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Fantasy im Mittelland

in Campus von

«Ein Stein wie die Reste eines Pfannkuchens». Mit diesem Vergleich beginnt János Mosers Roman «Im Krater». Der Pfannkuchen-Vergleich zu Beginn wirkt so unvermittelt etwas künstlich. Ansonsten ist die Sprache aber grösstenteils verständlich gehalten.

Die Geschichte folgt dem Geologen Dr. Girard, der sich in ein kleines Schweizer Dorf im Mittelland aufmacht, um zu beweisen, dass sich dieses in einem Meteoritenkrater befindet. Sein einziger Anhaltspunkt: der eben genannte Stein. Girards Besuch wird aber nicht von allen positiv aufgenommen und wärmt einen alten Streit um das Landrecht wieder auf. Auf der einen Seite der Konfliktlinie steht der Bürgermeister des Dorfes, der sich von Girards Entdeckung eine Wiederbelebung des Tourismus in seinem Dorf erhofft, auf der anderen Seite davon eine reiche Gräfin, die durch den Streit droht ihr Land zu verlieren droht. Im Laufe der Geschichte verstricken sich immer mehr Figuren in die Sache. Sogar Girards Sohn ist beteiligt.

Die verschiedenen Interessenkonflikte aller Beteiligten bieten eine solide Vorlage für einen spannungsreichen Roman. Was aber zu Beginn wie ein politisch-wissenschaftliches Werk anmutet, entpuppt sich schnell als Fantasy-Roman. Bei Girards Stein handelt es sich nämlich um ein magisches Artefakt, auf das die Gräfin ihr Auge geworfen hat. Um dem Stein mehr Bedeutung zu verleihen, bastelt ihm der Autor sogar sein eigenes Märchen zusammen. Etwas enttäuschend ist das Ende, das ungeklärt lässt, ob es das offene Ende eines Einzelwerkes oder der Cliffhanger einer mehrbändigen Reihe sein soll. Die Katastrophe zum Schluss der Geschichte wird zwar aufgelöst, aber wie das vonstatten gegangen sein könnte, wird den Lesenden vorenthalten.

Das Fehlen einer Erklärung lässt das Ende abrupt daherkommen und den Roman insgesamt etwas unfertig wirken. Wer kleinere Stilfehler verzeihen kann und sich mit nicht allzu hohen Erwartungen ans Lesen macht, wird aber trotzdem seine Freude an dem Roman haben. Empfohlen sei das Buch daher hauptsächlich jenem Teil des Publikums, der Fantasy zugetan ist. Jenen, die mit dem Genre nicht viel anfangen können, ist von der Lektüre abzuraten. [leb]

«Im Krater» von János Moser, Waldgut Verlag, 2017.

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