Das Medizinstudium an der ETH ist praxisorientiert (Illustration: Sumanie Gächter).

Für den Master nach Lugano

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Medizin-Studierende an der ETH müssen für ihren Master die Uni wechseln.

Die Humanmedizin-Studierenden der ETH müssen ihr Studium nach dem Bachelor an einer anderen Universität fortführen. Die Hälfte muss nach Lugano wechseln. Das ist notwendig, weil die ETH selbst keinen entsprechenden Masterstudiengang anbietet. Jörg Goldhahn, Projektleiter des Studiengangs, bestätigt, dass man die Übernahmezusagen bereits habe. Basel und Zürich seien ausserdem dabei, ihre Ressourcen auszubauen, und im Tessin werde eine vollkommen neue Infrastruktur aufgebaut, um die zusätzlichen Masterstudierenden unterzubringen. Im Oktober fällt der Entscheid, wer an welche Uni kommt. «Klar wäre Zürich oder Basel besser», sagt eine Zweitsemesterstudentin. «Aber wenn ich ins Tessin muss, dann würde mich das nicht extrem stören.» Der Master sei ja auf Englisch.

Für einen Drittel nicht die erste Wahl

Die ETH führte den Bachelor-Studiengang Humanmedizin im Herbst 2017 ein. Dies, obwohl ein solcher schon an der Universität Zürich existiert. Denn es herrscht ein Mangel an Ärztinnen und Ärzten in der Schweiz. Dadurch schuf sie jährlich 100 zusätzliche Studienplätze. Rund ein Drittel derjenigen, die den Studiengang wählten, wollten ursprünglich an eine andere Universität. Ihre erste Priorität war nicht die ETH. Sie wurden ihr dennoch zugeteilt.

«Man merkt halt, dass es die ETH ist», sagt Abeelan, der im zweiten Semester ist. Der Anteil an naturwissenschaftlichen Fächern sei viel höher als an der Uni. Er könne sich gut vorstellen, dass diese jenen Probleme bereiteten, bei denen die ETH nicht die erste Wahl gewesen sei.

Eine andere Studentin sagt: «Wir haben während des Semesters einfach mehr zu tun als die Unistudierenden.» Die medizinischen Fächer seien stärker in ein Semester komprimiert, daher habe man weniger Zeit, sich etwa mit dem Thema Bewegungsapparat auseinanderzusetzen. Toll sei allerdings, dass die klinischen Vorlesungen viel früher begännen. «Die erste Woche haben wir gleich im Spital verbracht und an der ETH ist die Klinik in die medizinischen Fächer integriert.»

Praxis im Fokus

«Es ging nicht nur darum, mehr Plätze zu schaffen, sondern auch darum, das Ganze neu zu konzipieren», sagt Projektleiter Goldhahn. Mit dem neuen Studiengang könne man beispielweise den Lernzielkatalog 2017 besser als andere Universitäten integrieren, die bestehende Inhalte ändern müssten. Sind die Studierenden also einfach Versuchskaninchen für das Studienprogramm? «Wir bevorzugen den Begriff Testpiloten», sagt Goldhahn lachend. Die Studis könnten sich einbringen und man höre auch auf ihre Rückmeldungen. In einem etablierten System wie an der Uni sei es viel schwieriger, Dinge zu ändern. «Die Studierenden schätzen es, dass ihre Inputs aufgenommen werden», sagt Goldhahn. Auch die Praxis spiele eine wichtige Rolle: «Wir leisten einen guten Beitrag, keineswegs nur Forschende, sondern auch Ärztinnen und Ärzte auszubilden. Jeder Fachbereich ist später möglich.» Im Vergleich zur Universität Zürich sei der Lernplan an der ETH wesentlich verknüpfter und um die menschlichen Organsysteme zentriert.

Die Durchfallquote sei hingegen eher mit der Uni als mit dem Rest der ETH vergleichbar, wo sie manchmal bis zu 70 Prozent betrage. Dies schreibt Goldhahn der Tatsache zu, dass durch den Numerus Clausus bereits vorselektioniert wird.

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