Wissenschaft und Glauben strikt getrennt: Das Freie Katholische Gymnasium. (Bild: Marco Rosasco)

Die private Matur

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Katholisch, international, anthroposophisch: drei Wege zur Hochschulreife.

Freies Katholisches Gymnasium

Die katholische Kirche sieht sich seit geraumer Zeit immer wieder mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. Dies führt dazu, dass gewisse Exponenten des Katholizismus in Verruf geraten sind und sich zunehmend Vorurteile gegenüber den Gläubigen zu etablieren beginnen.

Ein gutes Beispiel dafür, dass sich Vorurteile nicht immer bewahrheiten müssen, ist das Gymnasium der Freien Katholischen Schulen in Zürich. Wer bei einer katholischen Schule an biedere Schuluniformen, veraltete Rollenbilder und tendenziösen Biologieunterricht denkt, wird am privaten katholischen Gymnasium in Zürich eines Besseren belehrt. Hier wird im Unterricht keine Schöpfungslehre gepredigt, und das hat für Dr. Martin von Ostheim, Rektor des Gymnasiums, seine Richtigkeit: «Wissenschaft und persönliche Glaubensüberzeugung  müssen getrennt werden, denn das eine hat mit dem anderen nur wenig zu tun.» Und so ist auch Herr von Ostheim kein Mann, der dem Klischee des religiösen Rektors gerecht werden könnte.

Obwohl er sagt, dass das katholische Gymnasium eindeutig christliche Werte vertreten und vermitteln möchte, sieht er die Wahrung der Qualität der Lehre als seine Priorität. «Wir stehen hier für einen aufgeschlossenen Katholizismus», so von Ostheim. Deswegen zeichnet sich die Schule auch nicht unbedingt durch ihre religiöse Ausrichtung aus, sondern durch familiäre Atmosphäre und individuellere Betreuung, die den Schülerinnen und Schülern zugutekommt. Gerade mal 113 junge Menschen besuchen die Privatschule. Unterrichtet werden sie von 26 Lehrpersonen. Das Curriculum unterscheidet sich dabei nicht gross von jenem einer öffentlichen Schule. Nicht einmal der Religionsunterricht unterscheidet sich am katholischen Gymnasium von anderen Mittelschulen: Auch hier werden unterschiedliche Glaubensrichtungen und Thematiken behandelt.

Und so sind nämlich auch weder alle Schülerinnen und Schüler noch alle Lehrpersonen katholisch. Die Schule stehe allen offen, die Religion spiele keine Rolle, erklärt der Rektor. Eltern, die der katholischen Kirche angehören, haben jedoch den Vorteil, dass ein Teil des Schulgelds für ihre Kinder übernommen wird, da die katholischen Gemeinden das Gymnasium unterstützen. «Aber auch hier ist uns wichtig, dass alle sich unsere Schule leisten können, weshalb das Schulgeld vom Lohn der Eltern abhängig ist. In Härtefällen bieten wir den Schulplatz auch unentgeltlich an», sagt von Ostheim.

Das Freie Katholische Gymnasium steht für toleranten Umgang mit Religion und zeigt, dass ein weltoffener Katholizismus möglich ist. Bleibt zu hoffen, dass sich andere Vertreter und Vertreterinnen der katholischen Kirche daran ein Beispiel nehmen.

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Lyceum Alpinum Zuoz

Das Lyceum Alpinum Zuoz im Engadin hat einen Ruf von Welt. Eltern aus den unterschiedlichsten Ländern schicken ihre Kinder an die Privatschule, um ihnen eine erstklassige Bildung mit Bergpanorama zu ermöglichen.

Dort oben kann man neben Skifahren vor allem eines: lernen. Denn im Umkreis von einigen Kilometern gibt es im Engadin kaum sonst etwas zu tun. Und das sei wohl auch der Grund, weshalb das Internat in den Schweizer Bergen so beliebt ist, erklärt Christoph Wittmer, der seit Anfang März 2018 die Schule leitet. Gleichzeitig hat das Lyceum aber auch die Reputation, eine Schule für die Bessergestellten  zu sein.  Denn die Bildung auf 1’700 Metern über Meer hat auch ihren Preis: Ein Schuljahr kostet im Internat 80’000 Franken. Dafür fehlt es den Schülerinnen und Schülern in Zuoz an nichts. Es wird für sie gekocht,  das Sportangebot ist gross, und auch bei Heimweh oder anderen Mühen stehen die Jugendlichen nicht alleine da, sondern können sich an eine Betreuungsperson wenden. Das Internat legt nämlich Wert darauf, dass sich die Schülerinnen und Schüler  wohlfühlen und dass die Schule so zu einem zweiten Zuhause für sie wird. Dennoch: Auch hier  werden keine Wunder vollbracht, sondern Maturandinnen und Maturanden herangezogen, was an etlichen öffentlichen  Schulen genauso geschieht.

Christoph Wittmer, Rektor in Zuoz (Bild: Oliver Camenzind)

Was das Lyceum Alpinum Zuoz aber besonders macht, ist nicht nur die abgeschiedene und idyllische Lage, sondern die internationale Durchmischung und die Verbindung von privater und öffentlicher Bildung. Jugendliche aus 35 Nationen und aus dem Tal besuchen das Gymnasium. Für die  Einheimischen  ist die Schule kostenlos. Trotz den vielen Annehmlichkeiten, die den Schülerinnen und Schülern hier geboten werden, beharrt Rektor Wittmer darauf, dass man keine «Posh School» sei, die die Jugendlichen durch die Matur winkt: «Das akademische Niveau ist uns sehr wichtig, denn unsere Maturandinnen und Maturanden besuchen anschliessend namhafte Universitäten auf der ganzen Welt.»

Zuoz ist nun bei Weitem nicht der Nabel der Welt, dennoch schafft es das Lyceum, aus diesem Bergdorf Brücken in die Welt hinaus zu schlagen, die den Maturandinnen und Maturanden den Weg in eine erfolgreiche Zukunft ebnen sollen, egal, wohin es sie anschliessend ziehen mag.

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Atelierschule

Was vom Gymi in Erinnerung bleibt, sind die Klassenlager. Das Schultheater, die Exkursionen, die Schulhausfeste. Die Ausnahmen. Doch was bleibt, wenn die gesamte Schulzeit wie ein einziges Klassenlager war?

Die Atelierschule, das Gymnasium der Rudolf-Steiner-Schule Zürich, mitten im Uniquartier, macht vieles anders. Im Epochenunterricht werden Themenblöcke beispielsweise zu Geschichte oder Chemie in einem fort über drei Wochen behandelt. Anstatt fünf verschiedene Fächer über einen Tag zu verteilen, konzentriert man sich jeden Morgen auf das Gleiche. Die Nachmittage werden im Atelier verbracht, wo sich die Schülerinnen und Schüler selber Fragen stellen sollen. Haben sie sich erst einmal zwischen dem naturwissenschaftlichen Bereich im Labor, dem musischen und dem bildnerischen Gestalten entschieden, steht es ihnen nämlich vollkommen frei, wo sie sich vertiefen wollen.  Für Henrik Löning, BG-Lehrer und Teil der Schulleitung, hat diese Unterrichtsform viele Vorteile: «An unserer Schule können wir im Vergleich zum normalen Schulduktus gesteigerten Wert auf die Beziehung zu Schüler und Schülerin legen. Zudem ist es menschlich, sich mehr als 45 Minuten mit einer Thematik auseinanderzusetzen.»

Eine Woche Malen. Auch das ist die Rudolf-Steiner-Schule. (Bild: Reto Heimann)

Von Spiritualität sei an der anthroposophischen Schule wenig zu spüren. «Unsere Lehrpersonen sollten sich mit der Anthroposophie auseinandersetzen, sich bestenfalls sogar darin beheimatet fühlen. Bei den Schülerinnen und Schülerin hat dies aber nichts zu suchen. Unsere Schule will keine Weltanschauungen vermitteln», so Löning. Doch dem widerspricht ein ehemaliger Schüler. Beispielsweise den spirituell angehauchten Eurythmielehrenden könne ein gewisser Einfluss im Unterricht bestimmt nicht abgesprochen werden. Sehr wohl blicken er und seine ehemaligen Mitschüler aber gerne auf die Schulzeit zurück.

Zwar dauert diese in der Atelierschule ein Jahr länger als in herkömmlichen Gymnasien. Die vielen Freiheiten, die individuelle Förderung oder die grandiosen Erinnerungen an Theater und andere Projekte scheinen dies aber problemlos wettzumachen. Und in einem Punkt sind sich Schulleiter und Schüler einig: Wer von der Atelierschule kommt, meistert die Uni genauso gut wie die anderen.

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