Amore #4/19

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Wollige Wärme — Die Tage werden langsam wieder kälter und kürzer. Das ist keine Entwicklung, die ich per se begrüsse. Doch während andere ihre Pumpkin Spice Lattes schlürfen, freue ich mich vor allem auf eins: Ich habe endlich Grund zu stricken. Was sich nach einer Aktivität für Altersheimbewohner*innen anhört, hat in Tat und Wahrheit einen hohen Suchtfaktor.

«Inestäche, umeschlah, durezieh und abelah» kennen die meisten Schweizer Schulkinder. Zugegeben, ich mochte die Arbeit mit Garn und Nadeln in der Schule nicht. Vor einigen Jahren aber habe ich entdeckt, wie meditativ es sein kann, zu sehen, wie ein Muster langsam entsteht. Eigentlich kann ich ja gar nicht stricken. Deswegen stricke ich Variationen desselben Pullovers mit verschiedenen Mustern und Farben. Ich bin auch unglaublich langsam. Immer wieder muss ich die ersten paar Reihen neu anschlagen, weil sich Fehler eingeschlichen haben. Wen kümmert’s? Nicht mich, ich habe alle Zeit der Welt.

Ausserdem hat Stricken erfreuliche Nebenwirkungen: Es soll beispielsweise die Zusammenarbeit der linken und rechten Hirnhälften fördern. Sobald der Pulli eine gewisse Grösse annimmt, wärmt er zudem meine Beine während des Strickens. Das Abketten und Verstäten mag mich in den Wahnsinn treiben. Doch ich liebe nichts mehr, als das Endresultat zu betrachten und mich zu wundern, wie ich es geschafft habe, so etwas Schönes zu produzieren. Noch besser, wenn der Maschenstich an den Unterarmen auch hält.

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