Die Vorlesungsreihe untersucht, ob die Digitalisierung die Demokratie gefährdet (Illustration: Lovina Koenig).

Die E-Demokratie

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Passen Digitalisierung und Politik zusammen? Eine Ringvorlesung klärt auf.

Wahlkampf findet heute auch online statt. In den letzten Tagen konnte man sich kaum durch eine soziale Plattform klicken, ohne überall auf Werbesprüche verschiedener Parteien zu stossen. Seien es die Jungen Grünliberalen, die mit «Wir sind gut zu Vögeln» werben, oder die SVP, die auf kurze, provokante Videos setzt. Hier setzt die neue Ringvorlesung «Digital Democracy: How Digital Technology Is Changing Democracy» an, die diesen Herbst im Rahmen der Digital Society Initiative stattfindet.

Von sieben Fakultäten getragen

Kernfragen der Vorlesungsreihe sind, ob die Digitalisierung die Demokratie gefährdet und wie die Medienplattformen die politische Meinung ihrer Nutzer*innen beeinflussen, wenn nicht sogar manipulieren können. Dies wird durch eine Reihe von Vorträgen von Dozent*innen aus der ganzen Welt aus verschiedenen Blickwinkeln präsentiert. Veranstalterin der Reihe ist die Digital Society Initiative, kurz DSI. Sie organisiert die Vorlesungsreihe in Zusammenarbeit mit Fabrizio Gilardi, Professor für Policy-Analyse am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich. Die DSI ist eine interdisziplinäre Forschungsinitiative, die laut Gilardi zum Ziel hat, «die Digitalisierung der Gesellschaft, Demokratie, Wissenschaft, Kommunikation und Wirtschaft zu reflektieren und mitzugestalten.» Dementsprechend wird sie auch von allen sieben Fakultäten der Universität Zürich getragen.

Digitalisierung: kein technisches Problem

In Anbetracht der kürzlich vergangenen Wahlen setzt Gilardi seinen Schwerpunkt auch auf soziale Medien. Dies mache die Veranstaltung für Zuhörer*innen attraktiver, die keinen politikwissenschaftlichen Hintergrund haben. Die Thematik der sozialen Medien und ihres Einflusses sei auch deshalb ansprechend, da es sich nicht um ein rein technisches Problem handelt, sagt Gilardi. «Daher ist es für Sozialwissenschaftler*innen auch so spannend, wie Menschen und Politiker*innen heute soziale Medien gebrauchen.»

Auf die Frage, ob die Digitalisierung unserer Politik wirklich schadet, zeigt sich Gilardi aber zuversichtlich: «Im Kontext der Wahlen kann der Eindruck entstehen, dass soziale Medien gefährlich sind. Aber die digitale Demokratie beschränkt sich nicht nur auf Wahlen und Abstimmungen. Es gibt auch andere Aspekte, in denen die konstruktive Kraft der Digitalisierung ersichtlicher ist.» So ermöglicht die Digitalisierung unter anderem einen immer einfacher werdenden Umgang zwischen der Verwaltung und Bürger*innen, da viele Interaktionen mittlerweile online ablaufen. Weiter bieten Plattformen zur Unterschriftensammlung wie WeCollect eine einfachere und kosteneffizientere Option der politischen Partizipation.

Einblick in die Forschung

Gerade deshalb lohnt sich ein Besuch einer Vorlesung für Studierende. Als erste Generation, die mit einer solchen Flut an digitalen Inhalten jeglicher Art konfrontiert wird, ist es wichtig, sich ein klares Bild zu verschaffen. «Ein Einblick in die aktuelle Forschung ist die beste Art, sich mit den Gefahren der Digitalisierung für die Demokratie auseinanderzusetzen», ist Gilardi überzeugt.

 

Korrigendum: In einer früheren Version dieses Artikels stand irrtümlicherweise, dass der Werbeslogan «Wir sind gut zu Vögeln» von den Jungen Grünen stammt. Tatsächlich warben die Jungen Grünliberalen damit. Wir haben die entsprechenden Stellen korrigiert und bitten um Entschuldigung.

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