Illustration: Isabelle Schwab.

Clusterfuck #6/19

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Konsumrausch — Hysterische Massen und Shopping-Verletzungen zeichnen den amerikanischen Konsum-Feiertag Black Friday aus. Für Nicht-US-Amerikaner*innen blieb dies lange nicht mehr als ein belustigendes Internet-Phänomen. So etwas würde hier nie passieren, dachten wir uns. Was aber, wenn wir uns geirrt haben?

2015 fand einer der ersten Black-Friday-Ausverkäufe im Manor statt. Mittlerweile verkauft sogar die SBB das Halbtax an diesem einen Tag im Jahr zum halben Preis. Das könnte der Anfang vom Ende sein: Jahr für Jahr würden mehr Detailhändler ihre Produkte an einem einzelnen Tag zu lächerlichen Preisen verhökern. Immer mehr Unternehmen wären gezwungen, dem Trend zu folgen; denn wer nicht mitmacht, wird von der Konkurrenz überholt. Die sonst gesittete Bahnhofstrasse wäre am vierten Freitag im November überschwemmt mit Menschenmassen auf der Suche nach den besten Sonderangeboten.

Grell blinkende Schilder wären an jedem Schaufenster angebracht, um die Einkaufenden wie Tiere mit ihren Angeboten zu locken. Goldküsten-bewohner*innen würden neben Schnäppchen-jäger*innen aus der Agglo vor dem Globus warten. Sobald sich die Türen öffnen, würden sie losstürmen. Mit Fondue-Gabeln bewaffnet würden sie sich ihren Weg durch die Menge bahnen, mit ihren Jute-Beuteln und Louis-Vuitton-Taschen um sich schlagen und Konkurrent*innen mit Glühwein vom benachbarten Markt übergiessen. Alles, um das beste Schnäppchen zu ergattern. Vor dem Ausbruch des US-amerikanischen Konsumwahns sind auch die zurückhaltenden Schweizer*innen nicht mehr sicher.

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