Eine befangene Berufungskommission und Drohungen

in Berufung Romanisches Seminar/Campus/Dossier von

Das Berufungsverfahren am Romanischen Seminar ist höchst umstritten. Zu allem Überfluss zeichnet sich jetzt auch noch ab, dass die Berufungskommission befangen ist.

Der Saal im Hauptgebäude war gut gefüllt am vergangenen Dienstag. Titularprofessorin Ursula Bähler referierte kompetent und durchaus unterhaltsam über französische Literatur und Islamismus. Doch am Ende des Vortrags applaudierten nicht alle, die gekommen waren. Denn viele goutieren die Berufung ad personam nicht. Sie kostet Mittelbaustellen und verstösst gegen das Reglement. Doch damit nicht genug. Es zeigt sich, dass mindestens eine Person nicht hätte in der Berufungskommission sitzen dürfen.

Befangen in zwei Punkten

Am 20. Dezember 2013 erfolgte am Romanischen Seminar die öffentliche Einladung zu sechs Probevorträgen, die am 13. und 14. Februar 2014 stattfanden. Es galt die Nachfolge des bekannten Romanisten Peter Fröhlicher zu regeln, der bis 2013 auch Dekan der Philosophischen Fakultät gewesen war. Am Nachmittag des 13. Februar hielten Ursula Bähler und Thomas Klinkert ihre Vorträge. Klinkert wurde am Ende berufen und ist seither ordentlicher Professor für Französische Literaturwissenschaft.

Die damalige Einladung liegt der ZS vor und beweist die Befangenheit von Thomas Klinkert, der in der Berufungskommission von Bähler sitzt. Gemäss § 9.2 Let.(c) der Geschäftsordnung für Berufungskommissionen der Philosophischen Fakultät liegt Befangenheit dann vor, wenn «ein Kommissionsmitglied mit einem Bewerber oder einer Berwerberin in einem Konflikt- oder einem direkten wissenschaftlichen Konkurrenzverhältnis steht oder stand». Und das trifft auf den Fall von Klinkert und Bähler zu, weil beide sich vor vier Jahren auf dieselbe Stelle beworben haben.

Doch damit nicht genug: Der Publikationsliste von Ursula Bähler ist zu entnehmen, dass sie und Klinkert 2016 die Herausgabe einer Fachzeitschrift organisiert haben. In der Nummer 63 der Zeitschrift «versants» findet sich auch ein gemeinsamer Artikel der beiden. Das ist der zweite Punkt, in dem Klinkert als Mitglied der Berufungskommission befangen ist. Denn in der Geschäftsordnung ist unter Let. (e) desselben Paragraphen deutlich festgehalten: «Befangenheit liegt vor, wenn ein Kommissionsmitglied mit einem Bewerber oder einer Bewerberin innerhalb der letzten fünf Jahre an gemeinsamen wissenschaftlichen Projekten oder Publikationen beteiligt war.»

Intransparenz und Drohgebärden

Die Berufungskommission tagte am Dienstag, nachdem die Gäste des Vortrags den Raum verlassen hatten und das Ständegespräch anstand. Beim Ständegespräch hatten die Gesandten des Mittelbaus sowie der Studierenden am RoSe Gelegenheit, der Kandidatin kritische Fragen zu stellen. Und davon scheint es nicht eben wenige gegeben zu haben – das Gespräch zog sich hin. Als sich die Tür öffnete kam die Berufungskommission heraus und verschwand in einen zweiten Raum.

Alle, die es interessiert, haben die Zusammensetzung der Berufungskommission somit mit eigenen Augen sehen können. Gleichwohl hält die Universität an der Vertraulichkeit aller Berufungsgeschäfte fest: «Die Zusammensetzung von Berufungskommissionen ist vertraulich. Das Berufungsverfahren zur Besetzung einer Professur ad personam für Prof. Dr. Ursula Bähler verläuft regelkonform. Wie in allen Berufungsverfahren wurden auch in diesem Fall allfällige Befangenheiten geklärt und Ausstandspflichten wahrgenommen», teilt die Uni heute morgen mit.

Mit dem Hinweis auf Vertraulichkeit hat sich die Philosophische Fakultät auch geweigert, der ZS die oben genannte Geschäftsordnung auszuhändigen, obwohl das Öffentlichkeitsprinzip des Kantons Zürich sie dazu verpflichten würde. Gleichzeitig droht das RoSe seinen Angehörigen und dem Verfasser dieses Artikels mit «rechtlichen Schritten», sollten weitere, aus Sicht des Seminars falsche Meldungen über die Berufung von Ursula Bähler an die Öffentlichkeit gelangen. Damit gebahrt sich die Uni nicht nur autoritär, sondern beweist gleichermassen die intransparente und fragwürdige Art und Weise, wie sie Geschäfte macht.

2 Comments

  1. Auch unter dem Aspekt der Befangenheit stellt die Berufungskommission für die PaP Bähler keinen Sonderfall dar. Befangenheiten liegen in praktisch jedem Berufungsverfahren vor: sie sind aufgrund der Vernetzung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schlicht nicht zu vermeiden. Aufgrund meiner Mitarbeit in mehreren Berufungskommissionen der Philosophischen Fakultät kann ich bezeugen, dass jeweils alle Kommissionsmitglieder nach Eingang der Bewerbungen ihre Befangenheit deklarieren müssen. Sie nehmen in der Folge zwar an den Sitzungen teil, stimmen aber nicht über die Kandidierenden ab, bei welchen sie befangen sind. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass diese Regelung – bei einer solch evidenten Befangenheit – nicht auch in diesem Verfahren angewendet wurde. Berufungskommissionen müssen aber in einem vertraulichen Rahmen unter Ausschluss der Öffentlichkeit arbeiten können, allein schon zum Schutz der Persönlichkeit der Kandidierenden.
    Da der ZS aber offenbar viel an Transparenz in diesem Verfahren liegt, könnte die Redaktion vielleicht gegenüber der Leserschaft darlegen, auf welchen „internen Protokollen“ denn ihre Recherchen beruhen.

  2. Selbst, wenn Befangenheiten in der Philosophischen Fakultät zum Tagesgeschäft gehören, ist die Tatsache, dass Dokumente wider dem Gesetz nicht veröffentlicht werden, ein blendendes Beispiel für die Intransparenz in den universitären Vorgängen, von der man partout (und bewusst) nicht absehen will. Das haben wir bei der Abschaffung der kleinen Nebenfächer, den Windungen von Bologna 2020 und, jüngst, bei der „Bibliothek der Zukunft“ gesehen.

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