Nehmen Professoren an Konferenzen teil, fallen Vorlesungen aus. (Illustration: Louise Østergaard)

Wenn Dozierende schwänzen

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Manche Profs lassen einen Viertel der Vorlesungen aus­fallen. Dürfen die das?

Die Dozierenden dürfen zwei Wochen fehlen, ohne dass sie dafür eine Bewilligung von der Uni brauchen. «Wir lehnen viele Einladungen an Konferenzen oder Vorträge ab», sagt der Privatrechtsprofessor Dominique Jakob. Gewisse Veranstaltungen seien aber für das eigene Forschungsgebiet so wichtig, dass man unmöglich fehlen könne. Ein Vortrag am Europäischen Tag der Stiftungen war für den Stiftungsexperten Jakob ein solcher Termin. Seine Veranstaltung an der Uni Zürich musste er verlegen.
Dass die internationale Vernetzung der Forschung manchmal nicht vereinbar ist mit den seit der Bologna-Reform eng getakteten Stundenplänen, weiss auch die Linguistikprofessorin Angelika Linke. Sie muss dieses Semester ganze vier Seminarsitzungen ausfallen lassen. «In Deutschland finden die meisten Konferenzen im September oder März statt, weil sie entschieden haben, den nach Bologna vereinheitlichten Semesterbeginn nicht zu übernehmen. Darum fängt das Semester erst im Oktober und im April an.» Auf den Austausch mit den deutschen Kolleginnen und Kollegen ist Linke angewiesen.

 

Starre Unterrichtsformen

Für Jusstudentin Vera ist es wichtig, dass die Vorlesungen stattfinden. «Im Bachelor wird in jeder Lektion wahnsinnig viel Stoff behandelt. Das gesamte Personenrecht wird in nur sieben Doppelstunden vermittelt», erklärt sie. Diese Problematik sieht auch Jakob. Darum bietet er den Studierenden Ausweichtermine an, wenn er fehlt. Die Uni empfiehlt, dass die Dozierenden ihre Abwesenheit kompensieren, indem sie die Veranstaltungen zu anderen Zeiten, in Blockseminaren oder durch den Einsatz von Assistierenden durchführen. Doch das ist schwer möglich. Wer am Ausweichtermin nicht am Irchel landen wolle, erlebe die Platzsuche an der Uni als riesigen Aufwand, betonen die beiden Dozierenden. Blockseminare werden von der Uni nur ausserhalb des Curriculums bewilligt, also an Wochenenden und in den Semesterferien. Der Vertretung durch Assistierende sind Grenzen gesetzt. «Übungen können vom Mittelbau durchgeführt werden, die Vorlesungen sollten aber von Dozierenden gehalten werden», meint Jakob.

 

Auch die Studis profitieren

«Ausfallende Sitzungen lassen sich unterschiedlich kompensieren», sagt Angelika Linke. Sie tut dies unter anderem mit ganztägigen Workshops, die ins Seminarprogramm eingebaut werden, oder mit zusätzlichen individuellen Beratungssitzungen für Arbeitsgruppen. Direkt wie indirekt würden Studierende vom auswärtigen Engagement der Professoren profitieren. Sie selbst ist Mitbegründerin des neuen Masterstudiengangs Kulturanalyse. Weil Linke an einer schwedischen Uni als Gastprofessorin in einem kulturanalytischen Doktoratsprogramm tätig ist, sorgt sie für einen Wissenstransfer, von dem Studierende in Zürich entschieden profitieren.

 

Abwesenheitsregelung der Universität Zürich

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