Folgenschwere Sondersitzung

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Der VSUZH entscheidet heute in einer Sondersitzung über seinen Verbleib im Verband der Schweizerischen Studierendenschaften (VSS). Bei einem Austritt verlöre der Verband seinen Einfluss auf die nationale Bildungspolitik.

Nachdem der VSUZH an der letzten Ratsitzung vom 15. November seine Beschlussfähigkeit verlor (die ZS berichtete) und deshalb nicht mehr darüber abstimmen konnte, ob er Mitglied des VSS bleiben will, wurde auf heute Mittwoch, 28.11.2017, eine Sondersitzung anberaumt. Die ZS tickert live!

Der Verband der Schweizerischen Studierendenschaften (VSS) ist die Dachorganisation der Studierendenvertretungen der Schweizer Hochschulen. Er hat seinen Sitz in Bern und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die studentischen Interessen in die nationale Hochschulpolitik miteinzubringen. Er ist gewissermassen die Lobby der Studierenden im Bundeshaus. Aktuell zählt der VSS zehn Vollmitglieder, darunter die Studierendenvertretungen der Uni Bern (SUB) und Basel (skuba). Auch die welschen Studierendenvertretungen aus Genf (CUAE), Lausanne (FAE) und Neuchatel (FEN). Die Studierendenverbände der zwei Zürcher Hochschulen – der VSETH und der VSUZH – sind Mitglieder. Daneben gibt es eine Vielzahl an assoziierten Verbänden, die allerdings keine Vollmitgliedschaft geniessen.

Diese Mitgliedschaft lässt sich der VSUZH, wo jetzt über einen Austritt diskutiert wird, ordentlich viel Geld kosten. Der Bilanz des VSUZH für das letzte Geschäftsjahr ist zu entnehmen, dass der VSUZH 2016 über 48’000 Schweizer Franken an den VSS überwies. Anders ausgedrückt entspricht das 14 Prozent des Geldes, welches der VSUZH im letzten Jahr zur Verfügung hatte. Ein hoher Betrag also.
Diese jährliche Ausgabe für die Mitgliedschaft im VSS passt nicht allen. Der Fachverein Ökonomie (fvoec) will den Betrag deckeln, das heisst, ihn auf eine Obergrenze festlegen. Konkret sollen nicht mehr als 12.5 Prozent des Vorjahresertrages für den VSS aufgewendet werden. Über diesen Antrag hätte an besagter Sitzung am 17. November abgestimmt werden sollen. Da das wegen zu weniger anwesender Mitglieder nicht mehr möglich war, wurde die Entscheidung darüber vertagt. Dem fvoec ist es inzwischen allerdings zu bunt geworden. Er hat den Antrag zurückgezogen und versucht jetzt stattdessen, sein Anliegen per Initiative durchzusetzen. Die Deckelung ist demzufolge kein Thema an der heutigen Sitzung.

«VSS wird belächelt»

Weiter geht die Fraktion move. Sie fordert den Austritt aus dem VSS. Sie sieht den Zweck einer Mitgliedschaft nicht. «Der VSS hilft den Studierenden auf nationaler Ebene. Die Universität Zürich ist aber vor allem dem Kanton Zürich unterstellt», sagt Alexandre Touihri, Mitglied der move. Der VSUZH täte besser daran, sich in die kantonale Politik einzumischen – dort würden die für die Uni wichtigen Entscheide gefällt. Dafür werde aber momentan «keinen einzigen Franken» aufgewendet, moniert Touihri. Seit der VSUZH Mitglied im VSS sei, habe er für den hohen Mitgliedsbeitrag noch keinen messbaren Gegenwert erhalten. Das Problem dabei sei, dass der VSS schlicht zu wenig Durchschlagskraft habe in Bern: «Entweder der VSS wird in Bundesbern belächelt. Oder aber man kennt ihn gar nicht», frotzelt Touihri. «Sogar Fachvereine und politische Organisationen wie zum Beispiel die kriPo haben eine höhere Durchschlagskraft als der VSS.»

Vorstand will bleiben

Der Vorstand des VSUZH spricht sich für einen Verbleib im VSS aus. Co-Präsident Lukas Buser sagt: «Der VSS leistet extrem wichtige Arbeit. Durch ihn sind wir in allen wichtigen hochschulpolitischen Gremien auf nationaler Ebene vertreten.» Ein riesiger Vorteil sei es zudem, dass der VSUZH nur beim VSS nachzufragen braucht, wenn er Laufendem sein will, was in der nationalen Bildungspolitik abgeht. Co-Präsidentin Polina Pokrovskaya ergänzt: «Der VSS nimmt uns extrem viel Arbeit auf nationaler Ebene ab. So können wir uns besser auf die kantonale Politik konzentrieren.» Sie widerspricht damit auch gleich Touihri darin, dass der VSUZH sich nicht in der Kantonalpolitik engagiere. In einem Punkt kommt der Vorstand Touihri allerdings entgegen: Es sei wichtig, dass man über die Höhe des VSS-Betrages diskutiere.

Beidseitiger Verlust

Was geschieht, wenn der VSUZH heute den Austritt beschliesst? Der Verlust wäre vermutlich beidseitig. Der VSUZH verlöre seine Stimme in der Bundesstadt und damit seinen Einfluss in die nationale Politik. Der VSS auf der anderen Seite verlöre eines seiner grössten und finanzstärksten Mitglieder – und einen beträchtlichen Teil seiner Legitimation. Wenn er nicht mehr für die Studierenden der grössten Universität der Schweiz sprechen könnte, wäre sein Ansehen arg ramponiert. Seine Durchschlagskraft, die nach Ansicht einiger schon jetzt zu klein ist, würde schrumpfen. Von dem her werden nicht nur die Studierenden der Uni Zürich die heutige Sitzung mit Spannung verfolgen. Sondern auch die Vertreter und Vertreterinnen des VSS. Denn heute Abend könnte für alle Beteiligten ein folgenschwerer Entscheid getroffen werden.

 

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