Amore #1/19

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Die Welt zu Hause Ich greife zum Schalter, lege ihn um und sehe, wie die ganze Kugel leuchtet, in verschiedenen Farben, keine schwappt über, jede bleibt auf ihrem Fleck. Ich lebe im Grün, angrenzend an Rot, Gelb und Orange.

Stundenlang kann ich in die Kugel hineinstieren, sie leicht umdrehen, anhalten, mit dem Finger über den Himalaya streichen, den Mount Everest von oben betrachten. Ich kann die Höhe ablesen, staunen – und wieder abschweifen, mit beiden Augen tief in die bitterkalte sibirische Taiga blicken, oder dem Rund einen Drall geben, in Oklahoma landen und mich über die abstrusen Grenzziehungen der US-Bundesstaaten wundern.

Ich kann die Anden in Windeseile überqueren und mich durch den grössten Regenwald der Welt kämpfen. Ein paar Zentimeter weiter fixiere ich das Amazonasdelta und stelle mir die Unmassen an Wasser vor, die in das weite Blau des Atlantiks strömen. Das Kap der Guten Hoffnung ist nicht mal eine Vierteldrehung entfernt. Ich erspähe die Antarktis am unteren Rand – um den ganzen Südpol zu sehen, müsste ich mich nur bücken.

Nirgendwo sonst kann ich die ganze Welt überblicken und verstehen, warum gewisse Dinge rundlaufen und Menschen nicht um die Ecke denken können. Hier bin ich Bürokrat, hier herrsche und walte und drehe ich. Das ist meine Kugel, mein Planet, ich kenne alles. Mein Globus steht neben meinem Bett und zeigt mir die Welt.

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