Die unabhängige Zeitung für Uni und ETH

Es ist nicht alles Müll, was in den Containern der Lebensmittelläden landet. (Bild: André Krysl)

Essen aus dem Abfall

in Campus von

Die Grossverteiler entsorgen jährlich Millionen Tonnen Essen. Andere holen es wieder aus dem Container.

Um kulinarische Leckerbissen hinzuzaubern, fehlen Ende Monat vielen die finanziellen Mittel. Dabei wird in unserer Gesellschaft nicht gerade so mit Lebensmitteln umgegangen, wie es sich für wertvolle Waren gehört. Ein Drittel aller Nahrungsmittel landet nämlich im Müll, über eine Million Tonnen davon allein in Schweizer Haushalten. Manchen Menschen erscheint es daher naheliegend, sich aus diesen Tonnen zu ernähren.

Containern: Was ist das?

Containerer warten abends, bis Grossverteiler ihre Türen schliessen und ihre Mulden füllen. Wenn das Personal das Lokal verlassen hat, machen sie sich mit einem Rucksack und einer Stirnlampe auf die Suche nach diesen Containern, die in Innenhöfen oder bei den Laderampen stehen. Oft sind sie sogar eingezäunt. Doch meist sind diese Zäune einfach zu überwinden. Et voilà: Was noch essbar aussieht, wird eingepackt.

Dem Grossteil der Container-Szene liegt Foodsaving am Herzen. Ihre Motivation ist weniger, sich auf Kosten Anderer zu ernähren, als Weggeworfenes zu retten. Viele versichern auch, nur mitzunehmen, was tatsächlich verwertet wird.

Essbares wird entsorgt

Containern funktioniert, weil viel Ware durchaus noch essbar ist. Vor dem Ablaufdatum steht jeweils «mindestens haltbar», und genau dieses «mindestens» ist ausschlaggebend. Konsumieren kann man die Sachen teilweise auch noch Tage später. Doch Lebensmittelgeschäfte gehen ein Risiko ein, wenn sie diese Ablaufdaten nicht einhalten. Deshalb dürfen nicht einmal Mitarbeitende Güter mit nach Hause nehmen. In der Migros, so heisst es, würden die Nahrungsmittel kurz vor ihrer Entsorgung immer noch 25 Prozent des Originalpreises kosten. Und wenn sie danach noch im Regal stehen, werden sie entsorgt. Andere Supermärkte drohen ihren Mitarbeitenden sogar mit der Kündigung, wenn sie Ware mitnehmen.

Rechtliche Grauzone

Ein Risiko gehen aber nicht nur Grossverteiler ein, wenn sie abgelaufene Ware verkaufen, sondern auch jene, die sich diese Waren aus dem Container holen. Denn Containern ist illegal. Und weil Supermärkte ihre Ware lieber verkaufen, als sie stehlen zu lassen, stellen sie zum Teil sogar Sicherheitsfirmen an, um das Containern zu verhindern. Es werden also keine Mühen gescheut, um sicherzustellen, dass entsorgtes Essen nicht doch noch gegessen werden könnte. Neuere Filialen reservieren für die Container gleich einen Platz im Gebäude.

Während manche Läden darauf beharren, dass aus den ungeniessbaren Lebensmitteln Biogas hergestellt wird, oder das Geniessbare an Hilfsorganisationen wie «Tischlein deck dich» spenden, landet bei Discounterläden alles in den Containern. Auch dann, wenn nur die Verpackung eines Multipacks beschädigt ist und das Produkt selber noch verpackt ist.

Andere Möglichkeiten

Natürlich gibt es auch legale Wege, sich gegen Foodwaste einzusetzen. Da wäre zum Beispiel Foodsharing Schweiz: Diese Organisation vermittelt Restaurants und Take-Away-Stände an ihre Mitglieder weiter, wenn sie nach Ladenschluss noch Essen übrig haben. Wer sich zu einer solchen Abholung verpflichtet, muss allerdings damit rechnen, nachher den ganzen Kühlschrank mit ein- und demselben Produkt gefüllt zu haben. Allerdings gehört es zum Prinzip von Foodsharing, überschüssige Lebensmittel wieder weiterzugeben. Die Nachbarschaft wird sich freuen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Leak bei Wirtschaftsprüfung

Bei einer Assessment-Prüfung waren den Studierenden die Prüfungsfragen aus der Vorjahresprüfung schon

Master Of Science in Berufsbildung

Berufsbildung gestalten – mit dem Master of Science in Berufsbildung: Wissenschaftsbasiert, praxisorientiert, interdisziplinär und
Gehe nach Oben