Galopp, ohne vorwärts zu kommen: ein Pferd auf dem Laufband (Bild: zVg).

Forschung und Fitness für das Ross

in Campus/Thema/Tierspital von

Was an der Vetsuisse-Fakultät geforscht wird, nützt Tier und Mensch.

Während des Sechseläuten 2015 starb ein Pferd – ein kontrovers diskutiertes und von Tierschützerinnen und Tierschützern scharf kritisiertes Thema. Die Abteilung Sportmedizin Pferd der Vetsuisse-Fakultät nahm sich daraufhin der Sache an. Sie untersuchte in einer Studie die Stressbelastung, der die teilnehmenden Pferde ausgesetzt sind, wenn sie um den brennenden Böögg galoppieren. Man befand, dass die Herzfrequenz der Pferde zwar erhöht, die Stressbelastung jedoch moderat ist und den Pferden zugemutet werden kann.

Wie ein Laufband im ASVZ, nur grösser

Die Routiniers unter den Pferden waren dabei deutlich entspannter. Eine wirkungsvolle Vorbereitung von Pferd und Reiter zahlt sich demnach besonders aus. Das hat sich die Abteilung zur Aufgabe gemacht. Pferdehalter sollen für mögliche Gesundheitsprobleme sensibilisiert und damit auf die Wichtigkeit der Prävention aufmerksam gemacht werden. Es geht insbesondere auch um das «Verstehen von Zusammenhängen zwischen Gesundheit, Training, Haltung und Fütterung», meint Michael Weishaupt, der Leiter der Abteilung. Ihm ist insbesondere die ethisch vertretbare Haltung und Nutzung der Pferde wichtig. Rückenprobleme eines Pferdes können auf Haltungsfehler zurückführen, genauso aber auch auf falsches Training, auf die Kompetenz des Reiters oder auf das Reitzubehör wie den Sattel. Für die Bewegungsanalysen nutzt die Abteilung Sportmedizin Pferd ein Hochgeschwindigkeitslaufband. Man stelle sich ein überdimensionales Jogging-Laufband des ASVZ vor. «Eine Beurteilung des Gangs des Pferdes durch einen Tierarzt ist oft eine subjektive Angelegenheit», sagt Weishaupt. «Das Pferd kann sich ja nicht mitteilen.» Das Hochgeschwindigkeitslaufband ist das einzige weltweit, das über ein integriertes Kraftmessgerät verfügt, das insbesondere Lahmheiten des Pferdes messen kann. Entwickelt und konstruiert wurde es in Zusammenarbeit mit Ingenieurinnen und Ingenieuren für die eigene Abteilung. Mit Hilfe von Lichtsensoren und Kameras aus allen Richtungen wird ein Bewegungsmuster aufgezeichnet. So kann die Bewegung des Pferdes akkurat untersucht werden.

38 Professorinnen und Professoren in elf Instituten und vier Departementen mit der Hilfe von über 600 weiteren Angestellten haben sich der Forschungstätigkeit in der Tiermedizin verschrieben. Nicht nur das Wissen über unzählige Tierarten wird erweitert, auch der technische Stand von Untersuchungen, Behandlungen und Therapien wird weiterentwickelt.

Eine grosse Herausforderung

Die Bedeutung der Pferde als Arbeits- und Transporttiere, vor allem auch in der militärischen Vergangenheit, waren ursprünglich Grund dafür, dass die Veterinärmedizin ein universitärer Fachbereich wurde. Die Lebensmittelhygiene, damals relevant für die Verpflegung von Soldaten, ein weiterer. «Die Bereiche Fleisch, vor allem auch der Schlachtbereich, und Milch wurden deshalb seit jeher von Tierärzten abgedeckt», sagt Roger Stephan, Dekan der Vetsuisse-Fakultät und Direktor des Instituts für Lebensmittelsicherheit und -hygiene. Letzteres ist schweizweit das einzige Universitätsinstitut dieser Art. Obwohl die Bezeichnung «veterinärmedizinische Forschung» andeutet, dass es um die Gesundheit des Tieres und deshalb um die Erforschung von Tierkrankheiten geht, sind also insbesondere auch der «gesundheitliche Schutz des Menschen und der Umwelt vor tierischen Krankheitserregern», sowie das Ermitteln der Herkunft wichtiger Krankheiten, Kernkompetenzen.

«Peel it, boil it, cook it – or forget it», so der Rat von Stephan für die Verpflegung auf Reisen. Auch heute noch stellen Kranheitserreger, die vom Tier über die Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden, weltweit und «gerade auch in Erstwelt-Ländern», eine grosse Herausforderung dar, erklärt er. Jährlich erkranken ungefähr 250’000 Menschen an Campylobacter, einem Erreger, der zu Durchfallerkrankungen führt. Andere Bakterien geben den Anstoss zu weitaus schwereren Krankheitssymptomen, die schlimmstenfalls sogar mit dem Tod enden können. Prävention ist auch hier das Stichwort. Die «adäquate Aufbewahrung der Lebensmittel, eine gute Küchenhygiene» wie auch die Kenntnis von Herkunft und Herstellung der Lebensmittel können in sehr vielen Fällen die Übertragung von Krankheiten verhindern. Vor allem antibiotikaresistente Bakterien verursachen heute Probleme für die Lebensmittelkette, sagt Stephan. Am Institut suchen sie insbesondere auch nach Strategien, um den Einsatz von Antibiotika in der Lebensmittelproduktion auf den landwirtschaftlichen Betrieben zu reduzieren, da die Verfügbarkeit von wirksamen Mitteln
überlebenswichtig ist.

Unter den besten Zehn

Häufig können Untersuchungen an der Vetsuisse, die dem Tier dienen sollen, mit menschlichen Belangen gekoppelt werden. Zum Beispiel, «wenn gewisse Krankheiten, wie Diabetes ähnlich verlaufen oder gut vergleichbar sind zwischen Tier und Mensch», sagt Annette Liesegang, Direktorin des Instituts Tierernährung. So forschen unter anderem auch das Institut für Parasitologie, das Virologische Institut oder die Abteilung für Radio-Onkologie auf interdisziplinären Gebieten.

An der Vetsuisse wird auch mit Versuchstieren gearbeitet. Am Institut für Tierernährung ist die Forschung «neben wenigen Ausnahmen meist an Versuchstiere gekoppelt, sei es auf landwirtschaftlichen Betrieben oder an der Fakultät», sagt Liesegang. Das sind vor allem Schafe, Ziegen, Kühe, Hunde und Katzen. Die Versuchstiere werden später fast immer an Privatpersonen weitergegeben. Teilweise werden direkt Besitzer von Tieren angefragt, ob ihre Tiere an Fütterungsstudien teilnehmen dürfen. Wenn möglich werden Tierversuche aber durch in vitro-Methoden ersetzt, das heisst, Zellkulturen tierischer Herkunft werden zu Versuchszwecken gezüchtet. Sofern ein respektvoller Umgang mit den Tieren gewährleistet ist, sieht Liesegang klinische Studien durchaus als «vertretbar». Das «Füttern von Tieren mit Testdiäten oder auch die Blutentnahmen» stellen für sie «kein Vergehen gegen die Ethik der Tiere» dar. Insofern sämtliche Versuche und Studien durch eine Ethikkommission und Tierschutzkommission bewilligt werden müssen.

Fest steht, die Vetsuisse-Fakultät forscht mit einer solchen Hingabe zum Wohl des Tiers und des Menschen, dass sie europaweit bis in die Liga der besten veterinärmedizinischen universitären Zentren emporgestiegen ist. 2017 belegte die Fakultät im «Shanghai Global Ranking of Academic Subjects» den Platz 7 von 200 Universitäten ihres Fachbereichs, im Jahr 2018 gehört sie immerhin zu den Top 15.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

Neuestes von Campus

Gehe nach Oben