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Digitale Diktatur oder Smartphone-Demokratie

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Am vergangenen Mittwoch lud das «Zentrum Geschichte des Wissens» im Cabaret Voltaire zum Gespräch mit dem Titel «Wie geht Demokratie digital?» ein. Mit dabei waren Adrienne Fichter, Christoph Kucklick, Philipp Sarasin und Jakob Tanner im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Wissen in Gesellschaft».

Am Mittwochabend war der Saal im Cabaret Voltaire voll, die Diskussion angeregt. Das «Zentrum Geschichte des Wissens» veranstaltet hier zweimal im Semester Anlässe zum Thema „Wissen in Gesellschaft“, während die akademischeren Veranstaltungen wiederum an der Uni oder ETH stattfinden, so Philipp Sarasin vom Kompetenzzentrum. Das Thema rund um Demokratie und Soziale Medien schien also auf reges Interesse zu stossen. Als Gäste waren Politologin und «Republik»- Redakteurin Adrienne Fichter sowie Soziologe und GEO-Chefredaktor Christoph Kucklick anwesend. Bei der Einleitung durch die Zürcher Geschichtsprofessoren Sarasin und Tanner wurde mit Fragen wie «Ist Populismus eine Frucht der Digitalisierung?» oder «Befinden wir uns in einem Zeitalter der Angst?» gleich der Ton der Veranstaltung vorgegeben.

«Fake News» und verborgene Algorithmen

Dass Demokratie und Soziale Netzwerke sich gegenseitig beeinflussen, ist unbestreitbar. Dabei ist es normal, dass eine neue Technologie nicht nur Euphorie sondern eben auch Furcht auslöst. Gerade Begriffe wie «Fake News» rufen Verunsicherung hervor. Diesen neuen Medien-Typus nehmen Fichter und Kucklick etwas unterschiedlich war: Fake News seien zwar mehr ein Problem im angelsächsischen Raum, aber dennoch auch hierzulande ein wichtiges Thema, so Fichter. Denn im Vorfeld der US-Wahlen hätten Fake News tatsächlich eine grössere Reichweite als Qualitätsmedien wie etwa die New York Times gehabt. Gleichzeitig sinke zudem das Vertrauen in die Medien, alles werde relativiert, «st ja eh Fake News». Kucklick hingegen sieht die Fake News «nicht als so grosses Problem, wie’s gemacht wird», da der Effekt dieser schwer nachzuweisen sei und Fake News vor allem diejenigen erreichen würden, die ohnehin schon überzeugt seien. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Sozialen Medien sind dabei die Algorithmen, die alles im Hintergrund steuern. Das Problem mit den Algorithmen von Facebook und Co ist, dass sie einem nur bestimmte, auf einem zugeschnittene Inhalte zeigen. Laut Fichter ist eine digitale Demokratie aber auf die Sichtbarkeit anderer Meinungen angewiesen. Auch Kucklick hinterfragt diese maschinellen Prozesse, die unseren Newsfeed steuern. Er sieht die stattfindende Machtverschiebung von den traditionellen «Gate-Keepern», also Institutionen wie etwa die Medien, die den Informationsfluss bis anhin gefiltert haben, hin zu diesen Algorithmen kritisch.

Digitales Zeitalter als Chance

Ob sich der «Traum der Moderne», die universale Meinungsfreiheit, durch das Internet erfüllt hat, sei dahingestellt. Letztendlich ist klar, dass die digitale Revolution nicht nur Fragen und Probleme, sondern eben auch grosse Möglichkeiten mit sich bringt. So profitieren beispielsweise vor allem unkonventionelle Kandidaten, wie etwa Bernie Sanders, vom online Wahlkampf, die bisherigen Machtstrukturen werden aufgeweicht. Auch Donald Trump hat davon profitiert – und eben genau durch seinen Wahlsieg diese notwendige Diskussion angestossen. Fichter und Kucklick rufen zu einem aufgeklärten Gespräch über ebendiese mächtigen Algorithmen auf, zu einer neuen Qualität von Selbstzivilisierung im Diskurs und vor allem zu einem kritischen Umgang mit Facebook, Twitter und Co. Kucklick ist optimistisch, denn «die Öffentlichkeit lernt schnell über sich selbst». Oder wie Fichter betont: Wissen in Gesellschaft bedarf der Vermittlung von Wissenskompetenz statt Algorithmenkonformität als Digitalkompetenz.

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