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Den Alltag studieren

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Im Studium der Populären Kulturen beschäftigt man sich mit dem, was wir oft übersehen.

Ein Blick ins Vorlesungsverzeichnis verrät: Wer Populäre Kulturen studiert, den erwarten Seminare zu verheissungsvollen Themen wie Exzess, Piratenfiguren in der Literatur oder Monster in Kinderfilmen. Aber worum geht es in dem Studienfach eigentlich?

Alltägliches erforschen

Die Populären Kulturen sind ein kleiner Studiengang: Pro Jahr beginnen nur rund 40 Studierende ein Hauptfachstudium. Die andere Hälfte der Studierenden belegt es im Nebenfach. Wer Populäre Kulturen im Hauptfach studiert, schliesst das sozialwissenschaftliche Fach mit einem Bachelor of Arts ab. Diesen Titel hat Nuria bereits in der Tasche: Sie studiert das Fach nun schon im 3. Semester des Masters. Im Nebenfach hat sie Filmwissenschaften belegt – eine verbreitete und sinnvolle Kombination, denn Filmanalyse ist auch im Fach Populäre Kulturen ein wichtiges Thema.

Das Fach der Populären Kulturen hat viele Namen: Andernorts ist es als Kulturanthropologie, Volkskunde oder, wie in Wien, wo Nuria gerade ein Austauschsemester verbracht hat, als Europäische Ethnologie bekannt. Überall geht es aber um dasselbe, nämlich die Erforschung der gegenwärtigen westlichen Alltagskultur. Oder wie Nuria sagt: «Das, was wir täglich konsumieren, erleben, kaufen. Also nicht nur um Hochkultur wie die Oper oder Shakespeare.»

Von Harry Potter bis Handygebrauch

An der Universität Zürich ist das Fach in die beiden Teilbereiche Alltagskulturen sowie Populäre Literaturen und Medien unterteilt. «In den Alltagskulturen erforscht man die Dinge, die wir im Alltag als selbstverständlich ansehen, Dinge, über die wir sonst nicht viel nachdenken», erklärt Nuria. «Das kann zum Beispiel sein, wie wir uns mit dem Velo in der Stadt bewegen, wie wir mit dem Handy umgehen, wie wir Geburtstage feiern – Dinge, die in anderen Forschungsbereichen ignoriert werden.» Die Populären Literaturen und Medien dagegen – in den USA auch bekannt als Pop Culture Studies – beschäftigen sich mit gegenwärtiger Literatur, Musik, Filmen und TV-Shows. Da kann es zum Beispiel um Harry Potter, Mangas oder Comics und den Umgang mit diesen  gehen. Aus beiden Teilbereichen können Studierende diejenigen Seminare belegen, die sie besonders interessieren.

Offen bleiben

Diese thematische Vielseitigkeit ist ein Grund, warum Nuria ihr Studium so gefällt. Aber um diese Vielseitigkeit schätzen zu können, ist es wichtig, offen zu bleiben. Manchmal verstehen Studierende nicht, warum man etwas untersucht, weil sie es für unwichtig halten. «Dabei ist das bei uns gerade der Punkt: offensichtliche Sachen, die man jeden Tag tut oder benutzt, nicht einfach als unwichtig abzutun», erklärt Nuria. An ihrem Studienfach schätzt sie ebenfalls, dass es durch seine geringe Grösse nicht so anonym ist wie andere Fächer. Es herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre, man kennt sich. Was sie nach dem Studium beruflich machen möchte, weiss Nuria noch nicht genau. Theoretisch stehen ihr viele Felder offen: Verlage, Bibliotheken, die Medien oder auch das Kulturdepartement des Bundes sind laut dem Institut für Populäre Kulturen mögliche Arbeitsbereiche. Für Nuria heisst es nach dem Masterabschluss erst mal ausprobieren, denn: «Wohin der Weg einen führt, ist oft Zufall – auch wenn man dem Zufall ab und zu auf die Sprünge helfen kann.» ◊

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