Die unabhängige Zeitung für Uni und ETH

Der Dekan und die Reform

in Campus von

Die Philosophische Fakultät hat einen neuen Dekan. Klaus Jonas ist motiviert, die Bolognareform weiter voranzutreiben.

Seit dem 1. August ist Prof. Dr. Klaus Jonas neuer Dekan der Philosophischen Fakultät. Aus seinem vorherigen Amt als Leiter des Psychologischen Instituts bringt er praktische Erfahrungen mit, die ihm zusammen mit seinem theoretischen Wissen als Professor für Sozial- und Wirtschaftspsychologie zugute kommen. In der Forschung hat er sich unter anderem mit Führung in wissenschaftlichen Teams beschäftigt. Gemäss seinen eigenen Erhebungen bewähren sich vor allem Führungskräfte, die eine Vision haben. Die Vision des neuen Dekans ist, das vielfältige und leistungsfähige Fächerangebot zu pflegen, das die Philosophische Fakultät auszeichnet. Denn diese Fächer haben weiterhin einen hohen Stellenwert: «Wir wahren Kultur, wir interpretieren, wir deuten politische und gesellschaftliche Vorgänge, und das ist, glaube ich, eine einzigartige Leistung, die von anderen Fächern und Fakultäten nicht so geleistet wird.» Die Umsetzung dieser Vision lässt wenig Zeit für Forschung und Lehrveranstaltungen, denen Jonas immer noch nachgehen wird, wenn auch in geringerem Mass, wie er bedauert.

Bologna 2020

Zusammen mit dem Studiendekan, Daniel Müller Nielaba, erklärt Jonas das Voranschreiten der Bologna-Reform an der Philosophischen Fakultät zu seinem Ziel. Momentan befindet sich das Projekt in der Phase der Ausarbeitung und der Verabschiedung der neuen Rahmenverordnung. Gleichzeitig wird an der Entwicklung der Curricula gearbeitet. So sollen in Zukunft vorznehmlich Module zu 9 und 6 ECTS angeboten werden. Ausserdem wird es für die Bachelorarbeit 15 ECTS geben, wofür sich der Ständevertreter in einer Arbeitsgruppe eingesetzt hat. Studierende sollen einen hochwertigen Abschluss auf Bachelorstufe besitzen, der nicht nur als Ticket zum Einstieg in die Berufswelt dient, sondern auch im internationalen Rahmen die Bewerbung für einen Master erleichtern wird.

Auf Masterstufe werden künftig auch 15-ECTS-Module angeboten, die den Studierenden die Möglichkeit geben, sich intensiver mit einem Thema zu beschäftigen. Müller Nielaba ist sich der damit verbundenen Herausforderungen für Studierende durchaus bewusst. Diesen Preis sei man aber für ein hochwertiges Studium zu zahlen bereit. Ziel dieser Massnahmen ist laut Müller Nielaba «ein breiter Bachelor und ein Master mit einer Option auf Spezialisierung, nicht aber mit Zwang zur Spezialisierung.»

Für Studierende ergäben sich noch weitere Vorteile aus der Bologna-Reform, so Dekan Jonas’ Ausführungen. Zum einen soll durch die Anpassung an das Major-/Minor-System die internationale Mobilität einfacher werden. Zum anderen soll der Wechsel zwischen Haupt- und Nebenfach sowie zwischen Bachelor und Master erleichtert werden. Es wird auch neue Masterprogramme geben, wie beispielsweise einen Master in sozialwissenschaftlicher Methodik, einen Master in Bildungspädagogik, einen Minor im Bereich der Wissensvermittlung sowie einen Monomaster in Linguistik. Obwohl es weniger Bachelor-Programme geben wird, bleibt das Gesamtangebot laut Studiendekan Müller Nielaba gleich. Die Studierenden sollen im Master die Möglichkeit haben, sich ihr Studium «tailor-made» zusammenzustellen.

Zukunft der Philosophischen Fakultät

Auf die Frage hin, wie sie die Philosophische Fakultät in zehn Jahren sehen, meint Jonas: «Die Bologna-Reform wird erfolgreich abgeschlossen sein. Es wird viel mehr Zufriedenheit bei den Studierenden geben. Dann werden wir ausserdem noch ein anderes Projekt hinter uns gebracht haben, und zwar die Überarbeitung der Promotionsverordnung. Und es wird eine Graduiertenschule geben, das heisst, es gibt in Zukunft fakultätsübergreifend eine Einheit, die es früher nicht gab, die sich zentral um alle Promotionen kümmert und Support liefert.» Auch Müller Nielaba zeigt sich optimistisch: «Im internationalen Vergleich der Philosophischen Fakultäten werden wir weiterhin mit Abstand eine der forschungsstärksten sein. Wir werden aber neu auch diejenige mit dem deutlich besten Studienbetrieb sein.» ◊

Zur Person
Klaus Jonas hat 1987 in Psychologie doktoriert und 1995 habilitiert. Seit 1999 ist er ordentlicher Professor. Von 2008 bis 2012 war er ausserdem Vorsteher des Psychologischen Instituts an der Uni Zürich.
Zeitgleich hat Roland Sigel sein Amt als neuer Dekan der MNF angetreten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Talk im Schauspielhaus

Im Schauspielhaus Zürich wird nicht nur Theater gespielt. Im Rahmen der Reihe «Zürcher

Hexenjagd am Irchel

Was tun, wenn ausgerechnet die Tochter des Dorfpfarrers vom Teufel besessen scheint?
Gehe nach Oben