(Bild: Jonathan Progin).

Die Geistertrams von Zürich

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Plötzlich ist man alleine unterwegs. Ein Lagebericht.

Das Tram ist menschenleer am helllichten Tag. Das Quietschen der Räder ist noch lauter als sonst, und beim Überqueren der Weichen schüttelt es den ganzen Körper durch. Die leeren Trams fahren durch eine Stadt, in der normalerweise Autos, Velos und Fussgänger*innen um ihren Platz kämpfen. Jetzt sieht es so aus, als hätten die Fahrer*innen der Strassenbahnen gewonnen. An jeder Haltestelle öffnen sie die Türen, als würden sie beweisen wollen, dass Zürich ihnen gehört. Vereinzelt steigen Leute zu, aber es sind jeweils so wenige, dass man locker fünf Meter Abstand nehmen kann.

Die Apokalypse hat an einem Freitag, den 13., begonnen. Dann folgte das letzte Wochenende vor der «ausserordentlichen Lage», und am Montag darauf wurde das öffentliche Leben bis auf Weiteres eingefroren. Für die Menschen heisst es jetzt zuhause zu bleiben und auf bessere Zeiten zu warten. Unser aller Alltag spielt sich zwischen Zimmer, Küche und Bad ab. Das einzig Konstante, das momentan übrigbleibt, sind die Vögel, die dem Frühlingsanfang entgegensingen und die Trams, die weiter ihre Kreise durch die Stadt ziehen, die auf ihre Menschen wartet.

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