständnis diskriminierend und entspechen sicher nicht Gottes Wort. Aber:\“ möchte ich mich gar nicht erst äussern.

    Religionen (Christentum, Judentum, Islam, etc.) vermitteln wichtige und richtige Werte, die sich einige in der heutigen Zeit zu Herzen nehmen sollten. Weiter geben sie vielen Menschen Rückhalt und Kraft, das erachte ich as sehr positiv und das möchte ich diesen Religionen auch nicht absprechen. Aber ob sich jemand diese Werte zu Herzen nehmen möchte oder seinen Rückhalt in einer Religion findet, soll jeder Mensch frei entscheiden dürfen. Er muss auch von niemandem darauf gebracht werden und schon gar nicht in der Schule. Aus diesen Gründen lehne ich das Missionieren ab und fände es fatal, wenn dies gar an Schulen geschehen würde.

    Wer aus der Bibel (oder Koran, Tora, etc.) Schlüsse zieht, dass Frauen, Homosexuelle oder Menschen anderen Glaubens minderwertig seien, der liest diese zu wenig kritisch. Wer nicht fähig ist, die Erkenntnisse/Aussagen dieser \“heiligen Bücher\“ an die heutige Zeit (mit ihren Erkenntnissen und Umständen) anzupassen, dem/der fehlt es an ganz anderen Werten.

  7. Besten Dank für diesen Artikel.
    Ich gehe mit meinen Vorrednern einig, dass sich die Autoren sicher nicht Mühe gegeben haben wertneutral zu schreiben.
    Allerdings ist das angesprochene Thema auch sehr brisant; selbst wenn eine tief religiöse Person sich aktiv um einen sakulären Unterricht bemüht, werden gewisse Einstellungen immer durchkommen. Wieso soll ich mir Mühe für ein Kind geben, bei dem ich glaube, dass es in der Hölle landet? Siehe dazu etwa der Pygmalioneffekt oder der \“Stereotype threat\“.

    Damit werden aber konservative Gesellschaftsstrukturen erhalten; Migranten müssen da ja nicht gefördert werden und auch ultrakonservative Geschlechterbilder werden am einen oder anderen Ort gefördert.

    Alle \“Freikirchler\“ in einen Topf zu werfen ist genauso falsch wie allen Atheisten vorzuwerfen sie seien Intolerant gegenüber gläubigen Menschen. Ich kann mich hier nur dem Votum von Christian Walti anschliessen.

    Eine Anmerkung noch: Das gerade \“Jesus-Fans\“ eine derart abwertende Meinung von Homosexuellen zeigen sollen erstaunt mich, hat sich Jesus doch nie in dieser Weise über Homosexualität geäussert.

  8. Da wohl kaum einer von uns Lesern wissen kann, wie wortwörtlich und in welchem Kontext die im Artikel erwähnten brisanten Bemerkungen entstanden sind, zeigt es sich an unseren Reaktionen wieder einmal, wie tief das Thema trifft und wie stark das Bauchgefühl und die Emotionen dabei eine Rolle spielen. Christen sowie Nichtchristen möchte ich dringend auffordern, sich tiefer und sachlicher mit solch lebenswichtigen Fragen auseinander zu setzen. Wir Christen müssen unbedingt wissen, wovon wir reden, wenn wir Antworten geben und diese adäquat anbringen. Wir müssen die Denkvoraussetzungen des Gegenübers kennen und unseren Glauben in jeder Situation sorgfältig überlegt und differenziert darlegen. Es kann nicht sein, dass ein Christ solch eine Bemerkung über Homosexuelle macht. Ich bin auch sehr der Meinung, dass die Bibel Homosexualität ablehnt und diese nicht der natürlichen Schöpfungsordnung entspricht. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Gott die Menschen als Menschen grundsätzlich liebt und die Homosexualität wie viele andere \“Zustände\“ von uns Menschen die Folge unserer Gefallenheit ist und jeder von uns in irgend einer Form davon (von dieser Gefallenheit) betroffen ist. Einen Menschen deswegen für weniger wert anzuschauen und dies sogar so zu formulieren, wäre ein schändliches Beispiel davon, wie oft wir Christen nachlässig mit unseren Mitmenschen und Gottes Botschaft umgehen und wie oft einfach nachgeplappert wird, was selber nicht sorgfältig studiert wurde.
    Die Nichtchristen möchte ich aber gleichermassen auffordern, differenzierter zu werden und nicht einzelne extreme Beispiele mit der grossen Mehrheit der Christen gleichzusetzen. Ein Dialog ist absolut erstrebenswert, ebenso ein Interesse und Sichauseinandersetzen mit den Quellen und dem Ursprung der Meinung des Anderen. Deshalb möchte ich die Nichtchristen auffordern, die Bibel unvoreingenommen zu lesen und zu prüfen, wie kompatibel ihre Botschaft mit unserem Leben und der Geschichte ist. Mit werteneutral meine ich losgelöst von allen negativen Erfahrungen und einem senstionslüsternen Tagesjournalismus

  9. Vielen Dank für das Aufgreifen dieser \“heissen Kartoffel\“. Entgegen meinen Erwartungen finde ich den Artikel gar nicht so tendenziös, wie andere Kommentatoren hier.
    Mich wundert nur ein wenig, dass anscheinend kaum eine der zitierten Personen mit Namen genannt werden will. Schämen sich unsere zukunftigen Lehrkräfte für ihre Meinung, ihren Glauben?

    @Michi Buumä: Du sagst:
    \“Wer nicht fähig ist, die Erkenntnisse/Aussagen dieser \“heiligen Bücher\“ an die heutige Zeit (mit ihren Erkenntnissen und Umständen) anzupassen, dem/der fehlt es an ganz anderen Werten\“….

    Gerade die persönliche Interpretation der Schriften, sowie das \“Anpassen\“ an die Moderne steht ja in Widerspruch zum absolutistischen (Wahrheits-)Anspruch, den viele organisierte Religionen erheben.

  10. Es scheint mir angebracht, sich Gedanken zur eigenen (In-)Toleranz gegenüber anders Denkenden zu machen, bevor man andere der Intoleranz beschuldigt. Eine solche Hetze gegenüber anders Denkenden ist mir noch nicht gerade begegnet – und schon gar nicht auf einer Homepage von Redaktoren, die das pädagogische und wissenschaftliche Handwerk verstehen sollten. Da scheint wohl das Sprichwort einmal mehr passend zu sein: Zuerst vor der eigenen Tür wischen…

  11. Interessanter Artikel! Ich studiere jetzt schon fast seit drei Jahren an der PHZH und habe von dieser Problematik noch nie was gespürt, gehört oder beobachtet. Auch im Modul von Herrn Kilchsperger herrschte Zurückhaltung, Offenheit und Interesse an allen Kulturen und Religionen. Hmm, das macht mich jetzt doch nachdenklich … aber eben – ich bin männlich, gross, muskulös und glatzköpfig – was weiss ich denn schon …

  12. Einmal mehr wird hier der \“wertneutrale Lehrer\“ als Idealbild beschworen und andere, die einen (christlichen) Glauben haben, der Indoktrination verdächtigt.
    Die Glaubens- und Gewissensfreiheit wird aber nicht dadurch gewährleistet, dass wir uns als Lehrer hinter einer wertneutralen Maske verstecken, sondern dadurch, dass wir die Schüler in ihrer Eigenständigkeit achten und wertschätzen. Die Schüler brauchen nicht ängstliche Korrektheit, sondern echte Persönlichkeiten, denen sie vertrauen können. So oder so ist \“das Hauptcurriculum des Lehrers seine Persönlichkeit\“ (Hartmut von Hentig). Und der Mensch hat nun mal eine religiöse Dimension, ob sie sich nun im Fussball, im Atheismus oder in der Nachfolge zB eines Jesus von Nazareth äussert.
    Wie Lukas Messmer sagt, ist also Beeinflussung unvermeidlich. Ist das so schlecht, wie es aus dem Artikel tönt? Schlecht ist, wenn indoktriniert wird – das heisst, wenn die Freiheit und Eigenständigkeit der Schüler missachtet wird. Gut ist aber, wenn liebevolle, lebensbejahende, realistische, engagierte Lehrpersonen die Begegnung mit ihren Schülern nicht scheuen – seien sie nun in ihrer persönlichen Ausrichtung christlich oder atheistisch oder fussballerisch. Demut gehört auch noch dazu: Nämlich das Eingeständnis, dass auch ich nicht die ganze Wahrheit wissen kann.
    Fehler passieren allen. Man könnte natürlich auch \“säkularen\“ Lehrern verbale oder auch nonverbale Unkorrektheiten nachweisen. Entscheidend ist nicht so sehr die einzelne Äusserung der Praktikantin (wobei ich bezweifle, dass sie das wegen den Schwulen genau so gesagt habe), sondern die Haltung, aus welcher schliesslich die Summe der Äusserungen resultiert.
    Als Eltern oder Schulaufsicht kann ich ja dann immer noch reagieren, wenn ich finde, eine Lehrperson gehe zu weit mit ihren Überzeugungen und schade damit dem Kind. Aber generell alle der Unterwanderung der säkularen Schule zu bezichtigen, die an Gott glauben, geht doch an der Realität und am Ziel vorbei. Das Ziel (gemäss Bundesverfassung Art 15) ist die Wahrung der Glaubensfreiheit. Und die spielt sich im Spannungsfeld zwischen der aktiven (\“ich darf meinen Glauben leben, so lange ich andere damit nicht beeinträchtige\“) und der passiven (\“niemand darf mir einen Glauben aufzwingen\“) Glaubensfreiheit ab. In diesem Spannungsfeld reift aber auch die Persönlichkeit der Kinder – für die ja die Lehrperson nur eine unter vielen Vorbildern ist. Hier liegt es an den Eltern, ihre Vorbildrolle im positiven Sinn einzunehmen.
    Statt also Ängste zu schüren vor Beeinflussung durch Lehrerpersönlichkeiten, täten die Autoren besser daran, auch die Existenz von Christen in einer pluralistischen Gesellschaft zu begrüssen. Schliesslich haben christliche Werte unser heutiges System entscheidend und positiv mitgeprägt.

  13. Ich bin auch Christ und finde den Artikel gar nicht schlecht. Ich habe durchaus den Eindruck, dass man sich um Sachlichkeit bemühte.
    Sehr interessant finde ich jedoch die panische Angst der Nichtchristen, dass ihre Kinder irgendwie mit dem Christentum in Berührung kommen sollten, sei es durch eine Aussage eines Lehrers oder Mitschülers. Ist dies nicht viel mehr das Eingeständnis, dass der Mensch natürlicherweise mit dem Schöpfer in Kontakt treten möchte, aber die Säkularisierten so tun, wie wenn er nicht existierte, jedoch keine offensichtliche Alternative dazu haben.

    Dies steht auch ganz und gar im Einklang mit der Tatsache, dass viele sich Freikirchen anschliessen, weil sie erkennen, dass das spirituelle Nichts, das die säkulare Gesellschaft ihnen anbietet, es nicht gewesen sein kann. Leider, leider, haben die Landeskirchen in der Schweiz es verpasst, lebende Spiritualität zu vermitteln. Deshalb liegt es einzig noch an den Freikirchen, dies zu tun.

    Und die Eingangsfrage, ob Schwule auch Menschen sind etc.: Das nehme ich euch schlichtweg nicht ab. So denkt kein Christ!

  14. Simon Federer, ganz schön schön geredet hast du da den Artikel… Aber über das Thema Evolutionstheorie vs. Schöpfungslehre hast du kein Wort verloren…

  15. Ich bin vom NEWS her auf diesen ZS-Artikel gestossen. Perfekte Propaganda. Aber was steckt dahinter? Jemand der persönliche Probleme mit Freikirchlern hat? Übrigens, viele Muslime denken das die anderen sowieso in der Hölle schmorren werden; und frag sie mal was man bei ihnen mit Schwulen macht.

  16. Der Artikel ist tatsächlich tendentiös, aber moderat gegenüber dem reisserischen (und m. E. diskriminierenden) Abklatsch in den News. Habe dafür kaum einen so sachlich-anständigen Blog gelesen. Akademikerniveau 😉
    Danke Matthias Kägi, Du brings es auf den Punkt. Und an lehrer: Mann muss nicht immer das Thema \“Evolution\“ auf den Tisch bringen. Doch mit 5 Jahren Bio-Studium und einem lic. theol. kann ich dort sicher mitreden.
    Wie wäre es mit Diskussionsrunden über heikle Themen an der PH? Es finden sich sicher sachlich fundierte Vertreter beider Lager, wenn nötig auch auswärtige…

  17. Als Student an der PHZH kann ich sagen, dass dies ein sehr aktuelles und präsentes Thema ist bei meinen Kommilitorinnen und Kommilitoren. Ich kann mir gut vorstellen, dann nicht viele Personen gewillt sind, sich mit Namen zu diesem Thema zu äussern. Zu gross ist die Angst Repression. Die heftige Reaktion der Schulleitung lässt ja schon darauf schliessen. Ich bin der Meinung, dass der Artikel sicherlich nicht wert-neutral geschrieben wurde, dennoch es zeigt die Problematik der Sache. Viele Studierende sind beunruhigt, dass so viele Freikirchler an der PH studieren. Gesagt werden muss, dass es grosse Unterschiede in der Toleranz dieser Personen gibt und in der Art und Weise, wie diese ihren Glauben kommunizieren. Alle in ein und den selben Topf werfen ist sicherlich nicht angebracht, zu gross sind die Unterschiede in den Persöndlichkeiten. Das Thema zu verharmlosen ist des weiteren aber ebenfalls nicht angebracht. Eine interne Diskussion an der PHZH wäre sinnvoll.

  18. Ich bin ebenfalls über NEWS auf diese Thematik gestossen.
    Irgendwie vermittelt mir dieser Artikel ein seltsames Gefühl. Es scheint so, als würde man dass, was die \“Fundis\“ \“vermitteln könnten\“, mit einer \“unheilbaren Krankheit\“ gleichsetzen. Es fällt kein einziges Wort darüber was denn wirklich konkret das Problem daran ist.
    Mal ehrlich, was würde geschehen wenn ein \“Fundi\“ diese graue Linie mal doch überschreitet und seinen persönlichen Glauben in den Unterricht einfliessen lassen würde? Was um alles in der Welt haben wir für eine Erwartungshaltung was dabei herauskommen könnte?
    Oder geht es gar nicht gross darum was dabei herauskommen könnte….?

    Wenn ich die Passage \“Klassenspaltung am Unterstrass\“ genauer lese, werde ich daraus nicht ganz schlau.
    Objektiv gesehen scheint mir das an jeder Schule (zumindest die welche ich besucht habe) so zu sein.
    Auch da gab es eine \“Klassenspaltung\“. Die Themenbereiche waren nur andere (Sportliche Ansichten, Freizeitgestaltung etc…).
    Wieso soll es hier nun \“schlimmer\“ sein? Nur weill der persönliche Glaube oder Überzeugung eine andere ist?
    Reicht das schon aus um eine Diskussion von dannen zu brechen und die \“andersgläubigen\“ (In diesem Fall die \“christlichen Fundis\“) aus dem Klassenzimmer zu verbannen, ja gar von der Lehrtätigkeit auszuschliessen?

    Wir wollen ja alle \“tollerant\“ sein. Nur meinen wir meist etwas anderes damit. Tollerant heisst meist, dass jeder glauben und tun kann was er will, solange es ihn selbst in seinem persönlichen Leben nicht touchiert.

    Genauer betrachtet haben wir ein Problem mit uns selbst und nicht mit andersdenkenden. Oder machen wir uns, aus purer Überzeugung und Glaube an die Tolleranz, plötzlich für den Unterrichtsplan unserer Schüler stark?

    Wenn dies wirklich der Fall wäre und die Motive dahinter ehrlich sind, würde es in unserer Welt anders aussehen. Mehrnoch wir würden in jedem Bereich des Lebens genauso entschlossen für andere eintreten, wie es hier der Fall ist.
    Nur tun wir das nicht….weill es uns eigentlich egal ist, solange wir davon nicht direkt oder indirekt betroffen sind.

    Das Wort Toleranz scheint seine Bedeutung verloren zu haben.
    Toleranz bedeuted nämlich nicht nur \“erdulden\“ sondern auch \“zulassen\“.

  19. @Stefan: Vielleicht fällt kein Wort über konkrete Probleme, weil sich die Autoren nicht auf ein Urteil herauslassen wollten. Der Artikel basiert vor allem auf Aussagen von Studierenden, Direktbeteiligten, Experten, Verantwortlichen oder wie man die Personen auch immer nennen möchte. Meiner Ansicht nach gibt der Artikel nur deren Ton/Haltung wieder. So ist die Wortwahl der Autoren oft neutral, reisserische Wörter wie \“Fischlifraktion\“ oder ähnliche werden nur von interviewten Personen gebraucht – so zumindest mein Eindruck.

    Verschiedene meiner VorschreiberInnen nannten den Artikel tendenziös, diesen Eindruck teile ich gar nicht, ein solcher Eindruck entsteht allerdings schnell, wenn man die klaren Aussagen der interviewten Personen liest. Den Autoren wäre einzig der Vorwurf zu machen, dass sie zu wenige der \“Fundamentalisten\“ haben zu Wort kommen lassen. Ob dies bewusst geschah, oder ob nur so wenige von diesen Personen zu einem Statement bereit waren entzieht sich natürlich meiner Kenntnis.

    Ob es ein Problem ist, dass jemand eine Klasse unterrichtet, in der es Kinder hat von denen die Lehrperson überzeugt ist, dass sie in die Hölle kommen, ist Sache der Ansicht. Ob es ein Problem ist, dass jemand als Autoritätsperson in das Leben eines Kindes, das mitten in der Ausbildung der Persönlichkeit steckt und sich oft wirklich differenziertes Denken noch nicht aneignen konnte, behauptet, dass Schwule minderwertige Menschen seien, ist Sache der Ansicht. Darüber gibt der Artikel auch keine genaue Beurteilung ab, er überlässt es der Leserin/dem Leser. Ich als Leser erachte die beiden angesprochenen Beispiele tatsächlich als Problem und bin dankbar, dass mich dieser Artikel auf diese Problematik grundsätzlich aufmerksam gemacht hat.

  20. Ich schliesse mich Stefan an: Wie schlimm ist es denn, wenn ein gläubiger Christ mal etwas von seinem Glauben durchdringen lässt? Das machen ja alle Menschen (und alle Menschen glauben irgend etwas)!

    Oder allgemein: Wie \“gefährlich\“ ist denn der christliche Glaube? Er richtet heute weltweit jedenfalls weit viel mehr Gutes als Schlechtes an. Und er hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir heute überhaupt ein solches Schulsystem haben (a propos PH / christliche Lehrer)…

    Wir hören von Terrorakten z.B. in Indien, welche von islamischen, aber auch hinduistischen Extremisten verübt werden. Den Christen dort wirft man lediglich vor, dass sie zuweilen karitative Hilfe mit Mission/Evangelisation verbinden…

    Nochmals zum Artikel:
    Ich schliesse mich den Stimmen an, die ihn als eher tendenziös bezeichnet haben. Allerdings ist er nicht so undifferenziert oder gar polemisch wie der Artikel im \“News\“. Was mir aber gar nicht gefällt: Dass 1. alle frommen Christen in den gleichen Topf geworfen werden (sozusagen kopflose Fundamentalisten) und 2. (unabhängig davon) gläubige Christen an der PH sozusagen als \“Problem\“ angesehen werden, und man das Positive, welches von Christen in der Welt, und vermutlich auch in der Welt der PH und der Schulen, ausgeht, nicht sieht (ausser die kurze – etwas gönnerhafte – Bemerkung ganz am Schluss des Artikels).

    Ich bin Leiter eines christlichen Hochschulvereins (Bibelgruppe für Studierende), zähle mich selbst zu den gläubigen, frommen Christen, aber sehe mich nicht als Fundamentalist, habe viele Fragen, und mir ist es sehr wichtig, dass man auch als gläubiger Christ kritisch und selbständig denken kann, und Wissenschaft und Glaube nicht gegeneinander auszuspielen (hier gibt es m.E. fruchtbare Ansätze). Zudem verkehren in unserer Gruppe gläubige Christen und Christinnen mit den verschiedensten landeskirchlichen und freikirchlichen Hintergründen, auch diese Spannung wollen wir aushalten und voneinander lernen. In diesem Sinne: Herzliche Einladung in die Bibelgruppe für Studierende!

    Übrigens: Zum Thema \“Evolution – Schöpfung\“ haben wir am 12. Mai eine Veranstaltung an der ETH: \“100% Wissenschaftler und 100% Christ.
    Wie ich mit Bibel und Evolutionstheorie lebe.\“ Mit Dr. Hansjürg Glur, Physiker. 12. Mai, 19:30 Uhr, ETH Zentrum, Hörsaal HG E1.1. Das noch ein kleiner Werbeblock…

  21. Betreffend Evolution/Kreation:
    Für mich bräuchte es sehr viel mehr Glauben, anzunehmen, dass der Anbeginn des Universums durch einen Big Bang aus dem Nichts und Wieder-Nichts geschah. Denn nichts ist nichts und bleibt nichts. Somit ist es nichts anderes als reiner Glaube, dass Nichts einen Anfang markieren kann. Der Glaube an einen Schöpfer scheint mir intellektuell sehr viel nachvollziehbarer, logischer und redlicher. Schlimm wird es dann, wenn die Evolutionsanhänger fundamentalistisch ihren Glauben an die Entstehung aus dem Nichts Menschen aufzwängen, die dies einfach nicht nachvollziehbar finden. Atheisten machen dann immer den Einwand, wer denn Gott erschaffen habe. Doch das Unendliche ist im Gegensatz zum Endlichen nicht greifbar und braucht insofern keine Begründung.
    ABER, bei der danach stattfindenden Entstehung der Arten finde ich die Evolutionslehre durchaus einleuchtend. Somit glaube ich an beides – und bin übrigens auch Freikirchen-Mitglied!
    Was Homosexuelle betrifft: Christen sind NIE gegen Menschen, lediglich gegen das, was Menschen halt mitunter tun. Die homosexuelle Neigung bleibt bis heute unerklärt und kann somit per se gar nicht beurteilt werden. Ob angeboren oder erworben – wir wissen es nicht. Aber was wir bei Menschen beurteilen können, ist ihr leben. Und da muss ich sagen, müsste ein auch nur halbwegs kritischer Mensch sich schon fragen, ob es normal ist, dass man in der Schwulenszene scheinbar häufig immer und überall und mit jedem Sex hat – sei es im öffentlichen WC, öffentlichen Park, Darkroom etc. Natürlich trifft dies nicht für alle zu, aber diese Getriebenheit scheint mir sexuelle Abhängigkeit und letztlich Versklavung zu sein und wirft für mich durchaus grosse Fragezeichen auf.
    Und noch zum Thema Freikirchen: Diese gibt es aus einem Grund, nämlich weil Leute den christlichen Glauben leben möchten, jedoch von den Landeskirchen nicht angesprochen sind. Doch der Ausprägungen bei den Freikirchen sind viele. Von konservativ bis progressiv ist alles da. Die Menschen machen es aus. Fundamentalistisch sind die wenigsten. Vernünftig, verantwortungsvoll und ein Sinn-volles Leben führend die Mehrheit der Freikirchen-Mitglieder. Aber die säkularisierten Menschen scheinen es einfacher zu finden, sich gar nicht erst seriös mit Freikirchen auseinanderzusetzen und stattdessen einfach von Sekten und Fundamentalisten zu sprechen, besonders in diesem unsäglich katastrophalen NEWS-Beitrag. Dieser hatte so ein \“Alle Deutschen sind Nazis\“-Niveau. Traurig… Macht\’s gut!

  22. Im Gegensatz zu NEWS ist obiger Artikel geradezu wohltuend differenziert. Aber auch er führt den suggestiven Titel einer Entwicklung, die in Tat und Wahrheit nicht stattfindet.
    Wie wohl richtig festgestellt, ist in christlichen Kreisen der Anteil an Sozialberuflern (Pflege und Bildung) überdurchschnittlich hoch. Ob dies an einer missionarischen Berufung liegt, wie M. Gubler zitiert wird? Könnte es nicht auch darin liegen, dass das Materielle in frommen Kreisen einen erheblich tieferen Stellenwert geniesst und deshalb weniger dieser Spezies in den klassischen Karrierenberufen landen?
    Wie auch immer – der Anteil an Frommen bei Lehrern war schon immer hoch und das hat sich auch aktuell nicht geändert. Und ein allfälliges \“Problem\“ mit \“übereifrigen Missionaren\“ ist deshalb heute genauso latent wie gestern. \“Wird die Bibel zum Klassenzimmer?\“ suggeriert hingegen, dass eine neue oder zumindest wachsende Gefahr im Anzug ist. Dabei müsste man doch ehrlicherweise die umgekehrte Frage stellen, ob die Bibel mehr und mehr aus dem Schulzimmer verbannt wird? Letzteres lässt sich m.E. viel eher stützen. Ich glaube kaum, dass heute ein Lehrer mit seinen Kindern zum Tagesanfang noch beten darf, was vor 30 Jahren noch an vielen Orten möglich war. Und einer Multikulti-Klasse die Weihnachtgeschichte zu erzählen wird je länger je problematischer. Auch die Vorgaben im Religionsunterricht werden immer pluralistischer. Von einer steigenden Gefährdung der Schüler durch überhöhten Bibeleinfluss zu sprechen ist schlicht abstrus. Diesen auszuschalten ist nur dadurch möglich, in dem christlich gesinnten Menschen den Zugang zum Lehrerberuf verboten wird. In diese Kerbe haut zwar nicht ZS, NEWS hingegen schon. Eine lupenreine Trennung der persönlichen religiösen und weltanschaulichen Überzeugung vom Unterricht, wie es sich ZS wünscht, wird es nie zu 100% geben. Aus meiner Sicht wird aktuell einfach aus einer Maus ein Berg fabriziert, der in seinem Höhepunkt mit der Gleichsetzung von Freikirche mit religiösen Extremisten (d.h. u.a. Bombenattentätern) im NEWS vom 30. April gegipfelt hat. Schade!

  23. Statt religiöser Doktrinen sollte an Schulen hilfreiche Themen unterrichtet werden.
    Ich kenne die Fischli-Kreise in und auswendig. Ihre Lehre ist ein lebensfeindlicher Fundamentalismus und es wäre utopisch anzunehmen, dass Lehrer aus freikirchlichem Umfeld nicht jede Gelegenheit am Schopf packen würden, um zu missionieren.
    Der Religionsunterricht gehört in die Hände von Pfarrern, die Theologie studiert haben.

    Seit ich mich aus diesen Kreisen verabschiedet habe, kann ich endlich ohne Depressionen leben. Soviel zu den Auswirkungen des Fischli-Glaubens!!!

  24. Ich finde es gut, dass die Frage der Werte unserer Lehrer wieder einmal aufgegriffen. Wie Hugo Stamm richtig sagt, vermittelt jede Unterrichtende, jeder Unterrichtender seine Wert und seine Weltsnschauung im Klassenzimmer. Mit anderen Worten, der sogennte neutrale Unterricht existiert nicht. Die Schweizer Bildungslandschaft ist seit Jahurhundertent von einem christlichen Werterahmen geprägt. Dieser Rahmen hat massgeblich die Qualität, die Entwicklung und der Erfolg unseres Bildungssystems bestimmt. Ich denke, dass es wichtitg wäre, dass dieser Rahmen mehr an unseren pädgogischen Hochschulen diskutiert wird, anstatt dass von allen Seiten einfach Schlagwörtern benutzt werden. Seine Werte sollte ein Pädgoge vertreten können und die Werte von anderen respektieren. Leider scheint diese Fähgkeit nicht nur in den Medien und der Politik verloren zu gehen, sondern auch bei Pädagogen entwicklelen sich zu Populisten. Das finde ich schade, weil dies die Schälerinnen und Schüler sowie die angehenden Lehrkräfte übernehmen werden.

  25. Frage: Ist die Schweiz wirklich neutral, und können Menschen überhaupt auf der ganzen Linie ihres Lebens neutral sein? Antwort: Nein. Wie kann also dann eine Hochschule mit diversen Menschen unterschiedlichster Herkunft und Überzeugungen neutral sein?

    Wie EX_STUDENT schon betont hat, ist es genauso absurd, allen Menschen den Glauben an eine plötzlich entstehende Entwicklung aus toter Materie aufzuzwingen und dies als \“einzig richtig\“ anzuschauen – wobei es noch keinem Menschen gelungen ist, sich aus Staub ein lebendiges Kind oder ein Haustier zu fertigen… Und die Klon-Eva der Raelianer hat auch noch keiner gesehen, ich halte sie deshalb für ein mit grossem Carramba inszeniertes Gerücht; aber das ist eine andere Geschichte und da kann man nun wirklich von Sekte sprechen.

    Auch im Thema Homosexualität pflichte ich EX_STUDENT bei – auch ich bin nicht gegen die Menschen selbst (habe übrigens 2 liebe Cousins von beiden Elternseiten, die schwul sind), sondern gegen das was sie leben. In der Bibel können wir nachlesen, dass es dieses Phänomen nicht von Anfang an gab (Römerbrief 1:25-27). Denn: wie könnte sich die Menschheit vermehren, wenn es plötzlich nur noch Homosexuelle gäbe? Dann wäre nämlich auch das neue teilweise in der Welt praktizierte Gesetz von Adoption für solche Paare mal zu Ende, wenn das letzte der noch übrigen Kinder erwachsen geworden wäre. Und die Menschheit stürbe bald aus…

    Es geht gar nicht darum, dass \“alle Andersgläubigen in die Hölle kommen\“, nur der jeweilige Freikirchler nicht, was ihn als einen darstellt, der sich über alle erhebt. Aber die Bibel (übrigens das älteste aller Religionsbücher und zugleich die Geschichte der Entstehung von Israel) ganz klar, dass Jesus der einzige Weg zum Vater sei, einen anderen Weg gebe es nicht. Denn Gott hat den Menschen geschaffen, um mit Ihm Beziehung zu leben, nicht um sich selbst zu verwirklichen und zu beweisen, was er alles toll kann. Weil aber der Mensch so einen Drang zu haben scheint, und das schon bei den ersten durchschien, musste Er, wenn Er trotzdem noch mit den Menschen Kontakt haben wollte, einen anderen Plan haben: Jesus. Indem Er den Sohn auf die Erde schickte, um zu zeigen, wie ein freies und suchtloses Leben wirklich funktionieren könnte, und um dann die Zielverfehlungen der Menschen mit dem irdischen Leben Seines Opferlammes* zu bezahlen, machte Er den Weg zu Sich wieder begehbar, in welchen die Menschen freiwillig eine tiefe Kluft gerissen hatten. Denn Er ist heilig, sie nicht.

    *Opferlämmer brauchte es schon im frühen Judentum, um die Sünden der Menschen zu sühnen.

    Ich wünsche jedem, der dies liest, dass er sowas von gesegnet wird in seinem Alltag, und dass er merkt, dass nicht alle Christen gleich sind.

  26. \“Gizelah\“ und \“Roli\“ schreiben hier: es sei \“genauso absurd, allen Menschen den Glauben an eine plötzlich entstehende Entwicklung aus toter Materie aufzuzwingen und dies als \“einzig richtig\“ anzuschauen\“ bzw. \“Schlimm wird es dann, wenn die Evolutionsanhänger fundamentalistisch ihren Glauben an die Entstehung aus dem Nichts Menschen aufzwängen, die dies einfach nicht nachvollziehbar finden..\“

    Die darwinsche Evolutionstheorie erklärt das Leben nachdem es begonnen hat. Sie erklärt nicht die Entstehung des Lebens. Das was sie angetreten ist zu erklären, erklärt sie äusserst elegant und befindet sich in Übereinstimmung mit einer Unmenge an empirischen Erkenntnissen aus den verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen. Die Evolutionstheorie einfach abzulehnen ist intellektuell ignorant und jemand der das tut ist als Naturwissenschaftslehrer ungeeignet. Die Evolutionstheorie lässt sich aber wie jede andere wissenschaftliche Theorie auch falsifizieren, wenn man Daten bringt, die der Theorie fundamental widersprechen.

    Was die Entstehung des Lebens (wie wird aus Nicht-Information Information?) angeht so kann es sein, dass es noch keine zufriedenstellende wissenschaftliche Theorie dafür gibt. Genauso wie man vor über 150 Jahren noch nicht die Entwicklung des Lebens zufriedenstellend erklären und verstehen konnte.
    Wenn man aber etwas nicht erklären kann, dann kann man aber auch momentan einfach sagen: \“Wir können das noch nicht erklären.\“ Ich verstehe nicht was daran so schwer ist?
    Man muss sich nicht gleich auf ein übernatürliches Wesen berufen nur weil man irgendetwas nicht versteht. Das ist eine völlig unwissenschaftliche Herangehensweise und wie kann jemand der fundamentale wissenschaftliche Prinzipien nicht versteht dann natur_wissenschaftliche_ Erkenntnisse im Unterricht vermitteln?

    Wenn man etwas nicht versteht und sich dann – anstatt zu versuchen das was man nicht versteht, verstehen zu lernen (forschen) – auf ein unerklärtes oder sogar unerklärbares übernatürliches Wesen als Erklärung für das Unverständliche beruft, hat man NULL Erkenntnisgewinn.

    Roli schreibt:
    \“Atheisten machen dann immer den Einwand, wer denn Gott erschaffen habe. Doch das Unendliche ist im Gegensatz zum Endlichen nicht greifbar und braucht insofern keine Begründung.\“
    Wenn du so argumentierst, sollte dich ja bereits die Idee zufrieden stellen können, dass das Universum ewig ist. Das widerspricht zwar wissenschaftlichen gesammelten Daten (empirischer Erkenntnis), aber braucht dann keinen Schöpfergott als Erklärung. Das ist genauso plausibel wie ein Schöpfergott, der keiner Erklärung bedarf.

    Roli schreibt:
    \“Für mich bräuchte es sehr viel mehr Glauben, anzunehmen, dass der Anbeginn des Universums durch einen Big Bang aus dem Nichts und Wieder-Nichts geschah.\“

    Noch einmal: Bei Wissenschaft geht es darum Erklärungen zu finden. Gute Erklärungen sind konsistent mit empirischer Erkenntnis (abstrakt: Daten). Die Big-Bang-Theorie ist die bisher beste vorgeschlagene Theorie gemessen an der Übereinstimmung von Theorie und Daten.

    Vielleicht noch eine paar Worte zum Begriff \“Theorie\“ mit dem – wie mit vielen anderen wissenschaftlichen Konzepten – religiöse Menschen vielfach grosse Mühe haben (sie stregen sich aber offenbar auch nicht gerade an Wissenschaft zu verstehen). Eine \“Theorie\“ im wissenschaftlichen Sinn ist keine unüberlegte Vermutung wie man das vielleicht im Alltagsgebrauch verwendet (\“Ich hab da eine Theorie\“), sondern ein konsistentes, widerspruchsfreies Erklärungsmodell, das seine Gültigkeit an empirischer Erkenntnis bewiesen hat. Es ist somit robustes, gesichertes Wissen. Das ist das beste was man bekommen kann. Es gibt kein absolut sicheres Wissen. Das ist erkenntnistheoretisch nicht haltbar. Der Versuch der Letzbegründung führt ins Münchhausen-Trilemma.

    Auch die newtonschen Gesetze der Bewegung aus der Mechanik sind Theorien. Damals war man noch nicht so bescheiden und hat das ganze Gesetz genannt. Genauso wie die Gravitationstheorie oder die Keimtheorie der Krankheitsübertragung (früher dachte man noch die würden durch Miasmen verbreitet). Das sind alles \“nur\“ Theorien. Mit diesen Theorien haben viele religiöse Menschen aber überhaupt keine Probleme, obwohl sie nach den gleichen wissenschaftlichen Prinzipien zustande gekommen sind, wie beispielsweise die Evolutionstheorie.

    Noch eine Bemerkung zur Wissenschaftstheorie:
    Wissenschaft sieht ihre eigenen Aussagen als prinzipiell unsicher und damit auch korrigierbar an (Prinzip des Falsifikationismus, wie von einer anderen Person in den Kommentaren schon einmal erwähnt). Wissenschaft wähnt sich weder im Besitz letzter Wahrheiten noch hat sie den Anspruch solche zu finden wie das etwa Religionen von sich behaupten. Wissenschaft stellt Hypothesen auf die sich in der Praxis (Empirie) als brauchbar erweisen müssen. Sind sie das nicht werden sie verworfen oder angepasst.

    Wer Wissenschaft ablehnt, sollte so konsequent sein und auch auf die Vorzüge wissenschaftlicher Erkenntnis verzichten: kein Auto/Zug/Tram fahren, nicht mit dem Flugzeug fliegen, nicht zum Arzt gehen, nicht das Internet benutzen und auf gar keinen Fall antihaftbeschichtete Pfannen verwenden …

  27. Ach so gefährlich sind diese Christen? Ich bin selbst Christ und froh darüber. Aber wenn da erwachsene Leute nicht in den Sexualkundeunterricht gehen und Druck auf andere ausüben, kommt mir das echt seltsam vor.

    Dass die Schöpfungsgeschichte in den Biologieunterricht kommen soll, kommt mir ebenfalls recht seltsasm vor. Worum es eigentlich gehen sollte, ist einfach nur die Kritikpunkte an der Evolutionstheorie. Denn diese Theorie, so gut sie auch ist, hat nun mal (noch?) irrsinnig große Löcher.

  28. Also, wenn eine Lehrperson mir damals ein bisschen Moral gepredigt hätte, wäre das total okay gewesen. Es sind ja schliesslich Pädagogen und nicht Roboter, die mit Wissen um sich werfen. Ich bin selber Christin und kann total gut mit anderen Menschen reden, und ich bin auch nicht total darauf versessen, dass jetzt jeder Nichtgläubige in der Hölle landet. Mir ist es wichtiger, gute Beziehungen zu führen und für meine Mitmenschen da zu sein.
    Und wegen den Lehrern.. Also bitte. Wie gesagt, etwas Moral und Glaube hat noch niemandem geschadet. Viel schlimmer war es für mich, dass meine Lehrer mich fertig gemacht haben. Und das waren weder Christen, noch Juden. Wollte nur mal gesagt haben, dass jeder Lehrer mal Schei*** baut und nicht besonders pädagogisch ist. Hat nichts mit Religion und Glaube zu tun, skndern mit Charakter.

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