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Fahr zur Hölle: Handyhüllen

in Fahr zur Hölle/Meinungen von

Handyhüllen sind des Teufels — Sie haben Ohren, kokettieren mit einem ironischen Leopardenmuster oder tun so, als wären sie ein Aquarium mit Glitzerwasser. Genauso, wie man Kleinkinder in Hasenohrenplüschkostüme steckt, damit sie noch putziger aussehen, packen gewisse Leute ihr Smartphone in eine Plastikhülle. Aber Kleider machen leider nur Leute, keine Handys. Jahrelange Forschung an edelsten Materialien und Mikrotechnologie für nichts, denn am hauchdünnen Luxusstreicheltelefon klebt eine billige Plastikhülle. Das teure, schlichte Designprodukt verkommt zur Plattform für Pseudoindividualität made in China, die jeden guten Geschmack beleidigt. Für 3.50 Franken kauft sich jeder Idiot ein Retro-Kassetten-Cover für sein Telefon. Was etwa so kreativ ist wie ein Ramones-Shirt bei einem 35-jährigen Kreis-4-Papi. Hauptsache, man tut so, als wäre man einmalig; schliesslich ist die Handyhülle auch das einzige Unterscheidungsmerkmal eines Smombies (Jugendwort des Jahres 2015, kurz für Smartphone-Zombie). Und dabei ist der Schutz ja meist nur eine Ausrede, die so billig ist wie die Hülle selbst. Eine Worthülse sozusagen, denn eigentlich wünscht man sich ja insgeheim, dass das Display nach spätestens zwei Jahren zersplittert und man einen Grund hat, für die neuste Version Schlange zu stehen. Ehrlicher wäre es, sich eine Glasschutzversicherung zu kaufen. Aber dann müsste man ja einen Charakter haben, den man statt der lustigen Hülle zur Schau stellen könnte.

Wir verteufeln, was wir hassen, und schreiben es zur Hölle.

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