Hier wird am Monte Iato seit 1971 gegraben (Bild © 2019 MovieBiz).

Dokfilm statt Word-Dokument als Masterarbeit

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Der Dok «Berg der Steine – Ausgrabungen auf dem Monte Iato» ist nicht nur die Geschichte einer fast fünfzigjährigen Kollaboration zwischen der Uni Zürich und einem kleinen Dorf in Sizilien, sondern auch eine der ungewöhnlichsten Masterarbeiten in der Geschichte der Hochschule.

Statt sich vor dem Computer zu setzen und viele Stunden in der Bibliothek zu verbringen, entschloss sich Andreas Elsener einen Film für seine Masterarbeit zu drehen. «Die konkrete Idee einen Film zu machen, kam von meinem Professor, Christoph Reusser», sagt Elsener. «Weil er wusste, dass ich neben meinem Studium als Filmemacher aktiv bin, bot er mir dies an.» Tatsächlich ist Elsener kein Anfänger, sondern realisierte bereits 2014 den über Crowdfunding finanzierten Langspielfilm «Durch die Nacht». Nun sollte er also auch einen Film über eine Ausgrabungsstätte in Sizilien für seinen Masterabschluss machen. Dafür half Professor Reusser die Finanzierung zu sichern und die logistische Hürde, die sich beim Einreichen eines Filmes als Masterarbeit so ergeben, zu überwinden. Doch was ursprünglich als zehnminütiger Film für die Webseite des Instituts gedacht war, entwickelte sich schon bald zu einem sehr viel grösseren Projekt.

Nachdem Elsener rund 40 Stunden Rohmaterial angesammelt hatte, wurde ihm schnell klar, dass hier eine viel längere Geschichte zu finden war. Er erklärt: «Das Institut gewährte mir sehr viel kreative Freiheit, auch was die Form betrifft – so wollte ich beispielsweise den Fokus auf die Leute und den interkulturellen Aspekt der Grabung setzen und nicht auf die archäologische Ausgrabungsstätte. Ganze anderthalb Jahre hat die Postproduktion des Filmes gedauert. Doch das Ergebnis hat sich gelohnt.

Eine Studentin untersucht eine Tonscherbe (Bild © 2019 MovieBiz).

Ein Dorf mit Charme

«Berg der Steine» begleitet eine Gruppe von Schweizer Archäologinnen und Archäologen und Studierenden zu einer Ausgrabung am Monte Iato in Westsizilien, welche seit 1971 jährlich stattfindet. Während sechs Wochen erwacht dann das kleine Dorf San Cipirello am Fusse des Berges durch die Ankunft der Forschenden zum Leben. Der Charme des Dorfes ist zunächst «gewöhnungsbedürftig», wie auch einige der Schweizerinnen und Schweizer im Film zugeben. Die Häuser sind alle zusammengequetscht und durch die engen Gassen fahren Autos, die zu einem wandelnden Kiosk umfunktioniert wurden. Doch San Cipirello wächst einem im Laufe des Films schnell ans Herz. Ein Grund dafür sind die Einwohnerinnen und Einwohner: Ihre sizilianische Gelassenheit hebt sich ab von der selbsternannten «Bünzlihaftigkeit» des Schweizer Teams. Trotz der kulturellen Unterschiede arbeiten die Dorfbewohnerinnen und -bewohner nun schon seit bald einem halben Jahrhundert Hand in Hand mit dem Team der Uni. Deren Ausgrabung stellt nämlich die Haupteinnahmequelle des Dorfes dar, das sich in einer der ärmsten Regionen Italiens befindet.

Das Schweizer Team und die Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes arbeiten Hand in Hand (Bild © 2019 MovieBiz).
Das Schweizer Team und die Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes arbeiten Hand in Hand (Bild © 2019 MovieBiz).

Nicht nur ein Film für den Kopf, sondern auch fürs Herz

Während des Films quasselt einem kein Voice-Over den Kopf mit wissenschaftlichen Fakten voll, stattdessen kommen die Teilnehmenden der Grabungen in Interviews zu Wort. Sei es nun der Projektleiter, der emeritierte Professor, die Archäologiestudentin oder der sizilianische Arbeiter, der schon seit 40 Jahren bei der Grabung mitmacht – sie alle reden mit Leidenschaft über das, was sie tun. Es fällt einem schwer, nicht von ihrem Enthusiasmus angesteckt zu werden. Dabei ergänzen sich die beiden Gruppen fast schon auf eine symbiotische Art und Weise. Die Schweizer Forschenden lernen von den Sizilianerinnen und Sizilianern mal locker zu sein und schätzen deren enorme Gastfreundschaft, währenddessen die Italienerinnen und Italiener wiederum erstaunt sind, wie exakt das Schweizer Team arbeitet und wie sehr es sich für die Funde am Monte Iato interessiert.

«Berg der Steine» ist somit nicht nur ein Film für Archäologiebegeisterte. Die Freude der Interviewten ist ansteckend und das kleine Dorf San Ciperillo wächst einem schnell ans Herz. Der Film verbindet dabei geschickt Aufnahmen der Grabung mit Interviews und Archivaufnahmen des SRF zu einem Gesamtpaket, dass Lust macht, mehr über den Monte Iato und dieses einzigartige Projekt der Uni Zürich zu erfahren.

Der Film startet am 2. Mai in Deutschschweizer Kinos. Link zum Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=gvS2jaskc84.

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