Clint Eastwood im Film «The Mule» (Bild: zVg).

Eastwoods letzter Dreier

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Film Clint Eastwoods neuer Film beginnt an  einem Kongress für Blumenzüchter. Beiläufig äussert sich Protagonist Earl (Clint Eastwood) an diesem Anlass abschätzig über moderne Technologien. Doch zwölf Jahre hat die Digitalisierung auch ihn eingeholt, und er muss seine Blumenzucht aufgrund der Konkurrenz aus dem Internet schliessen. Das zwingt Earl dazu, sich als Drogenkurier zu verdingen. Als alter, weisser Mann fällt er nicht auf und erledigt viele Aufträge erfolgreich. Was anfangs wie eine tragische Erzählung über den Niedergang eines Mannes klingt, entpuppt sich immer mehr als abstruse und überspitzte Geschichte, die bald einer Parodie gleicht. Earl ist dabei der Inbegriff des politisch unkorrekten alten Mannes, der unbewusst rassistische Ausdrücke benutzt.

Auch mangelt es der Story bisweilen an Glaubwürdigkeit. In einer Szene wird ein Polizist von Earl mit Kindersüssigkeiten bestochen. Doch damit nicht genug. Der oberste Boss des Kartells, Besitzer einer goldenen Schrotflinte, lädt Earl in seine mexikanische Villa ein, um sich erkenntlich zu zeigen. Die folgende Partyszene zeigt vor allem viel nackte Haut. Eastwood scheint dabei ganz in seiner Rolle als Regisseur aufgegangen zu sein: Earl wird trotz seines hohen Alters  von gleich zwei deutlich jüngeren Frauen beglückt.

Letzten Endes stellt sich die Frage, ob Clint Eastwood hier meisterhaft jegliche Klischees über kriminelle Eingewanderte und Frauenhelden in Filmen ad absurdum führt oder ob er einfach langsam senil wird. Schon seit «Gran Torino» leiden die Filme des einstigen Westernhelden nämlich unter politischen Anspielungen. Und immer steht Eastwood am Ende als der rechtschaffene US-Amerikaner da.

«The Mule» spielt in schauspielerischer und technischer Hinsicht auf sehr hohem Niveau mit. Eastwood versteht sein Handwerk, daran lässt er keine Zweifel aufkommen. Wer aber auf einen Actionfilm hofft, wird von «The Mule» enttäuscht sein. Besonders viel Spektakel hat dieser Film nämlich nicht zu bieten. Für kluges Autorenkino ist «The Mule» schlicht zu plump. Stattdessen bleibt er ein einziges Klischee.

Eastwoods «The Mule» läuft seit dem 31. Januar im Kino.

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