Das Streikhaus steht nicht nur dem Kollektiv offen, sondern allen Frauen* (Bild: Robin Bisping).

Ein Haus für den Frauenstreik

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Das Quartierhaus 5 der Stadt Zürich wird feministisch. Der Ort soll frei von Diskrimierung sein.

Am Sihlquai 115 steht ein auf den ersten Blick unscheinbares Haus. Bloss vereinzelte Frauenstreik-Aufkleber im Umkreis lassen erahnen, dass es sich dabei um das neue feministische Quartierhaus handelt. Das Gebäude hat das Streikkollektiv über die Raumbörse Dynamo der Stadt Zürich erhalten, die für die Vermietung von Liegenschaften für nichtkommerzielle und stadtbezogene Zwecke zuständig ist. «Durch den Rückenwind, den uns der feministische Streik gegeben hat, und durch unsere Ideen konnten wir überzeugen und das Haus für uns gewinnen», erzählen zwei Vertreter*innen des Kollektivs.

Zuvor nutzte das Streikkollektiv den «Park Platz» beim ehemaligen Lettenbahnhof. Dort öffneten sie jeden Freitag das Streikbüro, um einen Begegnungsort zu schaffen. «Im Streikbüro konnten wir mit neuen Menschen und Ideen in Berührung kommen. Uns wurde klar, dass wir einen eigenen Ort brauchen», so Laura für das Kollektiv. Das Haus soll nach der Eröffnung aber nicht nur vom Frauenstreik-Kollektiv benutzt werden.

Bar, Band- und Tanzraum

Feministische, queerfeministische und antirassistische Gruppierungen sowie eigens gegründete Arbeitsgruppen finden im neuen Zuhause des Frauenstreiks Unterschlupf. Es wird beispielsweise eine Held*innenbar, einen Bandraum und einen Bewegungsraum geben, in dem
Tanzgruppen üben können. Mit dem Streikhaus sei ein Ort möglich geworden, an dem sich die Bewohner*innen nicht vor Diskriminierung fürchten müssen. «Das Streikhaus ist öffentlich und für alle zugänglich, auch für Personen, die nicht im Kollektiv dabei sind», erklärt Dafina vom Kollektiv. Davon erhoffen sie sich, dass viele Frauen*, Trans-, Inter- und genderqueere Menschen – kurz FTIQ* – herkommen und sich wohl fühlen können.  Im Streikhaus kann der Frauenstreik seine Grundsätze verwirklichen, denn ausserhalb des Hauses sieht die Situation anders aus.

Einfachere Koordination möglich

Der Streik habe der Bewegung zwar geholfen, ihre Forderungen in die Öffentlichkeit zu rücken, aber das reiche nicht. «Der Streik war ein riesiger Erfolg für die feministische Bewegung und wir waren danach wochenlang beflügelt», sagt Laura. «Das gab uns die Motivation, weiterzukämpfen.» Denn solange es eine patriarchale Gesellschaft gäbe, sei ihre Arbeit nicht getan. Deshalb konzentriert sich der Frauenstreik momentan darauf, auf Femizide aufmerksam zu machen. Das Kollektiv trifft sich bei jedem verübten Frauenmord in der Schweiz am «Ni-una-menos-Platz» (Spanisch für «nicht eine weniger»). So benannte der Frauenstreik den Helvetiaplatz um, in Anlehnung an die lateinamerikanische feministische Bewegung. Etwa jede zweite Woche muss sich das Kollektiv dort versammeln.

Passend dazu unterstützt das Kollektiv die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen*» Ende November. Diverse Veranstaltungen und Aktionen sollen die Bevölkerung auf das Thema aufmerksam machen. Dafina erklärt: «Für uns ist jeder Mord an einer FTIQ* ein Mord zu viel. Wir schweigen nicht und halten zusammen.»

Dank dem Quartierhaus hat der Frauenstreik einen Ort, an dem sich das Kollektiv einfacher koordinieren kann, um Aktionen und Veranstaltungen zu planen. Zudem bietet die Liegenschaft dem Kollektiv Raum für das Umsetzen seiner Ideale und Werte. Es wird sich zeigen, ob das Haus zu einem Zentrum der feministischen Bewegung Zürichs werden kann.

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