Dem Team von «Zürich liest» geht es darum, Nichtlesende zu konvertieren (Bild: Sumanie Gächter).

Fest der Bücher

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Das Literaturfestival «Zürich liest» will den Austausch zwischen Leseratten fördern.

Lesen wird üblicherweise als solitäre Tätigkeit aufgefasst. Wer aber beim Lesen die Interaktion mit anderen Menschen vermisst, kann sich auf das Literaturfestival «Zürich liest» freuen. Besuchende können sich dort an unterschiedlichen Veranstaltungen mit anderen über die jeweiligen Lieblingsautor*innen austauschen. Dieses Jahr feiert «Zürich liest» seinen neunten Geburtstag. Doch es zeigt keine Anzeichen von Ermüdung: «Wir verzeichnen jedes Jahr konstante Besucherzahlen», erzählt Violanta von Salis, Co-Festivalleiterin von «Zürich liest».

Multimediales Lesen

Dieses Jahr stehen einige brandneue Veranstaltungen auf dem Programm: Wer eine Virtual-Reality-Brille ausprobieren will, kann dies an der Lesung «Los 360˚VR» tun. Mithilfe einer Brille mit Mikrodisplay und Kamera tauchen die Teilnehmenden in die Lesung von Klaus Merz ein. Auch Musikfans kommen am «Zürich liest» auf ihre Kosten. Programmleiter Martin Walker empfiehlt die multimediale Veranstaltung «Fliegenpapier». Das jazzige «Yam Yabasha Ensemble» vertont dabei einen Comic, während dieser auf eine Fläche projiziert wird und ein Schauspieler den Text dazu spricht. Für alle, die vom verkrümmten Sitzen beim Lesen Rückenschmerzen bekommen, gibt es Yogastunden beim Literaten und fliegenden Yoga-Lehrer Ben Rakidzija. Er hilft, den Rücken wieder geradezubiegen, so dass dem Lesen des nächsten Wälzers nichts im Weg steht.

Die Schwierigkeit des umfangreichen Programms besteht darin, sich durchzukämpfen und den Überblick nicht zu verlieren. Dadurch, dass der Zürcher Buchhändler- und Verlegerverein hinter dem Festival steht, können sogar Events im ganzen Kanton angeboten werden.

Innovativ, aber nicht erzwungen

Entgegen der Vermutung, die das ausgefallene Programm aufkommen lässt, gehe es bei den Veranstaltungen laut von Salis nicht darum, sich mit möglichst innovativen Lesungen von anderen Literaturfestivals zu unterscheiden. «Zürich liest» wolle bloss den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. «Wir wollen den Besuchenden etwas bieten, was sie nicht haben, wenn sie zu Hause alleine ein Buch lesen», sagt von Salis. Dazu gehörten auch Lesungen an speziellen Orten, wie in einem Tram. Das Lesen werde so zu einem Erlebnis. Walker betont aber, dass es immer auch vom Buch und den Schreibenden abhängt, wie die Veranstaltung gestaltet wird. «Es gibt Bücher und Autor*innen, bei denen eine klassische Lesung am besten funktioniert. Da muss man auch nichts Innovatives erzwingen.»

Ein Besuch des Festivals ist auch für Studierende möglich, die knapp bei Kasse sind. Viele Veranstaltungen sind gratis, und für die, die kostenpflichtig sind, gibt es Studierendenrabatt. Trotzdem beobachteten von Salis und Walker in den vergangenen Jahren, dass unter den Festivalbesuchenden wenig junge Leute zu finden sind. Vielleicht sind Studis mit ihrer Uni-Pflichtlektüre bereits so übersättigt, dass sie kein zusätzliches Buch in die Hand nehmen mögen? Walker und von Salis sind sich aber einig, dass es ihnen beim Festival nicht darum geht, Nichtlesende zu konvertieren. Wenn durch das Festival und den Austausch mit anderen Besuchenden die Liebe zur Literatur wieder neu entfacht werde, dann würden sie ihre Aufgabe mehr als erfüllt sehen. ◊

 

Zürich liest 2019: «Sein und Schein»
Das Literaturfestival findet vom 23. bis 27. Oktober statt. Weitere Informationen sind unter
www.zuerich-liest.ch zu finden.

 

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