"Böse Delphine" ist Julia Kohlis Debütroman (Bild: Lenos Verlag).

Gar nicht so böse

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Der Debütroman «Böse Delphine» löst das Versprechen einer bissigen Satire nicht ein.

Was Halina im Leben tun möchte, weiss sie eigentlich noch nicht wirklich. Man kennt dieses Phänomen als das typische Problem der Millennials. Gegenwärtig ist Halina aber noch Geschichtsstudentin und arbeitet nebenbei an einem gewöhnlichen Kiosk im Zürcher Flughafen, wo sie das Personal beobachtet. Ihrem Freundeskreis erzählt sie aber von der Arbeit im «Buchkiosk». Julia Kohlis Buch will die Gesellschaft abbilden, aber der Versuch, die Figuren durch ihre Tätigkeiten zu charakterisieren, gelingt nur bedingt. Da ist Bissig, der das Materiallager des Flughafens organisiert. Da ist ihre Mitarbeiterin am Kiosk, die immer ins Leere starrt. Da sind ihre Uni-Bekanntschaften, Nada und Rico, mit denen sie Partys und Kunstveranstaltungen besucht. Meist führt die Beschreibung dessen, was die Figuren tun, lediglich zu aufzählenden Passagen, die die Figuren selbst aber nicht fassbar machen.

Unsympathische Hauptfigur

Eine Liebesgeschichte darf natürlich auch nicht fehlen, aber zu kitschig sollte sie nicht sein, das würde sich in einer Satire nicht schicken. Also muss ein Elias her – ein gutaussehender, spiessiger Archäologiestudent. In ihn verguckt Halina sich, um ihn nach einiger Zeit doch unausstehlich zu finden. Sie beklagt sich über alles, was nicht so ist, wie sie es gerne hätte. Und tut sich dabei auch selbst immer etwas leid. «Durch die Verbindung von Putzmittel, Metall und Staub spürte ich zum ersten Mal seit meiner Bronchitis, dass ich Lungen hatte.» Solche Sätze machen die Hauptfigur eher unsympathisch. Das kann aber auch am satirischen Moment  der übertreibenden Geste liegen.

Satireelemente greifen nicht

Der übersteigerte Tonfall wird beibehalten. Der Kioskjob wird als etwas beschrieben, wofür man sich als Studentin schämen muss, Zürich in der Nacht als gefährliches Pflaster und Studierende als mit Wörtern wie «Dialektik» und «Mythos» um sich werfende Ungeheuer. Obwohl die Übertreibung ein Merkmal der Satire ist, wird sie im Roman nicht richtig eingesetzt. Denn wirklich aufgedeckt wird dabei nichts. So entsteht der Eindruck, dass die zu entlarvende Oberflächlichkeit als Legitimation für oberflächliches Schreiben fehlverstanden wird.

Viel lieber als das Gejammer über ihren Job am Flughafen oder die Kunstveranstaltungen würde man zum Beispiel mehr von ihrem polnischen Grossvater erfahren, und was seine Lebensgeschichte mit ihr zu tun haben könnte. Der Roman streift dies nur kurz und kommt somit über einen angetönten Entwurzelungsdiskurs nicht hinaus. Als Einwand könnte man vorbringen, dass der Rahmen der Satire dies nicht erlaube. Doch auch bei Figuren, wo tatsächlich mit den Mitteln der Satire viel aufgedeckt werden könnte – gerade bei Halinas Freunden –, kratzt der Roman bloss an der Oberfläche.

Nur die Sprache rettet das Buch

Die nicht durch Tiefe brillierende Geschichte wird durch die in ihrem Drängen schöne Sprache wettgemacht. Die kurzen, oft elliptischen Sätze retten die inhaltlich wenig ansprechenden Schilderungen. Dank ihnen möchte man weiterlesen.

Doch auch wenn die Geschichte wenigstens durch die Sprache etwas an Zugkraft gewinnt, wächst sie nicht über die gängigen Klischees über die Studierenden hinaus, und die wirklich interessanten Geschichten bleiben am Wegrand stehen. Die Erwartungen an Kohlis Erstlingsroman, das Studimilieu zu enthüllen, werden nicht erfüllt, denn der Versuch, das Milieu als oberflächlich zu entlarven, bleibt selbst oberflächlich.

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