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    Eine stadtbekannte Adresse: Bar 3000, Dienerstrasse 33 (Bild: Jonathan Progin)
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    Doppelnutzung: Unten Club, oben Fumoir. (Bild: Jonathan Progin)
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    Konzerte, Livemusik, Bier und Merchandise am Fest. (Bild: Jonathan Progin)
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    In der Bar 3000 spielt Mainstream und Underground gleichermassen. (Bild: Jonathan Progin)
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    «Clubben ist zu einem Volkssport geworden», so Mitbetreiber Müller. (Bild: Jonathan Progin)
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    Das Team erzielte überraschend einen umsatzstarken Sommer. (Bild: Jonathan Progin)
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    Das Geburtstagsfest lockte Hungrige und Durstige an. (Bild: Jonathan Progin)

Eine Vergangenheit mit Zukunft

in Campus von

Seit genau zehn Jahren verwöhnt der Club Zukunft seine Gäste mit einem der schönsten Raucherbereiche von Zürich. Die Bar 3000 im Kreis 4 feiert Geburtstag. Ein Portrait.

Die Jubiläumsfeier beginnt verhalten. Hauptsächlich Mitarbeitende sind am Nachmittag des 1. Septembers in den dunklen Ecken der Bar anzutreffen. Man sei etwas verkatert vom gestrigen Abend, heisst es. Zudem fallen die geplanten Festlichkeiten im Innenhof wegen des penetranten Nieselregens ins Wasser. Gegen Abend wird die Bar jedoch immer voller, und bald schon hupen die ersten Taxifahrer auf die zigarettendrehende Menschenmenge vor dem Eingang ein. Das Barpersonal sorgt mittels Zapfhahn für Stimmung, und die unterhaltsame Livemusik wie auch die angebotenen Merchandise-Artikel sorgen für Gesprächsstoff. So lässt sich zum Beispiel bei einem Bier darüber philosophieren, was der Spruch «jetzt isch safe» auf den T-Shirts wohl zu bedeuten hat.

Zukunft auf zwei Etagen

Vor zehn Jahren stand an der Dienerstrasse 33 noch ein zwielichtiger Laden, in dem Gerüchten zufolge auch Drogen verkauft wurden. Der Club Zukunft, schon damals eine stadtbekannte Adresse für elektronische Musik, hatte sich drei Jahre zuvor in die Kelleretage eingemietet. In einem Versuch, die Gegend aufzuwerten, hat die Eigentümerin dem Zukunft-Team die Übernahme des Ladens im Erdgeschoss angeboten. Nach anfänglichem Zögern entschied man sich für die elegante Doppelnutzung: Club-Fumoir bei Nacht und gewöhnliche Nichtraucher-Bar und Konzertlokal bei Tag. Seither gibt es die Zukunft auf zwei Etagen.

Raven statt Jodeln

Obwohl die Zukunft als Techno-Club Bekanntheit erlangt hat, wehrt sich Mitbetreiber Dominik Müller vehement gegen die Bezeichnung «Techno-Club»: «Unser Programm und unsere Offenheit beweisen doch, dass wir uns weder als Techno-Club sehen, noch glauben, dass gute Musik auf ein bestimmtes Genre beschränkt ist.» Allerdings hat sich die Zürcher Clubszene in den letzten zehn Jahren verändert. Techno muss gespielt werden, um der steigenden Anzahl Raver gerecht zu werden und um mit der zunehmenden Konkurrenz mithalten zu können. «Clubben ist zu einem Volkssport geworden; Hinz und Kunz aus dem Muothatal gehen heute auch in Clubs in den Grossstädten. Vor zehn und mehr Jahren war diese Gemeinde noch viel überschaubarer. Als Betreiber konnte man sich noch vermehrt um Nischen kümmern und musste nicht schon in einem Club mit 200 Plätzen den Massengeschmack im Blickfeld haben», meint Müller.

Der Balanceakt zwischen Mainstream und Underground scheint der Geschäftsleitung jedoch gut zu gelingen. Kein anderer Club in Zürich geniesst international einen so guten Ruf wie die Zukunft. So feiert das Team an diesem 1. September nicht nur den zehnten Geburtstag der Bar 3000, sondern auch einen überraschend umsatzstarken Sommer.

Freunde in der ganzen Welt

Über die Jahre hat sich die Zukunft nicht nur ein treues Stammpublikum, sondern auch ein beeindruckendes Repertoire an immer wiederkehrenden Acts erarbeitet. So pflegt das Personal der Zukunft mit vielen internationalen Berühmtheiten ein freundschaftliches Verhältnis. Das hat damit zu tun, dass viele der mittlerweile grossen Headliner auch schon vor ihrem kommerziellen Erfolg von der Zukunft gebucht wurden. Mit der Zeit wurde die Zukunft daher zu einem gewissen Selbstläufer, und eine Verewigung in ihrem Artist-Archiv bedeutet heutzutage viel Prestige.

Die harte Tür

Dass sich ein Club von solcher Bekanntheit nicht nur Freunde macht, ist klar. So gilt die «Zukki» gerade wegen ihres Renommees und internationalen Programms in gewissen Kreisen als «Touristen-Club». Auch die hohen Eintritts- und Barpreise sowie die «harte Tür» werden beklagt. So stand der Club auch schon im Verdacht, sich einen «Berghain-Ruf» verschaffen zu wollen. Von solchen Anschuldigungen will Mitbetreiber Ivo Schäppi, der am Geburtstagsfest der Bar 3000 an den Plattentellern anzutreffen ist, aber nichts wissen: «Dass unsere Türsteher diesen Ruf haben, halte ich für nicht zutreffend. Ich berufe mich da auf viele Feedbacks, die das Gegenteil behaupten.» Selbstverständlich muss auch die Zukunft wie jeder andere Club Leute an der Türe abweisen. Das kommt laut den Betreibenden aber in erster Linie daher, dass mehr Leute anstehen als reingelassen werden dürfen. Allerdings räumt auch Schäppi ein, dass es in Einzelfällen an der Club-Türe mal schroff zu und her gehen könne.

Und wo verkehrt die Zukki-Crew, wenn sie ihr angestammtes Habitat mal verlässt? «Ich habe eine Vorliebe für Bars, die ziehe ich einem Clubbesuch generell vor», verrät Schäppi. «Meine Favoriten sind Le Cactus, Kronenhalle und Schnupf Cocktailbar. Und wenn es ganz spät wird gehe ich an eine andere Bar an der Dienerstrasse.» Aber auch im Gonzo oder im Kauz sei er regelmässig anzutreffen. Nur an der Dienerstrasse 33 entspannt er sich nie, denn «weder in der Bar 3000 noch in der Zukunft habe ich frei.»

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