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Furor Poeticus

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Unter dem Titel «Schreibrausch» erzählt die gegenwärtige Ausstellung im Literaturmuseum Strauhof von grosser Inspiration, ekstatischen Zuständen und auch deren Kehrseite: dem Ringen um Worte, das Schreibende oftmals sogar noch besser kennen. Der Ausstellungsrundgang beginnt mit dem leeren, weissen Blatt – dort, wo auch die grossen Literaturklassiker ihren Anfang nahmen. Anhand ganz und gar kahler oder von der Tinte des Rotstiftes durchsetzter Manuskripte lässt sich sehen, wie gleichermas-sen bekannte wie begnadete Schriftsteller und Schriftstellerinnen einst verzweifelt auf den «furor poeticus», den Schreibrausch, gewartet haben.

Im weiteren Verlauf der Ausstellung rücken dann der Zustand überschäumender Inspiration und der Exzess im literarischen Schaffensprozess in den Fokus: Anhand von Zitaten, Briefen und Typoskripten verschiedener Schreibender werden einerseits die Schreiberfahrungen unter dem Einfluss berauschender Substanzen geschildert, andererseits werden aber auch experimentelle Schreibtechniken vorgestellt wie etwa die Écriture automatique, bei welcher Texte gänzlich ohne Absichtlichkeit und Sinnkontrolle verfasst werden. An anderer Stelle werden die «literarischen Produkte» eines solchen Schreibrausches präsentiert, die oftmals innerhalb von Rekordzeiten geschrieben wurden: Kafkas Novelle «Das Urteil» soll etwa in einer einzigen Nacht begonnen und vollendet worden sein. In Form von vollgekritzelten Korrekturfahnen und fahrig festgehaltenen Notizen wird gezeigt, wie sich der Rausch auf dem Papier manifestieren kann – ein Rausch, der mal beseelend und von schöpferischer Kraft ist und mal zerstörerisch in Form einer pathologischen Graphomanie auftreten kann.

Die Ausstellung «Schreibrausch» ist literarisch reichhaltig und schafft es dank ihrer Exponate illustrer Autorinnen und Autoren wie etwa Thomas Mann, Meret Oppenheim und Robert Walser, auch auf einer sinnlich erfahrbaren Ebene einen Zugang zur Literatur zu finden.

Die Austellung «Schreibrausch» ist noch bis am 7. Mai im Museum Strauhof zu sehen.

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