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    Namensgeber des neuen Quartiers in Zürich: das Kanzleiareal. (Bild: gato-gato-gato, via flickr.com)

Braucht eine Stadt Gentrifizierung?

in Campus von

Zürich hat ein neues Quartier: «Tribeka». Dieses ist so erfolgreich, dass es bereits zum Aufwertungsfaktor geworden ist.

Tribeca, das ist ein Quartier in New York, oder? Eben nicht nur: Nun heisst auch eine neu benannte Gegend in den Zürcher Kreisen drei und vier so. Weltweit gibt es sogar zwanzig verschiedene Tribecas. In New York steht das Kürzel für «TRIangle BEfore CAnal Street», in «Zürich’s [sic!] neustem Quartier» – wie es auf der Homepage von Tribeka heisst – für «TRIangel BEIm KAnzleiareal».

Ein Quartier im Zusammenspiel – nach aussen und innen

Das Zürcher «Tribeka» ist ein Verein, welcher Ende 2016 gegründet wurde. Mitglieder sind über 80 Geschäfte und Lokale, die Einkaufen, Essen und Trinken sowie Übernachtungen und kulturelle Anlässe anbieten – laut Vereinsleitung alles kreative, innovative und nachhaltige Unternehmen. «Wir wollen die Menschen an einen Ort führen, wo sie wieder Dinge entdecken können», erklärt Regina Gregory, Mitglied des Vereinsgremiums und Mitbetreiberin des Ladens «Fabrikat», der Werkzeug und Papeteriebedarf verkauft. Fabrikat, das ist auch der Ort, wo die Idee für «Tribeka» entstanden sei: Wenn es Touristen in den Laden direkt an der Bushaltestelle Kanonengasse verschlagen hatte, empfohlen Mitarbeiter von Fabrikat den ausländischen Gästen noch weitere Geschäfte in der Gegend und zeichneten diese spontan auf eine kleine Karte ein. «Schon einen Monat nach Eröffnung von ‹Fabrikat› beschlossen wir, eine vorgedruckte Karte mit neun anderen Läden zu finanzieren», erzählt Donovan Gregory, ein weiteres Mitglied des neunköpfigen Vorstands von «Tribeka». Aus dieser kleinen Initative entstand dann über die Jahre das Kollektiv «Tribeka».

Neben der Aussenwirkung mit Marketing-Vorteilen von Tribeka ist für die Gremiumsmitglieder auch die Zusammenarbeit innerhalb des Vereins wichtig. «Tribeka sollte auf keinen Fall etwas Aufgesetztes sein, sondern es geht darum, dass sich die Nachbarschaft wieder kennenlernt», erklärt Regina Gregory. So setzen sich alle Mitglieder von «Tribeka»regelmässig zusammen, weisen einander auf Missstände im Quartier hin, tauschen sich über Marketing und Technologien aus und geben sich gegenseitig Tipps.

Die Marke «Tribeca»

Was alle Tribecas auf der ganzen Welt verbindet, sind ihre ähnlichen Geschichten des Wandels. In New York wurde aus einem Industrieviertel ein Künstlerquartier, hier in Zürich hat «Tribeka» – durch dessen Mitte sich die Langstrasse zieht – eine Vergangenheit als Rotlicht- und Drogenbezirk. Heute soll das Quartier laut Website ein «lebensfroher Gegenentwurf zur gentrifizierten Anonymität» sein. Das Problem sei, dass Gegenden wie die Bahnhofstrasse oder das Niederdorf weitaus sichtbarere Shoppingdestinationen in der Stadt seien: «Für mich sind diese Meilen, an welchen nur noch grosse Konzerne bestehen können und welche sich anderen Städten angleichen, kulturell verslumt», meint Gregory Donovan.

In der Verdrängung von Wohnraum durch seine Geschäfte sieht Tribeka kein Problem. «Grundsätzlich ist jede Stadt, in der keine Gentrifizierung stattfindet, eine sterbende Stadt», sagt Gregroy Donovan. Deshalb sei dieser Begriff für ihn nicht nur negativ besetzt: «Jede Stadt, welche wir heute kennen und gerne besuchen, ist das Produkt einer jahrhundertelangen Gentrifizierung.» Wenn das Langstrassequartier attraktiver werde, sei es normal, dass die Preise hochgehen. Regina Gregory ergänzt: Das eigentliche Problem sei das fehlende Engagement der Stadt, um für günstigen Wohnraum zu sorgen. Donovan Gregory führt aus: «Eine Stadregierung wäre dafür verantwortlich, dass die verschiedenn Gesellschaftsschichten durchmischt werden und identitätsstiftende Bausubstanz sowie Unternehmen trotz Gentrifizierung erhalten bleiben.»

Ferien in Tribeka

Das Zielpublikum des Vereins sind vor allem Touristen. So stellt sich der Vereinsvorstand vor, dass ein Hotelgast etwa im «25 Hours» eine Tribeka-Broschüre findet und dann seinen Tag im Quartier verbringt: Er trinkt einen Kaffee im «Si o No», kauft im «Söder» und «Analph» Mitbringsel für die Familie, isst in der «Bank» und geht zum Abschluss des Tages auf einen Drink ins «Plaza». Der Name «Tribeka» sei daher nicht einfach eine Kopie, sondern er solle bei ausländischen Gästen in Zürich bereits Assoziationen hervorrufen: mit einem hippen Viertel mit kleinen, unabhängigen Läden und künstlerischem Handwerk.

Wegen des «Kafi für dich», Mitglied bei  «Tribeka», mussten Familien aus ihren Wohnungen in der Stauffacherstrasse ausziehen. Diese Story gibt es hier:

«Kafi für dich», aber nicht für die Nachbarschaft

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