Silberbesteck und Stoffservietten: die edle Variante der Mensa. (Bild: Marco Rosasco)

Verbotene Zone

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Warum es ein Edelrestaurant im Uniturm gibt, wo Studierende keinen Zutritt haben.

Um den Stock M der Uni Zürich windet sich ein ausladender Balkon. Er umschliesst das Restaurant Uniturm, einen luxuriösen Gastrotempel für all jene, denen in der Mensa die Schlangen zu lang oder die Menus zu fad sind. Für knapp 40 Franken ist man mittags dabei. An schönen Tagen kann man die Alpen betrachten, während man sich die Fusion-Küche, einen Mix aus Währschaftem und Exotischem, zwischen die Wangen schaufelt.
Acht Mitarbeitende schmeissen den Betrieb. Angeführt werden sie von Gregor Aebersold. Er wurde in die Küche des elterlichen Gasthofs in Arosa hineingeboren, bevor er sich nach gastronomischen Wanderjahren an der Spitze des Uniturms einrichtete. Er bildet
mit Thomas Tschümperlin, Leiter der Rektoratsdienste, ein Duo, das das Projekt Uniturm erfolgreich in die Zukunft führen will.

 

Wo sind die Subventionen?

Kein Märchen ohne Haken: Studierende müssen draussen bleiben. Wer sich nicht als Alumnus oder Hochschulmitarbeiter ausweisen kann, kriegt nicht mal spätnachmittags einen Tee serviert. Da das Restaurant keine Miete zahlt, muss es sich den Vorwurf gefallen lassen, subventioniert zu werden, ohne Studierenden einen Mehrwert zu bieten.
Wie konnte es dazu kommen? Als das Hauptgebäude vor rund 100 Jahren gebaut wurde, war der Turm bloss Fassade, im Innern ein Rohbau. In den 1950er Jahren wurde auf Drängen der schlagenden Verbindungen ein Fechtsaal installiert. Über die Jahrzehnte bot der Turm verschiedenen Büros, einer Bibliothek sowie dem Medizinhistorischen Museum Platz. Ende der Neunziger musste er komplett saniert werden – ein Erdbeben hätte er nicht überlebt. Damals wünschte sich Hans Weder, Rektor der Uni Zürich von 2000 bis 2008, ein Lokal nach dem Vorbild amerikanischer «faculty clubs» − gediegener Lokale, in denen sich hochrangige Gäste der Fakultäten kulinarisch verwöhnen lassen. Neben der Aula sollte die Uni auch ein Restaurant bieten, mit dem man ein wenig angeben konnte.

 

Aufstand der Studierenden

Das Restaurant sollte aber nicht nur Platz für Apéros ausländischer Redner bieten, sondern auch für das ganze Unipersonal offen stehen: «Lehrbeauftragte der Uni Zürich verdienen nicht sonderlich gut. Da soll ihnen ein schöner Rückzugsort gegönnt sein», sagt Tschümperlin. Für Studierende hingegen war der Platz zu knapp. Der Mensabetreiber ZFV erhielt den Auftrag, das Restaurant zu führen. Studentische Vereine liefen Sturm. Wenn der Turm schon umgebaut werde, so solle dabei auch etwas für die Lernenden rausspringen. Die Lösung: Das Restaurant blieb exklusiv, dafür wurden Lernräume, das ASVZ Relax sowie die Räume der Stille eingeweiht.
Somit ist die heutige Form des Uniturms seit rund zehn Jahren ein klassischer Schweizer Kompromiss. Und Hand aufs Herz: Welcher Studi bezahlt schon 40 Franken für ein Mittagessen?

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