Die Unigruppe freut sich darauf, ihr Projekt in Boston zu präsentieren (Bild: Dennis Dam).

Dem Virus verfallen

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Erstmals qualifiziert sich ein Team der Uni für den Biologie-Wettbewerb iGEM in Boston.

Ende Oktober wird eine Gruppe Zürcher Studierender den Atlantik überqueren, um am iGEM-Wettbewerb teilzunehmen und ihr Projekt im Feld der synthetischen Biologie vorzustellen. Zum ersten Mal hat neben der ETH auch die Universität Zürich ein Team im jährlichen Wettbewerb, in dem Projekte aus aller Welt präsentiert werden. Es nehmen 377 internationale Teams teil. Die Vierer-Truppe Bachelor-Studierender der Biologie und Biomedizin ist eines davon und vertritt die Uni Zürich: Alexander Schanne, Lynn Hasenöhrl, Alexandra Marti und Roy Hove. Gruppenleiter Schanne wollte unbedingt am iGEM teilnehmen und hat deshalb kurzerhand eine eigene Gruppe zusammengestellt.

Teilnahme erfordert viel Zeit

Die Aufgabe des Wettbewerbs besteht darin, ein Problem zu finden, das gesellschaftsrelevant ist, und dies mit Verfahren aus der synthetischen Biologie anzugehen. iGEM steht dabei für «international Genetically Engineered Machine». Die Gruppe wird anhand ihrer Präsentation, ihrer Website und der Anzahl erfüllter Kriterien bewertet.

Aber um einen Preis zu gewinnen, müssten sie sich das Frühlingssemester freinehmen, so das Team. Ohnehin bedeutet eine Teilnahme viel Aufwand. «Ich sage immer: Ich bin bei iGEM und studiere nebenbei», sagt Schanne halb im Scherz.

Präsentation in Boston

Die Faszination für Zellkerne und Bakteriophagen motivierte die Studierenden, am Wettbewerb teilzunehmen. Bakteriophagen bezeichnen verschiedene Gruppen von Viren, die Bakterien einnehmen, um sich zu replizieren. Somit erzeugen die Viren eine Proteinkapsel, die einem normalen Zellkern ähnelt. In dieser Kapsel können dann Proteinketten generiert werden, normalerweise die DNA des Virus. In der Forschung können diese zur Bildung anderer nützlicher Substanzen verwendet werden, zum Beispiel Insulin. Das Ziel des Uni-Teams ist es, die Proteinkapsel ohne Infizierung durch Bakteriophagen in die Zelle zu integrieren. So kann der Prozess günstiger und effizienter verlaufen.

Dieses Projekt wird das Team im Oktober in Boston und am 18. November am Irchel präsentieren. Auf die Frage, worauf sie sich am meisten freuen, muss Hasenöhrl keinen Moment nachdenken: «Die Projekte der anderen Teams anzuschauen.»

Synthetische Biologie fördern

Das Team ist sich einig: Es hat so lang gedauert, bis auch ein Uni-iGEM-Team entstanden ist, weil das Fach der synthetischen Biologie nicht gefördert werde. Es werde nur in zwei Lektionen in einer Vorlesungsreihe thematisiert, und die Konkurrenz werde nur einmal kurz erwähnt. Aber das wollen die vier ändern.

Die Teammitglieder hoffen nächstes Jahr auf ein grösseres und vielfältigeres Team. «Wir haben den administrativen Aufwand unterschätzt», muss Schanne zugeben. Die anderen iGEM-Teams bestehen aus zehn oder zwanzig, manche sogar aus bis zu dreissig Teilnehmenden. Vor allem die Sponsorensuche und das allgemeine Management des Teams sei zeitaufwändiger als gedacht gewesen.

Allgemein hofft das Team, das Interesse an synthetischer Biologie zu fördern, auch durch den neugegründeten Verein «Synbio UZH». So bemühen sie sich, das Fach bekannter zu machen, einen Austausch zwischen interessierten Leuten zu ermöglichen und natürlich auch das Team für die nächsten Jahre zu unterstützen und zusammenzustellen.

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