(Bild: Thomas Hawk).

Abklatsch, der überzeugt

von

Album — Schon lange haben unzählige Fans hibbelig auf das neue Strokes-Album gewartet. Das weiss die Band selbst auch: Der Titel des Openers, «The Adults Are Talking», markiert liebenswert die Widersprüche, die die einst auf ein jugendliches Publikum angelegte Gruppe in ihrem zwanzigjährigen Bestehen angesammelt hat. Das detailverliebte Lied ist eines der besten des Albums, mit souveräner Zurückhaltung gesungen und von elegant verzahnten, funkigen Gitarrenläufen dominiert.

Die allmähliche Akzentverschiebung von Siebziger- zu Achtziger-Retro, vorbereitet durch das Soloalbum von Sänger Julian Casablanca, bestimmt auch «The New Abnormal». Deutlich wird das im Lied «Endless Summer», das zwischen stadionfähigem Synthie-Pop-Rock à la Toto und eingängig gegröltem Bierzelt-Refrain schwankt. «Bad Decisions» übernimmt gleich den ganzen Refrain vom New-Wave-Klassiker «Dancing With Myself» von Generation X. Auch Selbstzitate gibt’s: «Why Are Sundays So Depressing» wärmt die Riffs ihres Hits «You Only Live Once» auf und erweitert diese um ein paar Gitarrenspielereien.

Ob solche Ungeniertheit charmant oder ärgerlich ist, sei dahingestellt; wenn aber die stärksten Melodien die fremden sind, sieht das eigene Songwriting daneben blass aus. «Self-less» etwa ist zwar hübsch instrumentiert und vorgetragen, wirkt aber dennoch leblos. Der Spagat zwischen Lässigkeit und Lustlosigkeit glückt eben nicht immer. Lasches Songwriting öffnet die Sicht auf jüngere Tugenden: Schon auf den letzten Alben überzeugten die Strokes, wo sie es denn taten, eher mit Riffs, Grooves und Arrangements als mit Refrains. Die Coda von «At The Door» beispielsweise geht hervorragend auf: Über Casablancas Disco-Engel-Gesang blubbern die kitschigsten Synthesizer der Welt um die Wette, dass es ein Fest ist.

So durchwachsen das Album ist, überwiegen doch die erfreulichen Momente. Insbesondere schliesst es stark; «Not The Same Anymore» und «Ode to the Mets» sind nachdenklicher und reumütiger als gewohnt. Das gibt dem ganzen Album den Eindruck eines Résumés, das hoffentlich nur ein Zwischenfazit ist.

«The New Abnormal» von The Strokes ist am 10. April bei Cult Records erschienen.

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