Tierry Hofmann: «Ohne VSETH gäbe es die ETH in dieser Form nicht.» (Bild: Robin Bisping).

«Die psychische Belastung ist hoch»

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Tierry Hörmann ist seit Herbst VSETH-Präsident. Er will sich für bessere Prüfungen einsetzen.

Anfang Semester verliessen neun von zwölf Vorstandsmitgliedern den VSETH, nur sechs neue kamen dazu. Steckt der Verband in einer Krise?

Nicht direkt. Die Ressourcen sind sicher knapper als auch schon, die Grösse des Vorstands schwankte aber schon immer. Es ist ein grosser Arbeitsaufwand. Das schreckt viele Studierende davon ab, sich bei uns zu engagieren.

Trotzdem wechselt der Vorstand fast jedes Jahr. Ist die Belastung zu gross geworden?

Der Verband ist in den letzten Jahren gewachsen. Und er wird immer noch grösser. Die Strukturen konnten sich teilweise nicht anpassen. Das wollen wir ändern. Wir haben bereits das Informatikressort und das Immobilienressort ausgegliedert. Zudem schaffen wir eine neue Stelle, die die Buchhaltung des ganzen Verbandes übernehmen wird. Dadurch soll unsere Innovationskraft zunehmen. Denn das ist auch meine Motivation: die Möglichkeit zu haben, Sachen zu bewegen.

Das Informatikprojekt hätte bereits vor einem Jahr fertig sein sollen.

Es ist verspätet, das stimmt. Bis im Sommer sollte das Projekt abgeschlossen sein. Die Verzögerung ist kein grosses Problem.

Nach einem Jahr betrugen die Kosten knapp 200’000 Franken. Kostet das Projekt neu bis zur Fertigstellung eine halbe Million?

Nein, die Kosten werden tiefer sein. Im letzten Jahr waren weniger Leute beteiligt. Ein Grossteil der Kosten sind laufend. Sie werden auch nach dem Projektabschluss weiter anfallen.

Seit Anfang Semester bist du Präsident des VSETH. Was willst du erreichen?

Ich will mich für die Qualitätssicherung von Prüfungen einsetzen. Unser Bildungssystem setzt stark auf Leistungskontrollen, ohne dass sichergestellt wird, dass sie gewisse Bedingungen erfüllen.

Welche Kriterien sollen sie denn erfüllen?

Bei der Prüfungsvorbereitung lernen viele Studierende mit alten Prüfungen. Sie werden darauf trainiert, Aufgaben schnell zu lösen, wenn Prüfungen zu lang sind. Gewisse Leistungskontrollen belohnen das Aneignen solcher Techniken, die nichts mit fachlicher Kompetenz zu tun haben.

Prüfungen können Studierende psychisch belasten. Letztes Jahr führte der VSETH dazu eine Umfrage durch. Was ist das Ergebnis?

Es zeigte sich, dass die psychische Belastung an der ETH hoch ist. Sie hat aus unserer Sicht das Maximum erreicht. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass die Belastung nicht noch grösser wird.

In der Umfrage ging es auch um Gleichstellung. Wie steht die ETH bei dem Thema da?

Ich finde, sie steht sehr gut da. Das zeigt sich daran, dass das Thema überall aufgegriffen und sehr ernst genommen wird.

Die ETH treibt eure Mitgliederbeiträge ein und ihr greift auf ihre Informatik-Infrastruktur zurück. Ist das Unabhängigkeit?

Wir sind ein eigenständiger Verein und unabhängig. Wir verfolgen aber eine enge Zusammenarbeit mit der ETH.

Den VSETH gäbe es in dieser Form und Grösse nicht, würde es die ETH nicht wollen.

Es gäbe die ETH in dieser Form auch nicht, würde es den VSETH nicht geben. Wir organisieren den allergrössten Teil des studentischen Angebots. Das ist ein wichtiger Teil des Studiums. Die ETH hat eine gesetzliche Verpflichtung, Studierende einzubinden. Es ist ein Geben und Nehmen. Ich erachte das als gesunde Zusammenarbeit.

Zur Person: Tierry Hörmann ist seit einem Jahr im Vorstand des VSETH und seit Anfang Semester dessen Präsident. Er studiert Informatik im Master.

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