Auf dem Klo

in Aus der Forschung/Dossier von

Ethnologin beschäftigt sich mit Ausscheidungen.

Mareile Flitsch befasst sich beruflich mit Scheisse. Was ecklig klingt, ist in Wahrheit weit weniger aufregend: Ihr geht es nicht um die Beschaffenheit menschlicher Fäkalien, sondern um unseren Umgang damit.

«Toilet Innovations» lautet der Titel ihres Forschungsprojektes, das sie während eines kleinen Workshops in Zürich im August 2015 ins Leben gerufen hat. Vier Jahre später beschäftigt sich die Technikethnologin und Dozentin an der Uni Zürich noch immer mit der Thematik. Ziel ihres Projektes ist es, ein Forschungsumfeld zu schaffen, das sich weg von der Igitt-Schiene hin zu einer sachlichen Herangehensweise bewegt. Die Differenzierung zwischen fäkophilen und fäkophoben Gesellschaften ist hierbei in der Forschung fundamental. Während die westlichen Gesellschaften Respekt und Ekel vor Ausscheidungen entwickelt haben, ist die Verwertung des eigenen Unrats beispielsweise für die Menschen in China weniger eine Belastung. Jede Kultur produziert den ganzen Tag über Naturdünger. Der massgebliche Unterschied zwischen den unterschiedlichen Kulturen zeigt sich in der  Infrastruktur – ob sie vorhanden ist, oder eben nicht – sowie im Prozess der Beseitigung und Verwertung.

Die Forschungsgruppe beleuchtet einen massgeblichen Teil unseres Alltags, unseres Wohlergehens und unserer Gesundheit. Wir verbringen mehr als ein halbes Jahr unserer Lebenszeit auf der Toilette. Wo Herr und Frau Schweizer die Klobrille mit vorgeschnittenen Papierstreifenbedecken, wundern sich andere über den Sinn einer Spülung, geschweige denn eines Abwassersystems. Wie kommen solche Unterschiede zustande? Das herauszufinden, hat sich Flitsch zur Aufgabe gemacht.

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