Illustration: Isabelle Schwab.

Clusterfuck #5/19

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Lädelileben Manor muss an der Bahnhofsstrasse raus. Es sei nicht die Aufgabe von Swiss Life, ein Warenhaus mit Versichertengeldern zu subventionieren, indem auf marktübliche Mieten verzichtet werde. Es geht dem Versicherungskonzern um das Wohl der Versicherten.

Würden andere Versicherungen auch so selbstlos handeln und Gutes tun wollen, geschähe bald Folgendes: Jelmoli, Globus, die Detailhandelsgeschäfte von Migros und Coop – sie würden zugunsten von optimierten, marktüblichen Mieten aufgegeben. Auch Hotels gäbe es nur noch in Vororten. Das Baur sans Vue und das Baur en Banlieue wären bekannt für ihre ruhige Lage. Die SBB sähe gewinnbringendes Büro-Potential im Hauptbahnhof und auf den Gleisen. Die Europaallee würde sich weit nach Westen hindurchgentrifizieren. Auch die Stadt würde mitziehen und das Bellevue verkaufen, damit auf dem Rondell zehn Etagen Büros gebaut würden. Ja, alles zum Wohle der Versicherten.

Bald wäre die Bahnhofstrasse auch wieder befahrbar, denn die Mogule und Millionärinnen, die noch in den Boutiquen einkauften, würden in Bugattis und Bentleys vorgefahren werden wollen. Für den Mittelstand käme es sowieso nicht mehr in Frage, auch nur einen Fuss in das Quartier zu setzen.

Helfen täte das der Gesellschaft in der Tat: Die kleinen Läden ausserhalb des Zentrums, die bisher schliessen mussten, würden einen Aufschwung erleben. Das Lädelisterben hätte ein jähes Ende, der Chäsladen um die Ecke wäre wieder die bevorzugte Delikatessenabteilung, die Schneiderei der neue Zara. Das Leben hätte wieder Qualität.

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