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Ekstase von zehn bis halb zwölf: Gary Clark Jr. am Blue Balls in Luzern

in Campus von

Vergangenen Sonntag beehrte Gary Clark Jr. mit seiner Band und seinem Talent das Blue Balls Festival im Luzerner KKL. Der Auftritt bewies vor allem eines: Der Blues lebt.

Am Blue Balls Festival in Luzern ist alles ein bisschen nobler als anderswo. Gibt es an den meisten Festivals nicht viel mehr als Bier, Zigaretten und Junkfood zu erstehen, trumpft das Blue Balls mit griechischen, asiatischen, indischen und weiteren Spezialitäten sowie separaten Bars für Getränke auf Gin-Basis auf. Finden die meisten Musikfeste irgendwo auf einem Acker statt, pachtet das Blue Balls das schicke KKL, das noch schickere Hotel Schweizerhof und das halbe Seebecken gleich mit dazu. So sitzen Festivalgäste in Luzern gediegen am Hafen, schauen zu, wie die altehrwürdigen Schiffe auf dem Wasser schaukeln und sanfte Wolken über das Bergpanorama ziehen, während sie auf das Highlight des Sonntagabends warten: auf den Auftritt von Gary Clark Jr.

Der Mann mit dem Hut

Das Warten verkürzen sollen, hätte die aus Belgien angereiste Band The Black Box Revelation. Doch der Abend war lau und der Eintritt teuer. So blieben viele draussen sitzen und der Luzerner Saal im KKL zur Hälfte leer. Ob es am spärlichen Publikum lag, dass die Band so unmotiviert spielte, war nicht auszumachen. Jedenfalls vermochte sie die Stimmung nicht zu heben. Dazu war ihr Gitarrensound ohrenbetäubend schlecht abgemischt, sodass viele einfach wieder gingen. Vom ausgedünnten Publikum im KKL profitierte der Schweizer Marius Bear, der draussen auf einer winzigen Bühne stand und dem Garagenrock-Duo glatt die Show stahl. Mag sein, dass seine raue Stimme und die Singer-Songwriter-Kompositionen besser ankamen als das Rockgewitter von The Black Box Revelation. Mag aber auch sein, dass vielen Partylustigen 76 Franken für das Hauptprogramm zu teuer waren.

Bis um etwa zehn Uhr verlief der Abend also mehr oder weniger unspektakulär. Dann aber war es so weit: Gary Clark Jr. betrat die Bühne und begann seine Show. Viel Publikum trudelte erst nach einem oder zwei Songs ein, danach war der Saal aber gut gefüllt. Und auf einmal war auch die Stimmung da, die einem Konzert wie jenem von Gary Clark Jr. würdig ist. Der Mann mit dem Hut kitzelte ein Solo nach dem anderen aus seiner Gitarre, verzog das Gesicht noch ein bisschen mehr, spielte noch einen Tick schneller, noch etwas exzentrischer. Er sang bald tief wie die Bluesmusiker der Sechziger, bald Kopfstimme in bester Soul-Sänger-Manier und bald überhaupt nicht mehr.

Um halb zwölf ist Schluss

Der Texaner und seine Band liessen nichts unversucht, um das Publikum in Luzern in Ekstase zu versetzen. Von ruhigen Bluesnummern ohne Begleitung der Band über soulige Einlagen bis hin zu schnellen und schmutzigen Rockriffs war am Sonntagabend von allem etwas dabei, was denn auch zur allgemeinen Hochstimmung beitrug. Zuletzt machte das Konzert so viel Spass, dass man noch Stunden hätte bleiben können. Wäre nicht der letzte Zug nach Zürich um halb zwölf gegangen.

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