Die «ZS» wurde unter dem Namen «Zürcher Student» 1923 gegründet. Hinter der ältesten Studierendenzeitung der Schweiz steckt ein bewegtes Stück Geschichte. Und eine ganze Menge vergessener sowie unvergessener Autoren. Wenn man ehrlich sein soll, hat dieser Zürcher Student einen ambivalenten Charakter:

Erst wollte er nationalistisch sein. «Schriftleiter» Robert Tobler war mit-, wenn nicht hauptverantwortlich, dass die Zeitung in den 30er Jahren stark nationalistisch geprägt war und die Inhalte der Propaganda des dritten Reiches nahe kamen. Dann machte das Blatt in den wilden 60ern linksaussen voll Dampf und unterzog sich als Höhepunkt seiner Morphose einer Geschlechtsumwandlung (und hiess fortan «Zürcher Studentin»). Irgendwann interessierte die Publikation sich plötzlich nicht mehr für Politik, kriegte – nicht zum ersten Mal – die finanzielleMagersucht, war fast am Ende. Und seit kurzem will er (oder sie?) nur noch «ZS» genannt werden, hat zugespeckt und will mit fast 85 Jahren noch einmal ganz neu anfangen. Doch von welchem «Zürcher Student» oder von welcher «Zürcher Studentin» ist hier überhaupt die Rede?

Eine Vielzahl von Studierenden hat in ihrer jeweiligen Zeit die ZS genutzt, um ihre persönlichen Meinungen und Interessen nach aussen zu tragen – so, wie es bei einer anderen Zeitung kaum möglich war. Der politische und journalistische Zickzackkurs des Studierendenblatts bestätigt das. Aber auch abseits des Politischen wurde Geschichte gelebt: Einige, wenn nicht viele, lernten in der ZS das journalistische Handwerk, das ihnen später eine Karriere in der Medienbranche ermöglichte. Wer heute eine Tageszeitung aufschlägt, hat gute Chancen, ehemalige ZS-Mitarbeiter wieder zu entdecken. Andere versuchten es mehr oder weniger erfolgreich mit ihrem lyrischen Geschick – auch Max Frisch und Kurt Tucholsky zählten dazu.