Die unabhängige Zeitung für Uni und ETH

Der erklärende Mann

in Campus von

Mit «Gender-Key. Wie sich Frauen in der Männerwelt durchsetzen» ist am 26. September nach «Die Frau in mir» ein weiterer Frauen-Ratgeber von Christian Seidel erschienen.  Für sein erstes Buch hatte sich der Autor als Frau  verkleidet und meinte, dadurch den Frauen    ihre Probleme erklären zu können. Im neuen Buch ist es noch simpler: Der frühere Medienmanager Seidel betont in der Einleitung, dass er in seinem Leben beruflich sehr viel mit Frauen zu tun gehabt habe. Das reicht ihm bereits als Qualifikation zum selbsternannten Experten.
Zu Beginn des Buches räumt Seidel mit zehn Klischees auf, unter anderem mit dem Gott- und dem Steinzeitklischee: Das Gottklischee thematisiert, dass dank der monotheistischen Religionen gemeinhin die Machtstrukturen akzeptiert würden, die dazu führten, dass Männer über Frauen stünden. Dem widerspricht Seidel. Im Steinzeitklischee geht es um die vermeintlich steinzeitliche Herkunft der herrschenden Geschlechterverhältnisse. Dabei seien die Frauen bereits in der Steinzeit unabhängig und stark gewesen, betont der Autor.
Im Anschluss an die Widerlegung der Klischees entwickelt er eine Strategie für Frauen, wie sie im Alltag auf ebensolche Stereotypen reagieren können. Sein «projektives Selbstcoaching für Frauen», wie er es nennt, besteht aus zwei Übungen: Meditation und «Befreiung durch Loslassen von Geschlechterklischees».
Zum Schluss beruhigt der Autor sein Publikum: Die Auflösung der Geschlechterrollen werde nicht in Haltlosigkeit sondern in Freiheit münden, man werde zum Beispiel weiterhin flirten können. Aussagen wie «eine Frau, die gern eine Frau ist, aber im Job lieber als Mensch behandelt werden will» oder «In meinem Verständnis ist jede Frau eine Mutter» repräsentieren dabei aber eher das Gegenteil von Emanzipation und Gleichberechtigung.
«Gender-Key» ist damit nicht bloss undifferenziert, es ist ein Widerspruch in sich: Der männliche Autor beansprucht für sich, «das Leben der Frauen zum Besseren zu verändern» – zementiert dabei aber die üblichen Gender-Klischees. Der Text denunziert sich selbst als anmassendes und chauvinistisches Mansplaining par excellence.

Christian Seidel: Gender-Key. Wie sich Frauen in der Männerwelt durchsetzen. Ariston.   nchen 2016. 288 Seiten

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Placeholder

Alle Wege sind offen

Die Dienste der «Zentralstelle der Studentenschaft der Universität Zürich» waren tatsächlich zentral. Umso
Gehe nach Oben