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Alles, was das Junkie-Herz begehrt: Der Silk Road Market im Darknet.

Die dunkle Seite des Netzes

in Patriotismus/Thema von

Abseits unserer alltäglichen Webseiten findet man im Darknet einen Marktplatz für Illegales und Kurioses. Was kann man sich da kaufen?

Es ist Sonntag, 23:35, und das grünliche Flackern meines 23-Zoll-Röhrenmonitors strahlt mir ins Gesicht. Ich habe eine Mission: Mich im Darknet umzusehen und zu schauen, was es dort so an Studienrelevantem zu erwerben gibt. Mittlerweile betritt man das Darknet so einfach wie eine Coop-Filiale, um ein Gipfeli zu kaufen. Eine speziell ausgerüstete Variante von Firefox namens Tor-Browser macht es möglich.

Langsam – wie damals in den 90ern – baut sich die erste Seite auf. Das liegt daran, dass jeder Zugriff, statt direkt in den Server geleitet, erst über verschiedene Knotenpunkte auf der ganzen Welt verschlüsselt und übertragen wird. So ist kaum nachweisbar, von wo aus die Verbindung ursprünglich kam. Das hilft nicht nur mir, sondern – viel wichtiger – zum Beispiel iranischen Dissidentinnen oder chinesischen Bloggern, ihre wichtigen politischen Nachrichten im Internet zu verbreiten, ohne sich vor Verfolgung fürchten zu müssen.

Ritalin und gefälschte Pässe

Innerhalb dieses verschlüsselten Netzes gibt es einige Internetseiten, auf die man «von aussen» nicht kommt. Sie sind im Verborgenen und bilden das anonyme Darknet, wo man mit der ebenfalls anonymen Währung Bitcoin zahlt. Im Gegensatz zum Darknet hat Bitcoin es schon in den Alltag geschafft – man kann mittlerweile bis zu 500 Franken an jedem SBB-Automaten umtauschen. Bitcoins sind heutzutage hoch im Kurs: Für 500 Franken bekommt man gerade mal noch 0.71 Bitcoins, Tendenz weiter sinkend.

Angekommen im Darknet mache ich mich auf die Suche nach der berüchtigten Silk Road, dem riesigen Marktplatz im Darknet. Dreimal wurde sie schon vom FBI vom Netz genommen (der notorischste Betreiber der ersten Version, «Dread Pirate Roberts», sitzt jetzt lebenslänglich im Knast). Doch finden sich immer neue Betreibende; und mit etwas Suchen findet man auch die neue Domain der Silk Road. Die Seite selbst sieht aus wie eines dieser Hobby-Foren, auf die man manchmal beim Googeln von Skurilitäten stösst. Gleich zu Anfang kommunizieren die Machenden die Regeln der Silk Road 3.0: keine Waffen, keine Pornos mit Minderjährigen. Aber sonst so ziemlich alles.

Der Klassiker für Studierende: Ritalin. Man kann zwischen ein paar hundert verschiedenen Anbietenden auswählen, um sich das für gewöhnlich verschreibungspflichtige Medikament direkt nach Hause liefern  zu lassen. Und sollte es selbst mit Ritalin nicht klappen, und man vergeigt das Studium, kann man sich für 2’900 Franken beispielsweise einen spanischen Reisepass ausstellen lassen, und die Identität für einen Neuanfang ist gemacht. Auch mittelmässig gut gefälschte 50-Euro-Scheine, mit denen man wohl bei schummrigem   Licht durchkommt, sind leicht zu finden. Preis dafür: 20 Franken.

Absurde Blogs statt Auftragsmord

Das Darknet beherbergt weiter ein Sammelsurium von Foren und Blogs. Nebst harmloseren gibt es auch die libertär-revolutionären Blogs und jene mit wilden Verschwörungstheorien. Ob ich Studierenden empfehlen kann, ins Darknet einzusteigen? Auf jeden Fall lohnt es sich, mal einen Blick reinzuwerfen. Auch weil eine hochinteressante Technologie dahintersteckt. Und für den Fall, dass Präsident Trump die technischen Möglichkeiten der NSA noch weiter ausbauen sollte, müsste man sich vielleicht überlegen, in Zukunft nur noch im Darknet unterwegs zu sein. ◊

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